Jubiläum - Mössinger Flattich-Förderschule feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Der Förderverein wird 40 Jahre alt

Kleine Schule mit Wohlfühlbonus

VON JÜRGEN MEYER

MÖSSINGEN. Ein neues Schulhaus. Dieses außergewöhnliche Geschenk wäre angebracht gewesen. Doch zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Mössinger Flattich-Förderschule erwartet die Lehrer, Schüler und Eltern neben schönen Worten und guten Wünschen nur das abermalige Versprechen, bald in neue Räumlichkeiten umziehen zu können. 2018 soll es so weit sein.

Die Mössinger Flattich-Förderschule hat schon vielen Schülern den Weg ins Berufsleben geebnet. FOTO: MEY
Die Mössinger Flattich-Förderschule hat schon vielen Schülern den Weg ins Berufsleben geebnet. FOTO: MEY
Vor neun Jahren hatte man der Schule in Aussicht gestellt, in Bälde aus ihrem 1973 bezogenen, aber zwischenzeitlich maroden Gebäude, in einen Neubau wechseln zu können. Zuvor war die im August 1966 gegründete »Sonderschule für Lernbehinderte« in der Langgaß beheimatet. Ein erstes Neubauprojekt im Schulzentrum scheiterte an den Zuschüssen. Vor zwei Jahren schließlich erfolgte die Eröffnung des neuen integrierten Schulgebäudes (IGS). Das Kernstück des zehn Millionen Euro teuren Trakts zwischen Gottlieb-Rühle- und Friedrich-List-Schule bildet die zentrale Schülermensa des Bildungszentrums.

Überschaubare Schülerzahl

Eigentlich hätte die Flattichschule bereits einziehen sollen. Mittlerweile wurde aber die Realschule sanierungsbedürftig und die Räume des IGS werden für die ausquartierten Nachbarn, den Kinderhort und die Kernzeitbetreuung benötigt. Einzig die Fachräume können von allen Schulen benutzt werden. Verkompliziert wurde die Rochade durch das pädagogische Zukunftsprojekt, das im letzten Jahr die Real- zur Gemeinschaftsschule werden ließ, und durch den Umstand, dass sich die Lieferung der Klassen-Container um ein Jahr verzögerte. Grund zum Feiern gibt es trotzdem. Rektor Carl-Heinz Nisi, der seit 2001 die Schule leitet, sagt: »Es ist vor allem ein Fest für die Schüler, damit die auf ihre Kosten kommen.« In der neun Klassenstufen umfassenden Bildungsstätte werde »großer Wert auf das Gemeinschaftsgefühl gelegt«. Das sei insofern einfach, weil die Schülerzahl überschaubar ist. Momentan werden 45 Kinder und Jugendliche im Haus von 13 Lehrkräften unterrichtet. »Das ist ein Schnitt von neun Schülern pro Klasse. Rund vierzig Prozent sind Ausländer.« In diesem Jahr gibt es keine erste Klasse, nur die Klassenstufen 2 bis 9. Flattich-Sonderpädagogen müssen aber zurzeit im Rahmen der neu eingeführten Inklusionsbeschulung 49 Schüler mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen außerhalb des Schulgebäudes betreuen.

»Die Kinder sind über acht Schulstandorte zwischen Bodelshausen und Gomaringen verteilt«, sagt Nisi. Für die Zukunft hofft er auf eine effektivere Unterrichtsform. »Es ist sinnvoller, eine kleine Gruppe von Kindern mit besonderem Förderungsbedarf innerhalb einer Klasse zu betreuen, als nur ein oder zwei Schüler.« Man arbeite eng mit Kollegen der Tübinger Rudolf-Leski-Schule zusammen. Unter der Trägerschaft der Sophienpflege werden in der Region Jugendliche mit emotionalem und sozialem Förderbedarf betreut. Maßgeblich unterstützt, vor allem finanziell, wird die Schule durch den 1976 gegründeten Förderverein. Er gibt Zuschüsse für Projekte, aber auch für befristete Pädagogenstellen. Die Schulsozialarbeit gibt es seit 2001 mit einem Stellenumfang von 33 Prozent.

Für eine gute Zukunft

»Wir sind eine Wohlfühlschule, weil nicht nach Defiziten, sondern nach Stärken der Schüler gesucht wird«, so Nisi. Durch gezielte Förderungen würden deren kognitive, sprachliche, soziale und emotionale Fähigkeiten aufgebaut. »Die Kinder entwickeln Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.« In einer Vielzahl von AGs werden Verhaltensweisen und praktische Arbeiten gefördert. Die Oberstufe wird durch Praktika an die Arbeitswelt herangeführt. Nisi bedauert es, dass viele Eltern Vorurteile gegenüber einer Sonderschule hegen: »Dabei lehren wir den Kindern Ausdauer, Durchhaltevermögen und Pünktlichkeit und ebnen ihnen den Weg in die Ausbildung, in das Arbeitsleben und damit in eine gute Zukunft.« (GEA)



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