Erdbeben - Kirchentellinsfurter nach »Inspektionsreise« in Nepal unverdrossen. Kosten mindestens 150 000 Euro

Förderkreis will Patenschule retten

VON JOACHIM KREIBICH

KIRCHENTELLINSFURT. Der erste Anschein trügt. »Du kommst an und denkst: Hier war ein Erdbeben, aber ich sehe nichts«, sagt Barbara Krahl kopfschüttelnd. Die Schutthaufen sind beseitigt, die Steine weggeräumt, zumindest in dem Teil Kathmandus, den Reisende als Erstes zu Gesicht bekommen. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Zerstörung. Einer der zentralen Plätze, früher geprägt von vielen Tempeln: »Da stehen noch drei – und zwei müssen von Stützen gehalten werden.«

Der beliebte Aussichtsturm: In der Bildmitte steht er unversehrt, rechts sind nur noch Trümmer. Barbara Krahl zeigt als Reise-Mitbringsel die nach dem Erdbeben entstandene Zeichnung eines Jungen.  GEA-FOTO: -JKUnterricht in Behelfsklassenzimmern aus Wellblech: Die Helfer aus Deutschland wollen ihr Engagement fortsetzen und das Schulgebäude in Kathmandu sanieren. FOTO: KRAHL
Der beliebte Aussichtsturm: In der Bildmitte steht er unversehrt, rechts sind nur noch Trümmer. Barbara Krahl zeigt als Reise-Mitbringsel die nach dem Erdbeben entstandene Zeichnung eines Jungen. GEA-FOTO: -JKUnterricht in Behelfsklassenzimmern aus Wellblech: Die Helfer aus Deutschland wollen ihr Engagement fortsetzen und das Schulgebäude in Kathmandu sanieren. FOTO: KRAHL
Barbara Krahl und ihr Mann Winfried haben sich einen Eindruck von der Situation in Nepal verschafft und festgestellt: Viele Häuser zeigen Risse, manche neigen sich bedrohlich, manchmal fehlt die komplette Rückseite. Wer durch eine Gasse geht, in der Querstreben die Häuser davor bewahren umzusinken, den beschleicht unwillkürlich der Gedanke: »Was, wenn’s noch mal rumpelt?« Die Menschen haben Schwierigkeiten, Brennstoff aufzutreiben. Für einen Liter Benzin werden auf dem Schwarzmarkt umgerechnet sechs Euro verlangt.

Die Eheleute waren nicht als Touristen in dem armen Land. Seit vielen Jahren unterstützt der Förderkreis Patenschulen die Kailash Bodhi School und andere Projekte. Gemeinsam mit Martina Roßi und Steffen Mende waren die Krahls eine Woche unterwegs, um sich selbst ein Bild zu machen und herauszufinden, was nun getan werden muss.

Die Kirchentellinsfurter hielten Kontakt nach dem Beben im April und haben Spendengelder organisiert. »Die Schule ist beschädigt aber sie steht, Kinder und Lehrer sind wohlauf«, lautete damals die erste Nachricht von Schulleiterin Karma Chozom. Aufatmen im schwäbischen Dorf, zugleich die bange Frage hier wie dort: »Wie geht’s weiter?«
»Wir müssen es irgendwie schaffen, das ist deren einzige Chance«
 
Zunächst einmal mit Provisorien. Auf einem Grundstück nebenan wurden sechs Behelfsklassenzimmer aufgestellt. »Blechbüchsen« nennt sie Barbara Krahl. Unterricht ist nur möglich, solange es nicht regnet. Das Trommeln der Tropfen auf dem Blech würde jede vernünftige Konversation übertönen. Nur zwei Geschosse der alten Schule können derzeit genutzt werden: »Die, aus denen man schnell draußen wäre, wenn es wieder wackeln würde.«

Fest steht: Das alte Gebäude muss saniert werden, sonst droht die Schließung. Staatliche Hilfe wird es für die private Schule nicht geben. Bis 15. Dezember soll ein Kostenvoranschlag vorliegen. Erste vorsichtige Schätzung: mindestens 150 000 Euro, eher mehr.

Anderswo würde solch eine Summe tiefe Niedergeschlagenheit auslösen. Die Kirchentellinsfurter vereinbarten bei einem ersten Treffen des harten Kerns nach der Rückkehr: »Wir helfen.« Barbara Krahl: »Wir müssen es irgendwie schaffen, das ist deren einzige Chance.«

Zuversichtlich stimmt die Förderer, dass sie auch bisher erkleckliche Summen für Patenschaften, Lehrergehälter und Nothilfe aufgebracht haben – allein 2015 schon 110 000 Euro. Ein Brief an die Paten von Köln bis München ging bereits raus. Auch in der näheren Umgebung ist die Hilfsbereitschaft groß: In mehreren Schulen gibt’s regelmäßig Aktionen für Nepal. Im Januar will der Förderkreis in Kirchentellinsfurt einen Infoabend veranstalten.

»Von 900 Kindern und ihren Familien ist niemand körperlich zu Schaden gekommen. Manche sitzen unversorgt unter ihren Zeltfetzen und sprechen von ihrem neuen Leben. Es grenzt an ein Wunder«, sagt Krahl. Und es scheint ganz so, als sei beim Förderkreis das Nächste schon in Vorbereitung. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Niki Lauda sieht kaum mehr Chancen auf Niki-Übernahme

Wien (dpa) - Der ehemalige Rennfahrer und Unterneh... mehr»

Jerusalem-Konflikt

Manager ersteigert Mammut-Skelett für über 500 000 Euro

Lyon (dpa) - Für mehr als eine halbe Million Euro ... mehr»

2:2 nach 0:2: Schalke schafft nächste Last-Minute-Aufholjagd

Benjamin Stambouli (l) vom FC Schalke 04 kommt vor dem Frankfurter Ante Rebic an den Ball. Foto: Hasan Bratic

Frankfurt/Main (dpa) - So hatten sich die Spieler ... mehr»

Schwerelos

Aktuelle Beilagen