Reihe - Die Grünen beginnen ihre »KulTour« mit einem Auftritt der Konzert-Pianistin Agnes Krumwiede in Mössingen
Kunst und Politik in Höchstform
Von Karin Geupel
MÖSSINGEN. Kunst und Politik verbindet die neue Reihe der Grünen des Tübinger Kreisverbandes. Am Sonntagmittag in der Aula des Quenstedt-Gymnasiums startete die Reihe »Grün KulTour« gleich mit einem Highlight:
Agnes Krumwiede am Flügel mit Stücken von Clara Schumann und Fanny Hensel.
FOTO: Karin Geupel
Der grüne Bundestagsabgeordnete des Kreises, Winfried Hermann, hatte seine Kollegin und kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agnes Krumwiede, nach Mössingen eingeladen. Nicht nur durch ihr politisches Amt ist die Abgeordnete genau die richtige Person um die KulTour zu eröffnen. Agnes Krumwiede ist eine ausgezeichnete Konzert-Pianistin und zeigte zum Auftakt ihr Können den zahlreich erschienenen Zuschauern.
Die zierliche Frau spielte Stücke von Chopin, Clara Schumann, Fanny Hensel und Mayako Kubo. Dabei schien sie selbst in ihrer Musik aufzugehen und verlangte mit minimalem Einsatz ihres ganzen Körpers dem Flügel des Quenstedt-Gymnasiums die schönsten Töne ab. Zwischen den Stücken trug die Schauspielerin Susanne Engelhardt mit ebenso großem Elan Stücke aus Tagebüchern und Briefen der jeweiligen Komponisten und Komponistinnen vor.
Meist kam dabei der schwierige Stand der Frauen in der Kunst zur Sprache. So hatte Clara Schumann oft darunter zu leiden, dass ihr Mann Robert sie nicht in ihrem künstlerischen Schaffen unterstützte. Und auch Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy hatte es schwer mit ihrem Bruder, der ihrer Kunst ebenfalls nicht sehr wohlwollend gegenüberstand.
Auch heute haben es Frauen in der Kunst noch besonders schwer, betonte Krumwiede in der Diskussion nach ihrem Konzert. »Es studieren wesentlich mehr Frauen Musik als Männer. Dennoch ist die Anzahl von Musikerinnen in großen Orchestern äußerst gering. Eine Frauenquote könnte vielleicht auch da helfen.«
Das ist aber nicht das einzige Anliegen Krumwiedes, welches sie im Bundestag vertritt. »Die Kultur, als mehr oder weniger freiwillige Leistung der Kommunen, wird jetzt, wo das Geld knapp ist, immer mehr vernachlässigt.« Sie stellt auch hier den Trend fest, dass gerne einmal ein neues Konzerthaus gebaut wird, dafür würde sich aber später niemand mehr für die Unterhaltskosten oder gar dafür interessieren, dass die Künstler von ihrem Gehalt leben können. »Die Kunst muss mehr Anerkennung in der Gesellschaft bekommen.«
Kreativität ohne Leistungsdruck
Doch auch bildungspolitisch ist Agnes Krumwiede die Kunst ein wichtiges Anliegen: »Wer hat denn den entscheidenden künstlerischen Impuls im Musikunterricht bekommen?«, fragt sie ins Publikum. Von etwa hundert Anwesenden heben nur zwei die Arme. »Das muss sich ändern!«, sagt sie. Kreativität ohne Leistungsdruck sollte in den musischen Fächern in der Schule an oberster Stelle stehen. »Dabei müssen auch die Hochschulen in ihrer Ausbildung der Lehrer offener werden und sich für die Jugendkultur öffnen. Denn mit tollem Kunst-Unterricht, der die Schüler anspricht, integrieren wir schwierige Schüler in die Gesellschaft und fördern auch die Konzentration in anderen Fächern.«
Selbst geht sie da mit bestem Beispiel voran. So hat sie in ihrem Wahlkreis ein Projekt auf die Beine gestellt, das professionelle Künstler an die Schulen holt, die dort zusammen mit den Lehrern unterrichten. Außerdem arbeitet sie selbst als klassische Pianistin mit Hip-Hop Gruppen und Jugendlichen zusammen. »Es ist wichtig, seinen Horizont nicht zu verengen, auch wenn das auf den Hochschulen anders gesehen wird«, sagt Krumwiede.
Für ihr Engagement am Klavier und in der Politik erhielt Agnes Krumwiede anschließend tosenden Applaus und einige Bravo-Rufe aus dem Publikum. Einen gelungeneren Auftakt für ihre Kultur-Reihe hätten sich die Grünen nicht wünschen können. (GEA)
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