Jugendfarm - Ein Integrationsprojekt bindet verhaltensauffällige Kinder in den offenen Betrieb am Kusterdinger Waldrand mit ein. Verein bemüht sich um Fortsetzung
Gemeinsam Natur erleben
KUSTERDINGEN. Mit Feuereifer und Mistgabeln bewaffnet entsorgen die Mädchen das verdreckte Stroh, kümmern sich darum, dass sich die vier Schafe in ihrem Stall wieder wohlfühlen. Eine Gruppe Jungen steht um ein niedrig brennendes Feuer herum und wirft Tannenzweige in die Flammen. Es ist Samstagnachmittag auf der Jugendfarm Härten. 13 Kinder haben sich in das ausliegende Anmeldebuch eingetragen.
Im Winter sind es zwischen 15 und 20 Besucher, die den Samstagnachmittag auf der Farm verbringen, sagt Susanne Fallscheer. »Da reicht dann auch ein Betreuer.« Im Sommer toben dagegen regelmäßig um die 40 Jungen und Mädchen den ganzen Tag lang über das Gelände am Waldrand von Kusterdingen.
Die Betreuung der Tiere ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kinder auf der Jugendfarm Härten.
FOTO: Ines Stöhr
Darunter auch immer wieder schwierige Kinder: Kinder mit Migrationshintergrund, Förderschüler. Denen es gut tut, in ein harmonisches Umfeld integriert zu werden, anstatt in der Ortsmitte Krawall zu machen, weiß Fallscheer. »Das ist mit einem Betreuer aber nicht zu schaffen.« Schon gar nicht, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. So müssen auch schon mal Verbote ausgesprochen werden, wenn trotz mehrmaliger Verwarnung jemand mit brennenden Stöcken herumrennt oder mit Steinen wirft, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, dem inzwischen 50 Familien angehören.
Verantwortung für Tiere
Um sich verhaltensauffälligen Kindern besser widmen zu können, hat der Verein im Sommer über die Aktion Mensch und in Kooperation mit den Schulen ein Integrationsprojekt begonnen. Mit den Fördermitteln ließ sich ein zweiter Betreuer bezahlen. »Wir wollen das gerne fortführen«, sagt Tilmann Roos, Vorsitzender des Vereins, der sich permanent um finanzielle Unterstützung kümmern muss. »Wir sind auf Spenden und Zuschüsse angewiesen.«
Eine Aufgabe, in die alle Kinder einbezogen werden sollen, ist die Betreuung der Tiere, mit der sie nicht nur eine wichtige Verantwortung übernehmen. »Es gibt Kinder, die haben noch nie ein Tier angefasst«, erzählt Fallscheer. »Die sitzen nur vor dem Fernseher oder der Play Station.« Morgens füttern Eltern die vier Schafe, zwei Ziegen, drei Hasen und fünf Meerschweinchen. Nachmittags kümmert sich eine Fütter-Gruppe von Kindern um die Tiere.
Vor allem die Mädchen hätten gerne noch ein Pony. »Aber dafür haben wir im Moment keinen Platz und kein Geld«, so Fallscheer. Die Grundschüler lernen auf der Farm auch, sich selbst zu beschäftigen, ohne ein festes Programm. Im Frühjahr ist das Hüttenbauen, Hämmern und Sägen für die Kleinen dann das Größte.
Die Jugendfarm beschäftigt vier qualifizierte Betreuer, die sich jeden Samstag abwechselnd nebenberuflich um den offenen Betrieb kümmern. »Es ist schade, dass die Farm nur an einem Tag in der Woche geöffnet ist«, bedauert Roos. Doch weitere Tage sind nicht bezahlbar. »Und unter der Woche wäre wahrscheinlich auch der Zulauf zu gering.« (GEA)