Integration - Netzwerk Bleiberecht verhilft Flüchtlingen zu Arbeit und Ausbildung. Vermittlung schwierig

Nachrangig in der Fremde

VON MARTIN SCHREIER

TÜBINGEN. Flüchtlinge haben es schwer. Fern der gewohnten Umgebung müssen sie einen fremden Ort zu ihrer neuen Heimat machen. Schwer haben sie es dort auch bei der Arbeitssuche. Mit einem Sonderprogramm des Europäischen Sozialfonds für Deutschland, dem Xenos-Programm, werden Institutionen und Maßnahmen vom Bund finanziert, die Bleibeberechtigten den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.

In Baden-Württemberg haben sich drei Projekte diesem Ziel verschrieben. Eines davon ist das Netzwerk Bleiberecht in Stuttgart, Tübingen und Pforzheim.

»Unser Ziel ist die langfristige Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung«, erläutert Mattea Schimpf von der Werkstatt Parität, wo Leitung und Koordination des Projekts Netzwerk Bleiberecht angesiedelt sind. Mit einem Arbeitsplatz eröffnen sich den Bleibeberechtigten langfristige Aufenthaltsperspektiven in Deutschland. Im Netzwerk kooperieren mehrere Institutionen. In Tübingen sind es das Asyl-Zentrum, die Neue Arbeit Zollern-Achalm und das Job-Center im Landkreis Tübingen.

Ohne Ausbildung

Zu ihren Leistungen zählt die individuelle Beratung, Betreuung und Förderung der Projektteilnehmer sowie ihre passgenaue Qualifizierung. Bis zur Jahresmitte wurden über 1 000 Teilnehmer betreut und gefördert, davon 250 im Kreis Tübingen. In Anspruch genommen wird das Angebot zu zwei Dritteln von Männern und zu einem Drittel von Frauen. Die Teilnehmer kommen häufig aus dem Irak oder dem Kosovo. Im Kreis Tübingen konnten rund 35 Prozent der Teilnehmer in sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt werden.

Doch die Vermittlung in Arbeit gestaltet sich schwierig. Viele Flüchtlinge kommen ohne Ausbildung und Arbeitserfahrung, berichtet Bodo Quade vom Verein Neue Arbeit Zollern-Achalm. Deshalb seien einfache Arbeiten gefragt. Doch immer mehr Firmen verabschiedeten sich aus solchen Bereichen und setzten dafür auf Zeitarbeitsfirmen. Erschwert wird die Vermittlung zudem durch geringe Sprachkenntnis und den unsicheren Aufenthaltsstatus der Arbeitssuchenden.

Persönlicher Kontakt wichtig

Arbeit suchen ist eine Sache, in Arbeit bleiben eine andere. Wie Quades Kollegin Susanne Heinrich schildert, schmissen manche Arbeitgeber irgendwann hin, wenn die Flüchtlinge nicht die erwarteten Arbeitseigenschaften mitbrächten. Sie spricht sich für eine Ausdehnung des Projekts auf Arbeitsassistenz aus. Damit die Arbeitgeber bei der Stange blieben, sei ein fortgesetzter persönlicher Kontakt äußerst wichtig.

Die rechtliche Situation setzt Flüchtlingen in Punkto Arbeit enge Grenzen. In den ersten neun Monaten gilt ein allgemeines Arbeitsverbot. Für geduldete Personen ein Zwölfmonatiges. Danach können Flüchtlinge einen vierjährigen, nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt erlangen. Das heißt, dass sie nur Arbeitsplätze erhalten, wenn kein geeigneter Deutscher, EU-Bürger oder Drittstaatsangehöriger dafür gefunden wird. Die Förderung des Netzwerk Bleiberecht läuft zum Jahresende aus. Ob das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Projekt weiterhin trägt, ist offen. (msc)



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