Architektur - Ursula und Bernd Selbmann haben in Immenhausen ein beispielhaftes Wohnhaus erschaffen

Moderne Villa auf dem Land

Von Ines Stöhr

KUSTERDINGEN-IMMENHAUSEN. Dass sie ihre Nachbarn rund um die Uhr an ihrem Leben teilhaben lassen, stört sie nicht. Die komplett verglaste Südseite ihres Hauses gibt Ursula und Bernd Selbmann im Gegenzug fast das Gefühl, im Freien zu wohnen. Für ihr ungewöhnliches Haus am Ortsrand von Immenhausen sind die Selbmanns im Wettbewerb »Beispielhaftes Bauen« der Landesarchitektenkammer ausgezeichnet worden.

Wohnen fast wie im Freien: Bei zu viel Sonne lassen sich an der komplett verglasten Südseite über das vorgelagerte Stahlgerüst Rollmarkisen ausfahren.  FOTOS: MARKUS NIETHAMMER
Wohnen fast wie im Freien: Bei zu viel Sonne lassen sich an der komplett verglasten Südseite über das vorgelagerte Stahlgerüst Rollmarkisen ausfahren. FOTO: Markus Niethammer
Das Haus der Selbmanns lobte die Jury für seinen einfachen rechteckigen Grundriss, für klare Materialwahl, ruhige Struktur der Einbauten und ausgewogene Raumproportionen. Das Gebäude zeige »eine neue, moderne Interpretation der Villa auf dem Land.« Ein vorne und hinten offener Flur trennt das Haus in zwei Hälften. Die mit einer Holzfassade versehene Nordseite ist auf zwei Stockwerken komplett mit weißen »Einbauschränken« versehen. In den Schränken verbergen sich nicht nur Kleidung, Waschmaschine und Trockner, Haustechnik wie Pelletheizung, Wasser- und Abwasserleitungen, sondern auch die Gästetoilette, Bad und Sauna.

Auf der Südseite, die sich mit einer 3,20 Meter langen Glasschiebetür zum Garten hin öffnet, befinden sich der Wohnraum mit abtrennbarem Gästezimmer im Erdgeschoss und der Arbeitsraum nebst Schlafzimmer im ersten Stock. Die Einrichtung ist spartanisch. Nur das Nötigste haben die Selbmanns bei ihrem Umzug von Nürtingen nach Immenhausen, aus dem Einfamilienhaus in den Zweipersonenhaushalt mitgenommen, nachdem die drei Kinder aus dem Haus waren. Sohn Sebastian studiert in Karlsruhe Architektur und hat das Traumhaus der Eltern gemeinsam mit Daniela Walz entworfen. Auch Bernd Selbmann, Unibauamtsleiter in Tübingen, ist Architekt.

Im Inneren dominieren die Farben grau, schwarz und weiß. Die Schiebewände zur Schalldämmung sind mit grauem Filz bespannt. Geschliffener grauer Zementestrich bedeckt den Boden. Ein buntes Kissen auf einem der Stühle am Esstisch fällt sofort auf. »Das hat mir eine Freundin geschenkt«, sagt Ursula Selbmann lachend. Dekorationen sucht man in dem Haus vergebens. Einzige Ausnahme: ein schwarzer Gartenzwerg des Künstlers Ottmar Hörl. Die Wände zieren Werke der Hausherrin, die nach der Familienphase Kunst studiert hat: Foto-Collagen zum Thema »Ankommen« mit Gegenständen oder Eindrücken, die sie mitgebracht hat und dem, was sie in ihrem neuen Heimatort vorgefunden hat: grafische Elemente und Gras, Heuballen und eine Lampe. Als sozialpädagogische Familienhelferin beim Landkreis Esslingen bringt sie Ordnung in das Chaos anderer Familien.

Sie selbst können sich gut von Einrichtungsgegenständen trennen, haben ihren Nachfolgern in Nürtingen das Kinderspielzeug gleich dagelassen. Und unter anderem 6 000 alte Dias weggeworfen. »Mit zwölf Tassen und Tellern kommt man hin, mehr brauchen wir nicht«, sagt Ursula Selbmann. »Vier Bettbezüge, vier Handtücher und zwei Badetücher, das reicht.« Nicht einfach war die Reduktion des Bücherschrankes, gesteht Bernd Selbmann. Kunstbände haben sie behalten und Grundsätzliches zur Architektur, sie ein paar Biografien, er Bücher von Kafka und Max Frisch.

Das offene Konzept findet sich auch im Garten wieder. Es gibt keinen Zaun zum Nachbarn gegenüber. Und einen Gemüsegarten wird es auch nicht geben. Ein Baum ist allerdings vorgeschrieben. Bernd Selbmann will eine Sauerkirsche pflanzen. »Die blüht schön weiß.« Außerdem liebt er selbst gemachte Sauerkirschmarmelade. (GEA)

Beispielhaftes Bauen


Der Landkreis Tübingen und die Architektenkammer Baden-Württemberg hatten den Wettbewerb »Beispielhaftes Bauen« ausgerufen. Damit sollte »das öffentliche Bewusstsein für die Baukultur im Alltag geschärft und Impulse für eine positive Entwicklung im Landkreis gesetzt werden«, heißt es in der Begründung. Insgesamt wurden 83 Arbeiten eingereicht, darunter 31 Wohnprojekte. 19 Bauten wurden ausgewählt, zwei der fünf besten in der Kategorie Wohnen stehen auf den Härten. Kriterien waren die äußere Gestaltung, innere Raumbildung, Angemessenheit der Mittel und Materialien und die Einfügung in den städtebaulichen Kontext und die Umwelt. (ist)Der Landkreis Tübingen und die Architektenkammer Baden-Württemberg hatten den Wettbewerb »Beispielhaftes Bauen« ausgerufen. Damit sollte »das öffentliche Bewusstsein für die Baukultur im Alltag geschärft und Impulse für eine positive Entwicklung im Landkreis gesetzt werden«, heißt es in der Begründung. Insgesamt wurden 83 Arbeiten eingereicht, darunter 31 Wohnprojekte. 19 Bauten wurden ausgewählt, zwei der fünf besten in der Kategorie Wohnen stehen auf den Härten. Kriterien waren die äußere Gestaltung, innere Raumbildung, Angemessenheit der Mittel und Materialien und die Einfügung in den städtebaulichen Kontext und die Umwelt. (ist)

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