Jugendpflege - Michael Fröhlich vertritt als Referent auf den Härten zwei Jahre lang Stelleninhaberin Sarah Puhm

Immer einen Plan B in petto

VON INES STÖHR

KUSTERDINGEN. Sein Name ist Programm: »Mr. Happy« nennen ihn seine Schützlinge. Anfang des Monats hat Michael Fröhlich die Vertretung von Jugendreferentin Sarah Puhm übernommen, die jetzt für zwei Jahre in Elternzeit ist. Ihre Arbeit will er nicht neu erfinden, versichert er. Weil in den vergangenen Monaten aber einiges liegen geblieben ist, muss er sich nun erst einmal einen Überblick verschaffen.

Der 57-Jährige ist ein alter Hase in der Jugendarbeit. Zehn Jahre lang hat er sich um die Jugend in Trochtelfingen gekümmert. In den vergangenen beiden Jahren war er bei der Gesellschaft für Integration, Beschäftigung und Ausbildung in Wendelsheim als Betriebssozialarbeiter tätig und berichtet stolz von einer Vermittlungsrate von 90 Prozent. »Das war mein liebster Arbeitsplatz«, gesteht der gebürtige Heidenheimer.

In seinem Heimatort hat Fröhlich in den 70er Jahren ein Werkgymnasium besucht. »Eine tolle Schule«, sagt er. Er hat dort das künstlerische Profil belegt und unter anderem Fotografieseminare absolviert. Die Kombination von Theorie und Praxis an Gymnasien ist gerade in Kusterdingen mit seinem dualen Gymnasium, das »Abitur und Gesellenbrief« gleichzeitig anbietet, wieder ganz aktuell.

Als Ältester von sechs Geschwistern habe er sich immer um die Jüngeren gekümmert, erzählt Fröhlich. Und im Laufe seines Lebens sei er immer wieder »in die Vaterrolle geraten«, obwohl er keine eigenen Kinder hat. So konnte er sich umso mehr für seine Schützlinge engagieren, nennt er einen Vorteil.

Stets Spucktüten dabei

Zur Jugendarbeit kam Fröhlich über die Kirche. Dort hat er später auch selbst Gruppen geleitet und das Organisieren gelernt. Unter anderem einen Kirchentag. »Man muss immer um die Ecke denken«, hat ihn die Erfahrung gelehrt. Und dass man immer einen Verbandskasten und Spucktüten dabei sowie einen Plan B in petto haben sollte, wenn man mit jungen Leuten unterwegs ist.

Seinen Zivildienst absolvierte Fröhlich im Jugendhaus in Heidenheim. Im Anschluss daran wurde er von der Stadt übernommen, um in einer Trabantensiedlung die Betreuung von jungen Leuten zu übernehmen. Der Treffpunkt und sein Büro befanden sich in einem Doppeldeckerbus. »Ein Provisorium«, sagt er lachend. Er war mit den Jungen und Mädchen aber auch viel unterwegs, hat Fahrrad- und Bergtouren unternommen und ist so in die Jugendarbeit hineingewachsen.

Dabei sei er eigentlich ein »verhinderter Pfarrer«. Sein Studium der Evangelischen Theologie im fränkischen Neuendettelsau, in Münster und in Tübingen hat er jedoch nicht abgeschlossen und stattdessen im Alter von 36 Jahren ein Fachhochschulstudium in Reutlingen zum Sozialpädagogen angefangen. Nebenher stand er bei Daimler am Band.

Anschließend begann er als Jugendarbeiter in Trochtelfingen und wurde dort »mit allen sozialen Schieflagen von Jugendlichen« vertraut. Sein Schwerpunkt waren »Intensive Sozialpädagogische Maßnahmen«. Er vermittelte unter anderem psychologische Betreuungen und fungierte als Erziehungsbeistand. Fröhlich konzentrierte sich am liebsten auf den Einzelnen: »Jeder sollte eine zweite Chance bekommen.«

Hilfe zur Selbsthilfe

So lautete auch sein Motto als ehrenamtlicher Bewährungshelfer beim Projekt Neustart in Tübingen. Da ging es vor allem um Resozialisierungshilfe für Straffällige, die Unterstützung von Opfern und um Prävention, um die Kriminalität in der Gesellschaft zu verringern. Nach zehn Jahren in freier Trägerschaft wurden die Arbeitsfelder Bewährungshilfe, Gerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich jedoch wieder beim Land Baden-Württemberg angesiedelt und zum 1. Januar 2017 in die »Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg« (BGBW) überführt.

Im vergangenen Jahr zog Fröhlich nach 30 Jahren Tübingen nach Gomaringen um. Derzeit ist er mit der Zusammenstellung eines Sommerferienprogramms für Kusterdinger Schüler beschäftigt. Unter anderem plant er ein Eröffnungsfest zu Beginn der Ferien. »Mal sehen, ob das klappt.« Dabei hofft er auf die Mithilfe der Jugendlichen. In Trochtelfingen habe er damit sehr gute Erfahrungen gemacht, versichert er. (GEA)







Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Vierjähriger stirbt bei Kollision von Auto mit Stadtbahn

Stuttgart (dpa) - Ein Vierjähriger ist am Abend am... mehr»

CDU will bei Bundesparteitag über Koalitionsvertrag abstimmen

Berlin (dpa) - Die CDU will heute bei einem Bundes... mehr»

Gojowczyk verliert angeschlagen Finale

Tennisprofi Peter Gojowczyk hatte im Finale von Delray Beach keine Chance gegen Francis Tiafoe. Foto: Mario Houben/CSM via ZUMA Wire

Delray Beach (dpa) - Tennisprofi Peter Gojowczyk h... mehr»

Kalenderblatt 2018: 26. Februar

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Berlin (dpa) - Das aktuelle Kalenderblatt für den ... mehr»

Verletzte bei Hauseinsturz in Leicester

Leicester (dpa) - Beim Einsturz eines zweigeschoss... mehr»

Aktuelle Beilagen