Fasnet - 20 Jahre: Die Schlosshexen begehen ihren runden Geburtstag standesgemäß. Großer Nacht-Umzug mit 1 600 Hästrägern und Brauchtums-Abend am 10. Januar

Gomaringer Narren feiern 20 Jahre Schlosshexa

Von Joachim Kreibich

GOMARINGEN. In Gomaringen feiern die Narren in dichter Folge runde Geburtstage. 2014 begingen die Käsperle standesgemäß ihr 20-jähriges Bestehen. 2015 sind die Schlosshexa dran.

Zu weiteren Schandtaten bereit: die Schlosshexa. ARCHIVFOTO: HAMMER
Zu weiteren Schandtaten bereit: die Schlosshexa. FOTO: Angela Hammer
»Wir sind mitten in den Vorbereitungen«, sagt Brauchtumsmeisterin Petra Glaunsinger. Auf Samstag, 10. Januar, sind Zunftmeister-Empfang, Nachtumzug und Brauchtumsabend terminiert. Damit sind die Gomaringer unter den Ersten, die in die närrische Saison starten. Und haben natürlich jede Menge zu tun.

Sieben tapfere Schlosshexen haben das Fähnlein hochgehalten im Jahr 1995, erinnert sich Glaunsinger. In Gomaringen, wo Fasnet lange davor undenkbar schien. Die Käsperle hatten es ein Jahr davor gewagt und wurden von manchem argwöhnisch beäugt. Weil die Käsperle ausschließlich Gomaringer aufnehmen wollten, schritt die kleine Gruppe zur Gründung eines eigenen Vereins und betonte, man sehe das mit der Herkunft nicht so streng: »Bei uns sind auch Narren aus Sondelfingen, Talheim, Nehren, Bronnweiler und Bleichstetten«, lacht Glaunsinger. Ende der ersten Saison hatten die Hexa ihre Mitgliederzahl schon verdoppelt.

Thomas Junger war erster Zunftmeister, seine Position hat heute Jochen Werner inne. Gründungsmitglied Armin Strohmaier hat die Ortsgeschichte durchforstet, geschaut, was passt, und kam auf die Schlosshexa. Und weil’s gut lief kamen 1999 die Oichele dazu.

Die Figur der Schlosshexa nimmt Bezug auf Geschehnisse im 16. Jahrhundert. Damals sind Frauen in Gomaringen der Hexerei bezichtigt worden und wurden deshalb in Reutlingen verbrannt. Die Häs-Farbe orientiert sich an den Wappen von Gomaringen (rot und weiß) und Stockach (grün und braun).

Der alte Eichelstreit

Auf die Oichele kam man, weil Mitte des 18. Jahrhunderts ein Streit um Eicheln ausgebrochen war. Eicheln wurden als Futter fürs Vieh gebraucht und zur Herstellung von Mehl. Weil auch Bewohner aus Bronnweiler und Ohmenhausen auf Gomaringer Markung sammelten, schrieb der Gomaringer Vogt an den Reutlinger Magistrat, um dies zu unterbinden. Die Oichele-Maske hat eine lachende und eine weinende Hälfte.

Aktuell zählen die Schlosshexa 70 Mitglieder. 40 sind aktive Hästräger, und die Oichele sind dabei die deutlich kleinere Gruppe. Nur zwei von ihnen laufen mit Masken, einer ist Ralf Glaunsinger, der damals auch die Idee hatte und das Muster beim Maskenschnitzer in Steinhilben in Auftrag gab.

Die Streitigkeiten im Ort über Sinn und Unsinn von Fasnet hält Petra Glaunsinger für überwunden. »Inzwischen kommen alle damit klar«, glaubt die Brauchtumsmeisterin. Beide Seiten hätten sich arrangiert. Mit den Kollegen von der Narrenzunft kommt man gut aus. Die Käsperle helfen am 10. Januar tüchtig mit. »Das haben wir bei denen im vorigen Jahr natürlich auch gemacht«, sagt Glaunsinger.

Auf die Festivitäten am 10. Januar freut man sich. 56 Gruppen haben zugesagt und bringen 1 600 Hästräger mit. Kleiner Wermutstropfen: Schlosshexa und Käsperle können dieses Jahr nicht mit den Kollegen in Sickenhausen feiern, weil die Termine kollidieren. Aber das verkraftet man. Glaunsinger: »Man kann halt net auf allen Fasnets-Veranstaltungen tanzen.«

Und wenn man Organisator ist, muss man sich um vieles kümmern. Nur ein Teil kann daher beim eigenen Umzug mitlaufen. Aber auch das ist ausnahmsweise zu verkraften. (GEA)

Fasnets-Umzug


20 Jahre Schlosshexa: Das wird am Samstag, 10. Januar, gefeiert. Um 16.15 Uhr ist Zunftmeister-Empfang. Um 18.18 Uhr startet der Fasnets-Umzug. Die 56 Gruppen nehmen Aufstellung beim Hasenheim und ziehen zur Sport- und Kulturhalle. Dort beginnt um 20 Uhr der Brauchtums-Abend mit Musik und Tanz. Davor ist ein großes Zelt aufgebaut.

Zum Häs-Abstauben laden die Käsperle ein: am Dienstag, 6. Januar, ebenfalls in der Kulturhalle. Beginn 15 Uhr. (GEA)

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