Fasnet - 20 Jahre: Die Käsperle in der Wiesazgemeinde feiern runden Geburtstag. Großer Umzug mit 3 500 Hästrägern

Gomaringen wird närrisch

VON JOACHIM KREIBICH

GOMARINGEN. Fasnet in Gomaringen? Das war lange undenkbar. 1994 hat eine Gruppe von engagierten Fasnets-Freunden beschlossen, dies dauerhaft zu ändern. Mit Erfolg. Die Gomaringer Käsperle bestehen inzwischen seit 20 Jahren. Den runden Geburtstag feiert man mit einem großen Umzug. Den Letzten davor gab’s 2009. »Wir haben uns durch alle Höhen und Tiefen der Narrenzunft gekämpft«, sagt Zunftmeister Dietmar Rau und freut sich auf die standesgemäßen Feierlichkeiten, die für seine Mitstreiter mit viel Aufwand verbunden sind.

Bereit zur großen Geburtstagsfeier: die Gomaringer Käsperle vor dem Schloss, einer für sie historischen Stätte. FOTO: PR
Bereit zur großen Geburtstagsfeier: die Gomaringer Käsperle vor dem Schloss, einer für sie historischen Stätte. FOTO: PR
»Das wird ein logistisches Highlight«, weiß der Vereinsvorsitzende. 80 Zünfte haben für Sonntag, 19. Januar, ihre Teilnahme zugesagt. Große und kleine, aus der Nachbarschaft und von ziemlich weit weg. Insgesamt werden 3 500 Hästräger erwartet. Um 13.30 Uhr soll’s losgehen, über die Gotthold-Kindler-Straße am Rathaus vorbei in die Gröbnestraße, durch die Tübinger Straße und nach links in die Schießmauerstraße bis zum Kinderhaus.

Anfangs Streit mit der Kirche

Der Gomaringer Termin liegt günstig, ziemlich am Anfang der Umzugs-Saison. Und natürlich wird alles geboten, was bei echten Narren dazugehört. Für 10.30 Uhr ist ein Zunftmeister-Empfang angesetzt. An und in der Kulturhalle wird’s ein Narrendorf geben – »und jede Menge Lumpen«.

150 Mitglieder zählt der Verein derzeit, darunter 70 Aktive und eine zünftige Lumpenkapelle. Die Figur des Käsperles ist populär. »Jeder will ein Käsperle sein«, hat Rau beobachtet. Der Drang, weitere Figuren zu etablieren, scheint daher bei Raus Mitstreitern gering. Der Gomaringer Sagengestalt und ihren modernen Wiedergängern haben die Narren ein eigenes Lied gewidmet mit Refrain und drei Versen: »Käsperles Schnallenschuh-Tango« – ziemlich einmalig in der näheren Umgebung, finden die Mitglieder der Zunft.

Nicht alle in Gomaringen haben es gerne gesehen, dass die Fasnet hier Fuß fasst – zumal 1995 mit den Schlosshexen eine weitere Narrenzunft dazukam (die 1999 als ihre zweite Häsgruppe die Oichele etablierte). Vor etlichen Jahren verbot die evangelische Kirchengemeinde in ihren Kindergärten Fasnets-Veranstaltungen. Mit Rücksicht auf die Belange der Kirche macht auch die Schloss-Schule bei der Schülerbefreiung ein Alternativangebot für Kinder, die mit dem närrischen Treiben nicht konfrontiert werden sollen. Inzwischen habe man aber »ein sehr entspanntes Nebeneinander«, sagt Rau. Etliche Gespräche mit den Pfarrern und Kirchengemeinderäten hätten dazu beigetragen, die Situation zu entschärfen.

Rau betont, dass die Narrenzunft vor Kurzem sogar gesammelt und einen Beitrag zur Renovierung der evangelischen Kirche überwiesen hat. Mit den Vertretern der katholischen Kirche gab’s von Anfang an keine Probleme. Die Aktivitäten am 19. Januar beginnt man um 9.30 Uhr mit einer Narrenmesse in der katholischen Kirche.

Am Montag geht’s los

Eröffnet wird die närrische Saison am Montag, 6. Januar, um 14 Uhr mit dem Häs-Abstauben in der Kulturhalle. Die Halle wird immer dann, wenn die Käsperle sie okkupieren, in Tobias-Kasper-Halle umbenannt – das Käsperle soll der Geist des Gomaringer Vogts mit diesem Namen gewesen sein. Allerdings finden sich in der Überlieferung auch ziemlich koboldhafte Züge.

In den Wochen nach dem Umzug folgen in Gomaringen wie gewohnt alle festen Programmpunkte Hallenfasnet, Kinderfasnet und Rathaussturm. Wichtig ist den Narren bei ihrem Treiben auch die soziale Komponente. Fest eingeplant ist zum Beispiel ein Besuch beim betreuten Wohnen. Und ganz wichtig: Die Aids-Hilfe Tübingen-Reutlingen bekommt eine Spende von den Käsperle. Ihre roten Schleifen verteilen die Gomaringer Gastgeber als Anstecker an alle, die für den Umzug ordnungsgemäß Eintritt bezahlen. (GEA)



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