16.02.2010 - 08:00 Uhr
Sport - Öschinger Bogenschützen üben auch im Tiefschnee auf der vereinseigenen Anlage ihre Treffsicherheit
Jagd auf den Kunststoffbären
VON MICHAEL PANZRAM
MÖSSINGEN-ÖSCHINGEN. Auf Tiere aus Fleisch und Blut würde sie nie schießen - das stellt Anja Fischer, die Bogensportreferentin des SV Öschingen, ausdrücklich klar. Auf die Jagd geht sie mit ihren Vereinskollegen aber trotzdem. In der vereinseigenen Anlage hinter dem Schützenhaus legen die Feldbogenschützen jeden Sonntagmorgen auf Ziele aus Kunststoff an.
Anja Fischer, Bogensportreferentin des SV Öschingen, konzentriert sich auf den Abschuss. FOTOS: PANZRAM
Die Schützen lassen sich auch vom tiefsten Winter nicht abhalten. Am Faschingssonntag haben sich acht Unverwüstliche der etwa 30 Mitglieder zählenden Abteilung auf dem Gelände hinter dem Schützenhaus eingefunden. Sie sind dick eingepackt und tragen hohe Stiefel auf der tief verschneiten Anlage. Alle sind mit Bogen, Pfeilen und Köcher ausgestattet.
Kunstvoll verzierter Langbogen
Die einen haben Pfeile aus Kunststoff, andere benutzen die teureren, traditionellen aus Holz. Auch die Länge der Bögen und deren Spannkraft variiert je nach Größe und Alter des Schützen. Jüngere benutzen kleinere Bögen und Pfeile aus Karbon, Anja Fischer mag es am liebsten ganz traditionell: Sie hat nicht nur einen kunstvoll verzierten Langbogen und selbst angefertigte Federn an ihren Pfeilen. Fischer sieht mit Fellmütze, Felljacke und dickem Strickpullover auch so aus wie eine Jägerin aus vergangenen Zeiten. »Diese Leidenschaft habe ich seit 20 Jahren, das hat angefangen mit Rollenspielen«, erzählt die Bogensportreferentin.
Zehn Meter entferntes Ziel
Ganz früh mit dem Bogensport begonnen hat Philipp. Der Zehnjährige ist schon seit eineinhalb Jahren in der Abteilung aktiv - und in seiner Altersklasse schon richtig erfolgreich. Eigentlich liegt das empfohlene Mindestalter bei Bogenschützen bei zwölf Jahren. Von solch einer engstirnigen Vorgabe hält Anja Fischer jedoch nichts: »Das kommt immer auf die körperlichen Voraussetzungen an. Manche sind mit zehn schon weiter als andere ein paar Jahre später.«
Zum Warmwerden zielen die Feldbogenschützen auf Scheiben in sechs bis zehn Metern Entfernung. Sie haben die Wahl zwischen ganz normalen Zielscheiben und Abbildungen von Tieren wie einem Hasen oder einem Reh. Hier bekommen viele Sportler so ihre Probleme. »Der Hauptteil des Bogenschießens spielt sich im mentalen Bereich ab. Viele haben Angst auf die Tiere zu zielen, selbst wenn sie nur auf dem Papier abgebildet sind«, erklärt Fischer.
Breitbeinig stellt sie sich im Tiefschnee auf, holt mit einer geübten Bewegung einen Pfeil aus dem Köcher, legt ihren Bogen an, spannt ihn, zielt ein bis zwei Sekunden und lässt den Pfeil, der bis zu 200 Stundenkilometer schnell wird, mit einem sirrenden Geräusch los. Treffer. Mit einem Lederriemen schützt Fischer ihre linke Hand vor dem vorbeizischenden Pfeil, der ihr ansonsten den Arm oder die Finger aufreißen würde, so viel Kraft ist dahinter.
In Wettkämpfen stehen die Scheiben schon mal in einer Entfernung von über 70 Metern. Da sind viel Training, Erfahrung und vor allem eine ruhige Hand gefragt. Die Bogenschützen des SV Öschingen haben vergangenen Herbst erstmals einen solchen Wettbewerb ausgetragen. Die Resonanz beim Filsenberg-Bogen-Turnier war mit knapp 200 Teilnehmern so gut, dass die Abteilung in diesem Jahr eine zweite Auflage ins Auge fasst. Es fehlt nur noch die Genehmigung.
Seit sieben Jahren gibt es die Abteilung bereits, im Kreis Reutlingen sind Bogenschützen außerdem noch beim PSV Reutlingen aktiv. Und in Sondelfingen hat sich vor wenigen Monaten auch eine Gruppe gebildet, sagt Fischer.
Pfeilesammeln im Frühjahr
Nach dem Warmschießen geht es ins freie Gelände. Im angrenzenden Wald sind sowohl Zielscheiben als auch Tiere aus Kunststoff aufgestellt. Hier gilt für die Schützen vor allem der Sicherheitsaspekt. »Das ist ganz wichtig«, erklärt Fischer. Jeder muss vorgegebene Wege einhalten, um nicht in die Schusslinie eines Vereinskameraden zu geraten.
Ein großer Bär richtet sich an einem Hang auf. Von links pirscht sich die Gruppe an ihr Ziel heran und nimmt Aufstellung. Jeder sucht sich seine Position und gibt mehrere Pfeile auf das Tier aus Kunststoff ab. Manchmal verschwinden Pfeile, die das Ziel verfehlen, spurlos im Schnee. »Dann warten wir einfach bis zum Frühjahr und sammeln sie wieder ein«, sagt Fischer. (GEA)
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