Zehntscheune - Vogelkot verursacht Schäden in Ofterdingen. Anders als in Tübingen kein generelles Problem
Ofterdinger kämpfen mit Draht gegen Tauben
Von Joachim Kreibich
OFTERDINGEN/ TÜBINGEN. Sie sitzen oben auf dem Turm der Zehntscheune, halten Ausschau und gurren unschuldig. Sie fliegen ihre Runden, sammeln Futter und kommen wieder. Und sie schaffen ein Problem: Die Tauben auf dem Turm haben Wasserschäden im Gebäude verursacht.
Rastplatz für die Vögel: der Turm der Ofterdinger Zehntscheuer.
FOTO: Joachim Kreibich
Im Ofterdinger Rathaus sinnt man auf Abhilfe. Hauptamtsleiter Alexander Schwarz kennt die Sachlage: »Die Tiere koten von oben aufs Dach und sie treffen genau in die Dachrinne.« Ziemlich exakt an dieselbe Stelle. Die Rinne verstopft. »Das wird ein regelrechter Damm«, weiß Schwarz. Das Regenwasser kann nicht abfließen und tropft in der Folge nicht einfach auf den Boden, sondern sucht sich seinen Weg ins Innere der Zehntscheune.
Noch waren die Schäden nicht gravierend. Immerhin: »Einmal mussten wir den Maler kommen lassen«, sagt der Hauptamtsleiter und verweist darauf, dass die Mitarbeiter des Bauhofs die Rinne natürlich sofort gesäubert haben und bemüht sind, sie frei zu halten.
Weil sich solch ein Schaden nicht wiederholen soll, hat man sich im Rathaus Drahtgeflechte und Konstruktionen angesehen, die die Tiere entweder ganz abhalten oder ihnen das Sitzen an den problematischen Stellen verleiden - wie Spikes und Edelstahlspitzen. Das kostet nicht viel, ist schnell montiert und wird außerdem im Ort hergestellt.
Gefahr droht nur vom Falken
Im Rathaus geht man davon aus, dass die Wiederholungsgefahr damit gebannt ist. Weitergehende Maßnahmen sind nicht geplant. Der Einzige, der in Ofterdingen den Vögeln ans Leben will, ist der Turmfalke von der Mauritiuskirche, der bereits hin und wieder beobachtet wurde, wie er eine Taube schlägt.
Hauptamtsleiter Schwarz betont: »Ein Taubenproblem haben wir nicht.« Anders als in Tübingen, wo seit Jahren heftig darüber debattiert wird, wie man ihre Zahl begrenzen könnte, sind die Tiere in Ofterdingen auch noch nie gezählt worden.
Eier ausgetauscht
Allein in der Tübinger Altstadt nisten rund 650 Tauben - die Hälfte wäre noch zu viel, die Schäden an Gebäuden seien erheblich, heißt es im dortigen Rathaus. Bisher lockt man die Vögel in zwei große Taubenhäuser im Alten Botanischen Garten und bei der Platanen-Allee. Dort werden die Tiere gefüttert und die Eier durch Gips-Attrappen ausgetauscht. Ein weiterer Taubenturm würde 40 000 Euro kosten.
Seit 1997 haben die Helfer in Tübingen 19 000 Eier ausgetauscht. Stadttauben sind das ganze Jahr fortpflanzungsfähig. Die Brutzeit ist mit 18 Tagen sehr kurz, eine Taube kann bis zu achtmal jährlich zwei Junge aufziehen. In der Unistadt ist umstritten, ob das bisherige Vorgehen den gewünschten Effekt hatte und wie man künftig verfährt. Der Gemeinderat will demnächst entscheiden, wie man die Tauben-Population dort in Schach hält. (GEA)
Schäden durch Ausscheidungen
Eine Taube produziert durchschnittlich zehn bis zwölf Kilo Kot im Jahr. In Tübingen wurden seit 1997 rund 16 Tonnen Kot entfernt.
Als Wichtigste von der Straßentaube auf den Menschen übertragenen Krankheiten gelten Ornithose und Kryptokokkose - Erstere mit grippeartigen Folgen und Problemen für die Atemwege. Als Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden Salmonellen, Chlamydien, Aspergillen, Candida, Kryptokokken, Histoplasmen und Toxoplasmen. Ansteckungsgefahr besteht vor allem, wenn Menschen kranke Tiere mit nach Hause nehmen oder beim Füttern der Vögel direkten Kontakt mit ihnen haben. (-jk)