Asyl - Kundgebung und Demonstration auf den Härten gegen Abschiebung von fünf Männern aus Syrien

Große Unterstützung für Flüchtlinge

VON ANDREAS STRAUB

KUSTERDINGEN-WANKHEIM. Fünf Syrer, denen die Abschiebung bevorsteht, erfuhren am Samstag breite Solidarität: Mit einem Demonstrationszug und einer anschließenden Kundgebung forderten 150 Unterstützer in Wankheim den Abschiebe-Stopp.

Drei der Betroffenen im Kreis der Unterstützer (von links): Ahmad Enouz, Hasan Barek und Mohamad Ali Altammo.  FOTO: STRAUB
Drei der Betroffenen im Kreis der Unterstützer (von links): Ahmad Enouz, Hasan Barek und Mohamad Ali Altammo. FOTO: STRAUB
»Wir müssen jetzt Kante zeigen«, rief Marc Schauecker von der Flüchtlingshilfe Härten den Teilnehmern der Demonstration zu. Drei der fünf Männer, die abgeschoben werden sollen, waren mit dabei. Bevor sie nach Wankheim kamen, waren sie in Lagern in Zirndorf bei Nürnberg und Karlsruhe untergebracht worden.

»Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Nachbarn sind nett«, sagte Hasan Barek in erstaunlich gutem Deutsch. Seit gut drei Monaten lebt der 33-Jährige in Wankheim. Von vielen Kusterdingern wurde er freundlich begrüßt. Vorbei an Baustellen und Wohnsiedlungen skandierten die Demonstranten »Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht für alle« und »Abschiebung stoppen, jetzt sofort«.

Von so viel Unterstützung war Ahmad Enouz (33) sichtlich gerührt: »Wir haben viel Hilfe, uns gefällt es in Wankheim und in Tübingen«, erklärte er. Auch er spricht schon ein wenig Deutsch. Der 27-jährige Mohamad Ali Altammo war ebenfalls sichtlich beeindruckt von der breiten Solidarität. Als die Demonstration einen kleinen Stau auf der Hauptstraße verursachte, war ihm das unangenehm. Er filmte mit dem Handy – für seine Freunde und für sich. »Als Erinnerung«, wie er sagte. Ob er bleiben kann? Er hofft es jedenfalls.

Denn man kennt sich. Die Syrer lernen Deutsch, spielen Fußball und kommen im Alltag oft schon ohne Unterstützung zurecht. Bei Behördengängen, Arztbesuchen und in der Schule bekommen sie Hilfe. Die Integration läuft gewissermaßen auf Hochtouren. Da scheint es widersinnig, die Männer gerade jetzt abzuschieben, so der allgemeine Tenor.

»Eine lange, traumatische Zeit von Krieg und Flucht liegt hinter ihnen. In Wankheim konnten sie endlich den lang ersehnten Frieden finden. All das wird durch die Abschiebung zunichtegemacht gemacht«, erklärten Mitarbeiter des Laif-Hofs. Dort werden regelmäßig auch gut besuchte Gemeinschaftsabende ausgerichtet (wir berichteten).

Zurück nach Ungarn und Italien?

Dem stehen jedoch gesetzliche Regelungen entgegen: Wer verfolgt ist und aus einem als »nicht sicher« definierten Land kommt, kann Asyl beantragen. Das Dubliner Übereinkommen legt jedoch fest, dass dies in jenem Land geschehen muss, in dem die betreffende Person ankommt. Reist man zwischenzeitlich weiter, muss der Antrag dennoch im Ankunftsland gestellt werden. Sonst würde es, so die Logik, zu mehrfachen Anträgen innerhalb der EU kommen können. Etwa 30 bis 40 Prozent der Asylanträge sind Schätzungen zufolge in Deutschland davon betroffen und werden ohne sachliche Prüfung abgewiesen.

Barek und Altammo kamen in Ungarn an, Enouz in Italien. Deutschland ist damit für sie nicht zuständig – sie müssen in die Einreiseländer zurück und ihre Asylanträge dort stellen. Doch damit wollten sich die Demonstranten, die sich nach einer halben Stunde wieder vor dem Wankheimer Rathaus versammelten, nicht abfinden.

Schauecker von der Flüchtlingshilfe Härten nannte die anstehenden Abschiebungen ein Fiasko. Aus Berichten von Pro Asyl gehe hervor, dass Asylsuchende in Ungarn unter unmenschlichen Bedingungen geradezu inhaftiert würden und später auf der Straße landeten – ohne Unterstützung seitens der Behörden und ohne Krankenversicherung. Auch in Italien sehe es kaum besser aus: Die Unterbringung in offenen Lagern sei auf maximal sechs Monate begrenzt. Danach drohe ebenfalls ein Leben auf der Straße. (GEA)



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