Flüchtlinge - Tausend geduldete Roma sollen zurück in den Kosovo: Der Gomaringer Andreas Foitzik ist Mit-Initiator eines bundesweiten Netzwerks für ein Bleiberecht

Pädagogen gegen Abschiebung

VON PHILIPP FÖRDER

GOMARINGEN/REUTLINGEN. Alle warten auf den 7. März. Landespolitiker von den Grünen bis zu den Schwarzen. Befürworter, Gegner und natürlich die Betroffenen. Auch Andreas Foitzik. Am 7. März berichtet der Petitionsausschuss im Landtag von seiner Reise im Januar in den Kosovo. Von seinem Bericht wird es abhängen, ob Baden-Württemberg die von der grün-roten Landesregierung gestoppte Abschiebung von Roma in den Kosovo wieder aufnimmt.

Um dies zu verhindern, hat der Gomaringer Andreas Foitzik mit einem bundesweiten »Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik« einen Aufruf ins Netz gestellt. Mittlerweile unterstützen etwa 2 500 Menschen das Anliegen unter der Überschrift »Pädagoginnen und Pädagogen gegen die Abschiebung von Roma in den Kosovo«. Einzelpersonen, aber auch Institutionen wie der Landesjugendring und der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, das Netzwerk Schulsozialarbeit, das Lebenshaus Schwäbische Alb in Gammertingen, die Mitarbeitervertretung von Mariaberg.

Warum Pädagogen? Warum Sozialarbeiter und Lehrer? »Es ist wichtig, dass sich eine ganze Berufsgruppe in der Verantwortung sieht«, findet Andreas Foitzik, der bei der Reutlinger Bruderhaus-Diakonie Leiter des Fachdienstes Jugend, Bildung, Migration ist. »Überall, wo wir arbeiten, haben wir mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die nur geduldet sind: als Lehrer und Schulsozialarbeiter, im Jugendhaus und auf der Straße.«

Im Fall der Gomaringer Familie Avdijaj - eine der ganz wenigen Geschichten mit Happy End - ist aus seiner Sicht deutlich geworden, wie wichtig gerade die Haltung von Pädagogen ist. »Wir handeln aus unserer Fürsorgepflicht gegenüber den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Eine Abschiebung kann für sie traumatische Wirkungen haben«, heißt es deshalb in dem Aufruf. Und: »Diese Kinder sind Teil unserer Gesellschaft und haben ein Kinderrecht auf Bildung und auf Selbstbestimmung.«

Nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums leben derzeit in Baden-Württemberg noch rund 1 500 »ausreisepflichtige Personen« aus dem Kosovo. Der weitaus größte Teil gehört ethnischen Minderheiten an: etwa 1 000 Roma, 210 Aschkali und rund 40 Ägypter. In den Kreisen Reutlingen und Tübingen sind jeweils etwa 30 Roma von der Abschiebung bedroht. Die Menschen leben seit vielen Jahren hier, die Kinder sind hier aufgewachsen, oft sogar in Deutschland geboren. Die Abschiebung von Flüchtlingen ist immer schlimm, findet Andreas Foitzik, »aber für Kinder, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben, ist das noch einmal eine andere Sache«.

Klar ist für Foitzik: Nicht alle Roma sind wie die Avdijajs, die integriert waren. »Es gibt hier Familien, an denen haben sich Generationen von Sozialarbeitern die Zähne ausgebissen. Das darf man nicht schönreden. Aber dennoch kann man sie nicht einfach wegschieben.« Zumal Deutschland aus seiner Sicht eine historische Verantwortung gegenüber den Roma hat: »Das war eine der Hauptopfergruppen im Nationalsozialismus. In der aktuellen Diskussion spielt das leider überhaupt keine Rolle.«

Höchst problematisch ist aus der Sicht der Pädagogen die Überlegung, eine Ausnahmeregelung für Familien mit schulisch erfolgreichen Kindern zu schaffen. »Damit wird den Kindern die Last aufgebürdet, über das Schicksal der ganzen Familie zu entscheiden.« Wie groß diese Last ist, deutete kürzlich Elvira Avdijaj an, die Deutschland als Hauptschülerin verlassen musste und nun dank kontinuierlicher Unterstützung aus Gomaringen in Sigmaringen ihren BWL-Master macht. »Ich weiß nicht«, räumte sie ein, »ob ich in der Schule so gut gewesen wäre, wenn ich diesen Druck gehabt hätte.« (GEA)



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