Medizin - Arbeitergeberverband der Unikliniken Baden-Württemberg (AGU) erläutert Pflegesituation aus eigener Sicht

Lösungen zur Entlastung als Ziel

VON MICHAEL MERKLE

STUTTGART/TÜBINGEN. Die Tarifverhandlungen für fast 27 000 Beschäftigte an den Unikliniken in Tübingen, Ulm, Heidelberg und Freiburg gehen am Montag, 15. Januar, in die dritte Runde. Im Tarifkonflikt steht die Entlastung von Pflegepersonal an den Unikliniken im Südwesten im Mittelpunkt. Warnstreikaufrufe hatten aufgrund von einstweiligen Verfügungen auch Gerichte beschäftigt.

FOTO: Markus Niethammer
Die Kliniken als Arbeitgeber bieten bisher 120 zusätzliche Vollzeitkräfte, eine Regelbesetzung im Nachtdienst von zwei Vollzeitkräften sowie auf lokaler Ebene zu vereinbarende Regelbesetzungen in Intermediate Care (IMC) und Intensivbereichen an. Sie lehnen den von der Gewerkschaft Verdi geforderten festen Personalschlüssel ab, verweisen auf den bisher von Verdi nicht berücksichtigten Personalmix, der auf den Stationen tätig ist.

Neben examinierten Pflegekräften seien das auch Pflegehelfer, Bufdis, qualifizierte Kräfte aus verschiedenen Berufsgruppen - im Service , in der Terminkoordination, im Sekretariat, in der Reinigung. Relevant seien aus Sicht der Klinikvertreter zudem die Fachdisziplinen, die Stationsgröße, die Art und Schwere der Erkrankungen, die Patientenzahl sowie nicht zuletzt bauliche Strukturen.

Wie die Situation in der Pflege in Unikliniken ohne kaufmännische Brille ist, wissen vor allem die, die als examinierte Pflegekräfte tätig sind. Beim Hintergrundgespräch des Arbeitgeberverbands der Unikliniken Baden-Württemberg (AGU) im Stuttgarter Haus der Wirtschaft kommen auch zwei Pflegekräfte aus Heidelberg und Tübingen zu Wort, beide keine Gewerkschaftsmitglieder. Statt vom Anlass her zu vermutender strategischer Kommunikationsarbeit, liefern sie ein persönliches, ein differenziertes Bild.

Der Tübinger Pfleger berichtet, dass es in einem Viertel seiner Arbeitszeit eine hohe Belastung gebe, wo er sich Unterstützung wünsche. Es gebe Stoßzeiten. »Wenn es zu viel wird, wünscht man sich mehr Personal.« In der übrigen Zeit sei die Belastung annehmbar. Zeitweise sei auch mal nicht so viel los. Dass sich die Aufgabenfelder mit Arbeitsteilung auf Stationen verändert haben, sich examinierte Kräfte mehr auf ihre Arbeit am Patienten konzentrieren können, begrüßt er. Die Unterstützung von Servicekräften etwa, die das Essen bringen. Er arbeite lieber jetzt als vor 30 Jahren. »Ich liebe meinen Job«.

Der Pfleger schloss seine Ausführungen damit, dass nicht alles schön geredet werden solle, dass es Zeiten gebe, in denen man sich mehr Unterstützung wünsche. Auch seine Kollegin aus Heidelberg meinte: »Klar, es gibt Zeiten, wo man denkt: 'Ich kann nicht mehr'«.

Gabriele Sonntag, kaufmännische Direktorin des Uniklinikums Tübingen, räumte mit Blick auf die Situation in der Pflege schon eingangs ein, dass es unbestreitbar Probleme gebe. Sie ist AGU-Vorständin, ebenso wie Udo Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Ulm. »Die Zahl ist für uns schwierig«, sagte Edgar Reisch, Pflegedirektor des Uniklinikums Heidelberg, mit Blick auf den Personalschlüssel - 1:7 in Normalstationen oder 1:1 im High-End Intensivbereich.

Gesetzt wird auf mehr Flexibilität, auf Pool-Lösungen bei Pflegekräften, die bei Ausfällen Abhilfe leisten können. »Probleme machen immer die Ausfälle«, hatte der Tübinger Pfleger bestätigt. Ein Ausfallmanagement sei ganz wichtig. Abgesehen von Engpässen, so der AGU, würden die Unikliniken über eine angemessene Ausstattung in der Pflege verfügen. Die Forderungen der Gewerkschaft würden zum Pflegekraft-Abbau führen, pauschale Mindestbesetzungen seien nicht sinnvoll. Lösungen zur Entlastung werden aber angestrebt. Diese dürften die Leistungsfähigkeit der Unimedizin nicht gefährden, der Versorgungsauftrag müsse erfüllt werden. Die Forderung an die Politik: eine angemessene Krankenhausfinanzierung.

Was dem AGU wichtig ist: Der Pflegeberuf, der auch mit seinen Reizen, seiner Vielseitigkeit dargestellt wird, sodass sich junge Menschen für die Ausbildung, für die Arbeit am und für Menschen entscheiden. Norbert Homeyer, stellvertretender kaufmännischer Direktor der Uniklinik Freiburg, zeigte anhand der Tariflohn-Sätze an den Unikliniken, dass in der Krankenpflege nicht schlecht bezahlt werde: Auf Normalstationen liegt das Gehalt ab sechs Berufsjahren in »E7 Stufe 4« bei 3 224 Euro brutto (38,5 Stunden pro Woche), ein normiertes Jahreseinkommen wird mit 49 603,20 Euro angegeben.

Um dem Pflegekraftmangel zu begegnen, seien die Plätze in der Ausbildung in Freiburg beispielsweise um 68 Prozent gesteigert worden. Auch Edgar Reisch bekräftigt: »Uns ist die Ausbildung ganz wichtig.« Die Übernahmequote liege bei achtzig Prozent. (GEA)







Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Billigflieger Easyjet mit Umsatzplus

Easyjet hat seinen Umsatz im vergangenen Quartal um 14,4 Prozent gesteigert. Foto: Jens Kalaene

Luton (dpa) - Steigende Passagierzahlen haben beim... mehr»

Asteroid fliegt Anfang Februar nah an der Erde vorbei

Washington (dpa) - Ein Asteroid wird nach Angaben ... mehr»

Airline-Gründer Lauda erhält Zuschlag für insolvente Niki

Die Entscheidung für Lauda dürfte bei den rund 1000 Niki-Beschäftigten nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Foto: Georg Hochmuth/Archiv

Wien (dpa) - Die insolvente Air-Berlin-Tochter Nik... mehr»

Starke US-Börsen schieben Dax auf Rekordhoch

Im Schriftzug

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist am Dienstag im ... mehr»

Neuer Stern am Schweizer Rockhimmel

Die Basement Saints ließen es im

MEIDELSTETTEN. In Sachen Rockmusik weht frischer W... mehr»

Aktuelle Beilagen