Arbeitswelt - Vom Webdesigner bis zur Ausstellungsmacherin: Menschen unterschiedlichster Berufe werden Kollegen
Kommunikationszentrale der Härten
VON RAPHAELA WEBER
KUSTERDINGEN-WANKHEIM. Der »Wankheimer Banktresor«, der als Plane auf einer Garagenfront neben der Volksbank angebracht ist, ist ein klassisches Co-Working-Produkt. Die Idee dazu hatte der Grafikdesigner Joachim Beyrowski. »Ich habe ihn motiviert, seine Idee auch wirklich auszuführen«, sagt der Webdesigner Christopher Schmidhofer. »Bei uns kann man Ideen austauschen und weiter entwickeln. Man bleibt dran. Daheim verwirft man oft zu schnell eine Idee, weil der Austausch im stillen Kämmerlein fehlt.«
Kollegen trotz unterschiedlichster Berufe in Wankheim (von links): Dagmar Engels, Diana Köster-Kandé, Christopher Schmidhofer und Joachim Beyrowski. FOTO: WEBER
»Gerade bei uns im Kreativbereich ist es unglaublich hilfreich, wenn man sich eine schnelle, unabhängige Meinung einholen kann«, sagt der Jettenburger Joachim Beyrowski. Wenn die beiden einen Blick auf das fertige Produkt, »ihren« Tresor, werfen möchten, können sie das bequem von ihren Arbeitsplätzen aus machen. Diese liegen direkt gegenüber der Garage, mitten im Wankheimer Zentrum. Co-Working-Spaces sind Räume, in denen man tageweise oder auch dauerhaft einen Arbeitsplatz mieten kann. Es werden Schreibtisch, Stuhl, Internetzugang, Schrank, Drucker und Telefon zur Verfügung gestellt.
Austausch fördert Kreativität
»Tendenziell nutzen Existenzgründer aus Dienstleistungsbranchen wie Werbung, IT oder Grafik diesen Service, die anfangs ohne Mitarbeiter sind und einen guten Start hinlegen wollen«, sagt Christoph Heise, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Reutlingen. Statt sich daheim an den Schreibtisch zu setzen, trennen sie lieber den privaten Bereich und den beruflichen Alltag. »Es ist eben die Frage, ob es dauerhaft geschickt ist, die eigene Firma im Wohnzimmer zu haben.«
Diese Frage stellte sich auch für Christopher Schmidhofer, als er mit seiner Lebenspartnerin Dagmar Engels nach Wankheim zog. Zunächst arbeitete auch er von zu Hause aus. »Aber ich habe gemerkt, ich vereinsame, trotz modernster Kommunikationsmittel. Ich merkte, dass ich den direkten Kontakt brauche.« In der Hauptstraße 16 fand er den geeigneten Raum für sein Co-Working-Space, er mietete ihn und richtete ihn ein. Kurze Zeit später zogen er und Dagmar Engels im Januar 2011 dann dort ein. Die Lehrerin bereitet hier ihren Unterricht vor. »Dass ich ein günstiges Büro bekomme, ist ein Nebeneffekt«, sagt Christopher Schmidhofer. »Der Haupteffekt ist die direkte Kommunikation und die gemeinsame Nutzung der Ressourcen. Man hat eine professionelle Umgebung im Gegensatz zum Büro daheim, und die Motivation bleibt immer hoch, weil man sich gegenseitig antreibt.«
Gegenseitiges Austauschen und übergreifendes Helfen, das schätzt auch die Ausstellungsmacherin Diana Köster-Kandé. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte war sie lange auf der Suche, wo sie ihre kreativen Potenziale einbringen kann. »Hier gelingt mir das perfekt.« Sie bringt unter anderem alle zwei Monate eine neue Ausstellung ins Co-Working-Büro.
Aktuell sind noch bis zum 20. November die Bilder der Wannweiler Künstlerin Gudrun Böhm ausgestellt. Viele Härten-Bewohner interessieren sich für das Projekt. »Sie kommen auch mal ganz spontan zu uns rein, weil sie etwas wissen wollen, oder sie schauen sich die aktuelle Ausstellung an.« Kürzlich hörte Christopher Schmidhofer jemand sagen, sie seien die Kommunikationszentrale auf den Härten.
Ausbau bestehender Netzwerke
Aus dem Büro-Konzept sollen neue Projekte für die Region entstehen, in denen sich Soziales mit Kulturellem verbindet. »Es gibt schon einige Netzwerke auf den Härten. Wir verknüpfen das, was schon da ist«, sagt Diana Köster-Kandé. Regelmäßig findet das Computercafé statt. Wer Probleme mit seinem Computer hat, kann dann vorbeikommen, es sind Mentoren anwesend, die helfen. 15 Euro kostet es, wenn man einen Platz einen Tag lang mieten möchte, ein Monat kostet 250 Euro. Es gibt noch freie Plätze. Wie fühlt es sich an? Ist es etwas für mich? »Um das herauszufinden, kann man gerne für ein bis zwei kostenlose Schnuppertage vorbeikommen«, so Christopher Schmidhofer. (GEA)
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