Nachtumzug - Schlosshexen gönnen sich zum 20. Geburtstag etwas Besonderes und locken 1 300 Zuschauer an

Nächtliche Hexenparty in Gomaringen

Von Angela Hammer

GOMARINGEN. Ein Nachtumzug – was könnte den Hexen im weiten Umkreis besser reinlaufen? Wüste Verwünschungen, üble stinkende Gebräue, viel Rauch und Geschrei, schwirrende Besen in der Dunkelheit: Da könnten sie sich doch prächtig austoben.

Nachtumzug in Gomaringen Schlosshexa Januar 2015
Vom Publikum gefeiert: die gastgebenden Gomaringer Schlosshexen beim Pyramidenbau. FOTO: Angela Hammer
So ähnlich muss sich das Jochen Werner, Oberhexe der Gomaringer Schlosshexen, vorgestellt haben, als er sich vor zwei Jahren »etwas Besonderes« zum 20-jährigen Geburtstag wünschte. Allerdings brauchte es viel Überzeugungskraft, um seine dunklen Feen für einen Nachtumzug zu begeistern.

Doch rund 1 600 Hästräger aus der Region und weit darüber hinaus sahen das genauso: vorzugsweise Artgenossinnen, gern in Begleitung ihrer dunklen Chefs. Mit Gosheim, Tiengen und Donaueschingen waren auch aus den traditionellen Reichen der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet Zünfte vertreten, darunter auch einige wenige Weißnarren.

Beeindruckender Pyramidenbau

Ganz so wüscht lief dann der Nachtumzug am Samstagabend nicht. Da waren Dunkelheit, diverse Regularien und eine gewisse – sagen wir, Gemütlichkeit - vor. Konfetti und Stroh sind schon längst nicht mehr erlaubt, Fackeln beleuchteten die Szenerie höchst selten und auch Hexenkessel qualmten nur sehr wenige. Aber eindrucksvoll war es allemal. Der Wind wühlte in den langen Mähnen der Hexen, wenn sie ihre tollen Pyramiden beim Sprecherwagen zeigten, und das eine oder andere kurzbehoste Mädel wurde mit zugebundenen Schnürsenkeln huckepack im Kreis gewirbelt.

Und wie Jonah Böttiger, Jessica und Yannik Kuttler fanden trotz Widrigkeiten auch die kleinen Käsperle Spaß am »Quatsch machen«. Für den richtigen Groove sorgte auf der Strecke vom Hasenheim bis zur Kulturhalle ein halbes Dutzend bunter Guggamusik-Bands und Streckensprecherin Petra Glaunsinger brachte doch immer wieder Bewegung ins Publikum. Alle 58 Narrenzünfte mit ihrem richtigen Narrenruf anzusagen, kostete die Brauchtumsmeisterin fast ihre Stimme. In der Halle heizten anschließend Wiesaz-Lomba und Luka laustark den gut gelaunten Gästen richtig ein, auch wenn kaum Platz zum Tanzen blieb.

Was für ein Kraftakt! Das Publikum spürt in der Regel wenig davon, ist glücklich, wenn es was zu schauen und genug zu trinken bekommt. Welch riesigen – auch finanziellen – Aufwand dieser spezielle Umzug und die anschließende Party in der Kulturhalle und daneben im Zelt bedeutete, zeigt ein Blick hinter die Kulissen: Seit zwei Jahren gingen die Hexen mit der Planung schwanger, vor einem dreiviertel Jahr ging es ans Eingemachte – Anfragen, Einladungen, Genehmigungen, Logistik, teure Sicherungsmaßnahmen. Seit Neujahr war es für Jochen Werner ein Vollzeit-Job.

Beim Aufräumen am Sonntagmorgen waren die meisten schon 30 Stunden auf den Beinen – »hammerhart, wie die durchgehalten haben«, bedankte sich der erste Narrenmeister bei allen Vereinsmitgliedern. Ohne diesen Zusammenhalt und auch die Hilfe der Gomaringer Käsperle hätte es nicht funktioniert, ist sich der Vorstand sicher. Auch wenn noch Schäden beseitigt werden müssen und es finanziell gerade mal so aufgegangen sein dürfte: »Es war ein rundum gelungenes Fest.« (GEA)


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Gomaringer Narren unterwegs

Nachtumzug der Schlosshexa

Nachtumzug in Gomaringen Schlosshexa Januar 2015
FOTO: Angela Hammer
 
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