Hygiene - Ungeziefer, Schimmel und Dreck: Landratsamt Tübingen präsentiert Bericht zur Lebensmittelkontrolle

Lebensmittelkontrolle: Käfer im Schinken

TÜBINGEN. Jede Menge Schaben in einer Bäckerei, ein völlig verrosteter Fleischwolf bei einem Metzger und ein Schweinebauch, an dem Haare und Schmutz klebten, sowie verschimmelte Würste und Kühlschrankdichtungen: Die Lebensmittelkontrolleure und Tierärzte des Tübinger Landratsamtes erlebten auch im vergangenen Jahr bei der Überprüfung von Lebensmittelbetrieben einige unangenehme Überraschungen.

Wenn Lebensmittelbetriebe es mit der Sauberkeit nicht so genau nehmen, verhängt das Landratsamt auch mal eine vorübergehende Schließung für eine Grundreinigung. FOTOS: LA
Wenn Lebensmittelbetriebe es mit der Sauberkeit nicht so genau nehmen, verhängt das Landratsamt auch mal eine vorübergehende Schließung für eine Grundreinigung. FOTO: LA
Bereits beim Betreten der Metzgerei gab es den ersten Verstoß zu protokollieren: Der Vorraum der Wurstküche wurde von einem großen Hund bewacht. 3 091 Überprüfungen auf allen Stufen der Erzeugung, der Produktion und des Vertriebes der Waren bis hin zur Abgabe an den Endverbraucher im Einzelhandel oder in der Gastronomie haben die Kontrolleure 2014 durchgeführt, das entspricht einem guten Drittel aller zu überwachenden Betriebe im Kreis.

Bei etwa der Hälfte aller Kontrollen wurden Verstöße gegen das Lebensmittelrecht festgestellt und die Beseitigung der Mängel eingefordert. Den allergrößten Anteil an diesen Verstößen hatten geringfügige Hygienemängel, ungenügende Eigenkontrollmaßnahmen oder auch fehlerhafte Kennzeichnungen. Nur in etwas mehr als zwei Prozent aller Kontrollen mussten im Anschluss auch Strafen verhängt werden: Es wurden drei Verwarnungsgelder erhoben und 56 Bußgeldverfahren – das sind fast doppelt so viele wie 2013 – sowie sechs Strafverfahren eingeleitet. »Zur Gefahrenabwehr war es außerdem notwendig, in 66 Fällen Verkaufs- oder Betriebsbeschränkungen zu veranlassen«, heißt es in dem Bericht der Behörde.

Ungespültes Geschirr vom Vortag

Bei der Kontrolle einer Imbissgaststätte wurde am späten Nachmittag festgestellt, dass unter anderem noch das ungespülte Geschirr vom Vortag herumstand. Es sei offensichtlich gewesen, dass im gesamten Betrieb viel zu selten gereinigt und die Grundhygiene dort insgesamt vernachlässigt wurde.

Auch in einem der überprüften Restaurants wurden zahlreiche hygienische Mängel festgestellt, darunter viele »erheblich und offensichtlich«. Besonders auffällig war das Innere einer Spülmaschine: Dort hatte sich ein ekelhafter Schleim abgelagert. Es war für die Kontrolleure kaum vorstellbar, dass ein derartig verschmutztes Gerät vom Betreiber toleriert und noch zur Geschirr-»Reinigung« verwendet wurde. In einer anderen Wirtschaft waren deutliche Spuren von Mäusen erkennbar. Sowohl auf Lebensmitteln als auch an frisch gespülten Tellern waren Kotspuren zu sehen. Dieser Betrieb wurde sofort geschlossen. Eine dauerhafte Schließung, die einem Berufsverbot gleichkommt, ist selten.

Mit steigender Tendenz werden auch Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel im Internet bestellt. Obwohl es verboten ist, Nahrungsmittel mit krankheits- oder gesundheitsbezogenen Angaben zu bewerben, suchen die Verkäufer immer neue Wege, dieses Verbot zu umgehen, haben die Kontrolleure beobachtet. So werde »ein Nahrungsergänzungsmittel gemeinsam mit einem Buch, das die Heilwirkung bestimmter Inhaltsstoffe anpreist, abgebildet«.

»Für den Verzehr ungeeignet«

Ein im Internet bestellter luftgetrockneter Schinken war Gegenstand einer Verbraucherbeschwerde, der das Landratsamt nachging. »Die Schinkenoberfläche zeigte zahlreiche verdächtige Löcher, die einen Insektenbefall befürchten ließen«, hieß es in dem Bericht. »Unsere Sondierungen förderten ein Insekt zutage. Im Untersuchungsamt konnte leider keine genaue Bestimmung erfolgen, vermutet wurde aber ein Käfer aus der Totengräber-Gruppe.« Der Schinken war für den menschlichen Verzehr nicht geeignet, der Händler jedoch nicht auffindbar. »Es zeigte sich wieder, dass sich die Überwachung des Internethandels als sehr schwierig gestaltet.«

Im vergangenen Jahr wurden außerdem auch über 1 000 Proben von Lebensmitteln genommen. 16 Prozent der Proben wurden beanstandet: 28 Lebensmittel waren nicht zum Verzehr geeignet, zwei wurden als gesundheitsschädlich eingestuft. Weitere 15 Proben waren minderwertig, 36 Lebensmittel wurden unter irreführenden oder mit unzulässigen Angaben zur Gesundheit angeboten.

Betriebe, die negativ auffallen, werden in eine höhere Risikoklasse eingestuft. Dadurch verkürzen sich die Abstände zwischen zwei Kontrollen. Verbraucher, die das Gefühl haben, dass ihre gekaufte Ware nicht in Ordnung ist oder nach dem Verzehr von Lebensmitteln gesundheitliche Probleme verspüren, werden gebeten, sich bei der Behörde zu melden, um weiteren Schaden zu verhindern. (GEA)



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