Kirche - Ein Konzert in der Mössinger Peter-und-Paulskirche war eine von 366 Stationen einer Deutschlandreise

Mössingen singt und klingt

VON ULRICH BÜRCK

MÖSSINGEN. Ein Buch geht durch das Land: »366+1 - Kirche klingt 2012« heißt das groß angelegte Projekt der evangelischen Kirche in Deutschland, bei dem es an jedem Tag dieses (Schalt-) Jahres in einer anderen Kirche Deutschlands ein besonderes Kirchenkonzert gibt.

Die  Mössinger  Kantorei,  das  Mössinger  Vokalensemble  sowie  der  Jugendchor  und  das  Blechbläserensemble  der Jugendmusikschule musizieren gemeinsam unter der Leitung von Günther Löw. FOTO: BÜRCK
Die Mössinger Kantorei, das Mössinger Vokalensemble sowie der Jugendchor und das Blechbläserensemble der Jugendmusikschule musizieren gemeinsam unter der Leitung von Günther Löw. FOTO: BÜRCK
Jede Stadt gestaltet außerdem eine Doppelseite im großformatigen mitreisenden Dokumentationsbuch.

Am Samstag war es in Nürtingen, und bevor es am Montag nach Leonberg gebracht wurde, gab es das einzige Konzert der Reihe im hiesigen Kirchenbezirk: Nicht in einer der größeren Städte, sondern in der Mössinger Peter-und-Paulskirche, bestritten von Mössinger Musikern unter der Gesamtleitung von Bezirkskontor Günther Löw. Die Mössinger Buchseite gestaltete die Belsener Künstlerin Stefanie Bahlinger.

Da zeigte sich Oberbürgermeister Michael Bulander in seiner Ansprache mit Recht »stolz, dass Mössingen sich in diese Perlenkette der Kirchenmusik einreihen darf«. Und dass in einer Zeit, in der die »Individualität« im Vordergrund steht, gerade auch »Verbundenheit« wichtig sei, wurde im darauf folgenden musikalischen Programm eindrucksvoll erlebbar.

Gerade die ersten Musikstücke - ein Konzertsatz für Trompete von Domenico Cimarosa (brillant: Jörg Günter), eine Choralbearbeitung über »Du meine Seele, singe«, die geschickt die unterschiedlichen Musikgruppen inklusive der Gemeinde einbezog, sowie das Lied »Look at the World« von John Rutter (strahlend und innig: die Mädchen des Jugendchors) vermittelten eine Energie, die im besten Sinne »festlich« genannt werden kann: intensive Hingabe an eine gemeinsame Sache. Das Blechbläserensemble der Musikschule (Leitung: Jörg Günter) setzte »noch eins drauf«: Nicht nur der »Hallelujah Drive« von Chris Hazel hatte Drive, sondern auch das polyfone Renaissance-Madrigal »Il est bel et bon«.

Auszüge aus zwei Werken von Antonín Dvoák standen etwa in der Mitte des Programms: Drei der biblischen Lieder wurden von Philipp Nicklaus (Tenor) und Simone Löw (Klavier) so leidenschaftlich dargeboten, dass sich danach spontan Applaus erhob. Anschließend stand bei dem Gloria aus der Messe D-Dur noch einmal das Prachtvoll-Festliche im Vordergrund. Besonders erwähnt seien die glockenrein jubelnden Soprane sowie die Tatsache, dass die vier Solisten (sauber in die Orgelklänge sich einfügend: Ruth Löw, Dorothee Gloger, Johannes Nicklaus, Alfred Gloger) allesamt aus dem Chor heraus gewonnen werden konnten.

Spontanapplaus für Blockflöten


Die Lesung (Liturgie: Dekanin Marie Luise Kling-de Lazzer) war dann ganz in diesem Sinne: »Zukunftsmusik« müsse wohl, solle es sie überhaupt geben, fürs gemeinsame Musizieren der ganzen Schöpfung gemacht sein - wobei die im Text von Eberhard Jüngel (der übrigens als Theologe in Tübingen gewirkt hat) erwähnten »groben Klötze«, die auch noch »mitsummen und mitbrummen« können müssten, am Sonntagabend in Mössingen so nicht zu hören waren.

Danach entwickelte sich das Programm hin zu immer größerer Intimität: Beim zweiten Gemeindelied-Arrangement (»Sollt ich meinem Gott nicht singen«) gab es einen sanften und ausdrucksstarken Chorsatz von Claus Stemann mit der Kantorei sowie drei Strophen für Solisten. Danach war im »Sellenger's Round« von William Bird zu erleben, wie differenziert und hochvirtuos die vermeintlich altbekannte Blockflöte klingen kann (spontaner Applaus für das Blockflötenquartett der Musikschule, Leitung: Christina Rettich), ehe der vokale Teil mit den schwebenden Klängen des Mössinger Vokalensembles (Leitung: Dorothee Gloger und Günther Löw) zu Ende ging. In der Motette »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz« von Arnold Mendelssohn schufen die neun Sängerinnen einen berührenden Moment.

Eine »Pièce héroïque« von César Franck bildete den Schlusspunkt: Machtvoll entschlossen trotz zwar wunderbar farbenreicher, aber für französische Orgelromantik doch etwas kleiner Orgel war noch einmal Philipp Nicklaus zu hören - vielseitig wie so manche Musiker aus diesen Mössinger Dynastien, die sich immer gegenseitig zu unterstützen scheinen und die das Musikleben dieses kleinen Ortes schon lange auf einem erstaunlichen Niveau halten. (GEA)



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