Tübingen
Waldkindergarten - Zartes Werben für Unterstützung

Mit Matsch Pluspunkte gesammelt

MÖSSINGEN. Wer Wind, Regen und Schnee widersteht, kann auch sonst gut Wetter machen. Der im September mit sieben Kindern gestartete Waldkindergarten in Mössingen hat sich am Montag im Gemeinderat vorgestellt und dabei Pluspunkte für den Wunsch nach Unterstützung gesammelt.

Der Waldkindergarten will nämlich wachsen. Aus den momentan elf Kindern sollen 20 werden (wir berichteten). Entsprechende Anfragen sind schon da. Dazu muss aber eine weitere Erzieherin eingestellt werden, erläuterten Tina Lippert, die Vorsitzende des Trägervereins, und Barbara Peltgen, ihre Stellvertreterin und Leiterin des Waldkindergartens.

Zuerst verdeutlichten sie per Power-Point-Präsentation mit vielen Bildern, wie es im Waldkindergarten zugeht und zerstreuten dabei manche Bedenken. Nein, man gehe nicht in die Pilze. Vielmehr gäbe es für die Kinder die ganz klare Regel, dass man nichts vom Boden esse. Leitspruch beim Umgang sei die Maxime: »Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu.«



Nur Kosten fürs Personal


Das Verletzungspotenzial sei »nachweislich« nicht so hoch wie anderswo, sagte Barbara Peltgen. Aber wenn die Kinder in Bäumen herumklettern, würde ihnen das ein ganz anderes Selbstbewusstsein vermitteln, sie starkmachen und einen anderen Blick auf die Welt geben. Die Krankheitsrate, nach der Willy Rudolph (FWV) fragte, sei geringer, beruhigte sie. Allerdings brauche das Immunsystem ein Jahr, bis es sich bei den Kindern eingestellt habe. Dass die Kinder mit Spaß im Matsch spielen, davon war Peter Zschocke (Grüne) besonders beeindruckt. Das sei ein Kontrastprogramm zur sonstigen Sterilität. Der Kontakt der Kinder mit Senioren in Bad Sebastiansweiler gefiel Andreas Gammel sehr gut.

Elmar Scherer (FWV) wollte konkret wissen, wie sich der Verein die Kostenverteilung vorstellt. Für Tina Lippert ist die Rechnung ganz klar: »Das Personal sind die Kosten.« Weder braucht der Waldkindergarten sanitäre Einrichtungen noch andere bauliche Aktivitäten. Einen zweiten Bauwagen, der bei 20 Kindern nötig würde, trage der Verein. Wenn der Waldkindergarten nicht in den Bedarfsplan aufgenommen wird, gibt es einen Plan B, nämlich Landeszuschüsse. Dann aber sei es nicht mehr möglich, wie vorgesehen die Gebühren an denen der Stadt zu orientieren, sagte Harri Pallas, Kassenwart des Trägervereins.

Kein Geld für Krippe


OB Michael Bulander wollte dem Gemeinderat nicht vorgreifen, der über die Aufnahme in den Bedarfsplan zu entscheiden habe. Im März soll das passieren. Das Übliche sei dann die Übernahme von 63 Prozent der Betriebskosten.

Was auf jeden Fall weit weniger wäre, als die evangelische Kirchengemeinde für den Einbau einer Kinderkrippe im Kindergarten Mittelgasse beantragt hatte. Für zehn neue Plätze müsste die Gemeinde 280 000 Euro beisteuern. Weitere 70 000 Euro übernimmt der Bund.

Die anvisierten Räume fand die Verwaltung aber »suboptimal«. Zumal dort nur zehn Plätze möglich sind, während die Tendenz zu zwei- oder dreigliedrigen Gruppen geht, weil sich diese »flexibler und wirtschaftlicher betreiben lassen«. Dass sich das beantragte Geld sinnvoller einsetzen lässt, war Konsens von Gemeinderat und Stadtverwaltung. Der Zuschuss wurde einstimmig abgelehnt. (al)



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