Tübingen
Betreuung - Der Natur nahe: Mössinger Waldkindergarten ist nach knapp einem halben Jahr Betrieb gut nachgefragt

Mössinger Waldkindergarten: Zweite Kraft für »volle Gruppe« nötig

Von Michael Merkle

MÖSSINGEN. »Mmmmhh, hier riecht es nach Hallenbad.« Die Kinder des Mössinger Waldkindergartens haben gerade eine Tür auf der Rückseite eines Gebäudes der Kurklinik in Bad Sebastiansweiler geöffnet, da zieht ihnen ein chlorig-schwefliger Geruch in die Nase. Sie kommen gemeinsam mit Erzieherin Barbara Pelgen, Leiterin des Waldkindergartens und stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins, sowie Tina Lippert, Vorsitzende des Trägervereins, aus der sonnigen Kälte, wo sie nach dem Programm am Vormittag rund um den Bauwagen am Waldrand durch mit Schnee überdeckte Wiesen gezogen sind. Ihr Ziel: Das Café im Erdgeschoss, wo sie gleich eine heiße Schokomilch zum Aufwärmen trinken werden und dazu einige Faschingsküchle vertilgen dürfen.

Tina Lippert und Barbara Pelgen genießen mit Leon, Emma und Victoria die Winterlandschaft.  GEA-FOTO: MERKLE
Tina Lippert und Barbara Pelgen genießen mit Leon, Emma und Victoria die Winterlandschaft. FOTO: Michael Merkle
Der Waldkindergarten Steinlachtal hat im September 2011 seinen Betrieb gestartet (wir berichteten). Aus den sieben Kindern zum Start sind nun elf Kinder geworden, die hier montags, dienstags, mittwochs und freitags von 8 bis 13.30 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 16 Uhr betreut werden. Emma, das elfte Kind, ist gerade in der Eingewöhnungsphase, ihre Mutter ist daher mit dabei.

Warteliste wird nötig werden

Damit es noch mehr werden können, müsste aus der halben Gruppe eine ganze Gruppe mit bis zu 20 Kindern werden. Und die Nachfrage dafür ist laut Tina Lippert vorhanden. Die Zahl der Voranmeldungen für 2013 und 2014 sei sogar so hoch, dass selbst bei einer ganzen Gruppe eine Warteliste nötig werden wird. Für die ganze Gruppe wäre aber neben Barbara Pelgen eine zweite feste Fachkraft rechtlich nötig. Und um diese finanzieren zu können, müsste der Waldkindergarten in die städtische Bedarfsplanung aufgenommen werden.



Die Gruppe ist in dem knappen halben Jahr zusammengewachsen. »Jetzt sind es richtige Waldkinder«, freut sich Barbara Pelgen. Ein Tagesrhythmus und -ablauf habe sich etabliert. Die Kinder haben die Nähe zur Natur schätzen gelernt, mögen jede Form von Wetter. Auch Regentage und Tage mit Kälte und Schnee haben ihre Reize. Es gibt viel zu beobachten und zu erkunden.

Neben dem Bauwagen wurde ein Zelt aufgestellt, der Boden mit Rindenmulch ausgestreut. Es ist eine Art Werkstattzelt. Vor Weihnachten wurden hier beispielsweise Adventssterne gesägt. Die Feuerstelle mit Holzhockern vor dem Bauwagen wird fast jeden Tag genutzt. Leon gehört zu den Kindern, die das Vespern am Feuer dem beheizten Innern des Bauwagens vorziehen - und damit ist er nicht allein. Der Schnee hat ausgereicht, um mit »Poporutschern« auf dem nahen Hügel am Waldrand viel Spaß beim Schlitteln in einfachster Form zu haben.

Die möglichen Aufenthalte im Café der Kurklinik hatte Geschäftsführer Volker Gurski bereits vor dem Start des Waldkindergartens in Aussicht gestellt - und es ist nicht nur bei Worten geblieben. Die Kinder sind hier wirklich gerne gesehen. Es gibt einen Austausch unter anderem mit hier wohnenden Senioren, die von den Kleinen und ihrem Wesen regelrecht bezaubert zu sein scheinen.

Aufnahme ist das Ziel

Das Ziel des Kindergartens ist es nun, in die städtische Bedarfsplanung aufgenommen zu werden. »Der nächste Schritt ist die volle Gruppe«, sagt Tina Lippert. Da von den elf Kindern derzeit drei Kinder unter drei Jahren alt sind und somit in Sachen Betreuung doppelt zählen, könnten dann noch sechs weitere Kinder zwischen drei und sechs Jahren aufgenommen werden. Der Umbau eines Gebäudes am unteren Rand des Kurparks als Aufenthaltsbereich bei Kälte ist zurückgestellt und scheint aufgrund bisher gemachter Erfahrungen gar nicht mehr nötig zu sein. Der Bauwagen, der bei Kälte morgens vorab mit einem Gasofen beheizt wird, reiche völlig aus.

Victoria hat ihre Schokolade getrunken. Sie darf jetzt auf eine kleine Indoor-Entdeckungsreise gehen - und beobachte zusammen mit Leon Goldfische im Becken des Foyers neben dem Café. (GEA)



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