Festscheune - Weitere bauliche Veränderungen sollen endlich Ruhe in den Nachbarschaftsstreit in Wankheim bringen

Festscheune: Bauliche Änderungen sollen Ruhe bringen

VON INES STÖHR

KUSTERDINGEN-WANKHEIM. Zahlreiche Gutachter im Umkreis haben schon Messungen für die eine oder andere Seite vorgenommen, etliche Maßnahmen zur Eindämmung des Lärms wurden bereits geleistet: Seit die Festscheune der Familie Kemmler an der Hauptstraße in Wankheim vor fünf Jahren in Betrieb ging, fühlt sich vor allem Hermann Schäffer, dem mehrere Häuser in direkter Nachbarschaft gehören, in seiner Nachtruhe gestört.

FOTO: Ines Stöhr
Nach etlichen Verhandlungen vor verschiedenen Gerichten, beschäftigte sich jetzt auch die 8. Kammer des Verwaltungsgerichts Sigmaringen vor Ort mit der Sache. Schäffer will von der Behörde prüfen lassen, ob der Bau der Festscheune überhaupt zulässig war. Er sieht die Einrichtung nämlich als Vergnügungsstätte, die laut Bebauungsplan tatsächlich nicht erlaubt gewesen wäre. Er bezichtigte das Landratsamt, bei der Genehmigung im Jahr 2012 getrickst und geschoben zu haben, und auch was die Messwerte angehe, habe ihn die Behörde »verarscht.«

Vergnügungsstätte?

Der stellvertretende Landrat Hans-Erich Messner verteidigte die Genehmigung seiner Behörde. Man habe damals die Möglichkeit einer Vergnügungsstätte allerdings nicht auf dem Schirm gehabt. »Wir haben die Festscheune vergleichbar mit anderen Veranstaltungsorten im ländlichen Raum mit 100 bis 150 Besuchern gesehen«, erklärte er. So habe man auch den von der Gemeinde Kusterdingen betriebenen Klosterhof oder die doppelt so große Musikantenscheune in Nehren als Multifunktionsscheune genehmigt und nicht als Vergnügungsstätte gesehen. Unter Vergnügungsstätten verstehe man eher Spielhallen und Diskotheken oder »zwielichte Etablissements mit roten Laternen«, fand auch Richter Dietmar Reimann. Volker Bettin, Rechtsanwalt der Familie Kemmler ergänzte, dass auch in großen Gaststätten jedes Wochenende Veranstaltungen stattfinden. Das Gericht hatte Wolfgang Loos beauftragt, sämtliche Gutachten - darunter auch Messungen durch den TÜV Süd, der allerdings aufgrund der Hintergrundgeräusche wie aus dem benachbarten Kuhstall zu keinem klaren Ergebnis gekommen ist - zu sichten und in einer Grafik zusammenzufassen. Der Sachverständige für Lärmmessung, Lärmbekämpfung und Bauakustik kam zu dem Schluss, dass die Festscheune selbst die Vorgaben zum Lärmschutz einhält. Zu dem Ergebnis war im vergangenen Jahr auch das Landgericht gekommen (der GEA berichtete). Familie Kemmler hatte unter anderem die Scheunenfenster gegen vierfach verglaste austauschen lassen. Zu laut, das heißt bei einem Lärmpegel von über 45 Dezibel nach 22 Uhr, seien allerdings der nächtliche Autoverkehr und die sich in den frühen Morgenstunden auf den Heimweg machenden Gäste. Um das Verkehrsproblem in den Griff zu bekommen, sorgen die Scheunenbetreiber mittlerweile dafür, dass die An- und Abfahrt zur Scheune von der Walbenstraße her ab 22 Uhr gesperrt ist. Nach 22 Uhr erfolgt sie nur noch über die Hauptstraße, versicherte Andreas Kemmler. Ingenieur Loos soll nun zwei Vorschläge machen, um das Problem der lärmenden Festbesucher am Ausgang der Scheune zu lösen. Zum Beispiel über eine überdachte Wand zur Walbenstraße hin. Die Ideen sollen dann allen Beteiligten noch einmal vorgelegt werden, erklärte Reimann. Sollten die Grenzwerte damit auf der gesamten Anlage eingehalten werden und die Zustimmung Schäffers und seines Anwalts finden, hätte sich deren Antrag auf Aufhebung der Genehmigung erledigt. Ebenso wie die Forderung des Nachbarn, die Zahl der Veranstaltungen auf zwölf anstelle von bisher rund fünfzig im Jahr zu begrenzen. Es gebe darüber hinaus auch einen mit einem Lärmpegelmessgerät ausgerüsteten Wachposten, der darauf achtet, dass sich die Geräuschkulisse der abreisenden Gäste in Grenzen hält, erklärte Kemmler. Um die Festscheune wirtschaftlich zu betreiben, sei er darauf angewiesen, sie jedes Wochenende zu vermieten, betonte er. Auf eine Reduzierung der Veranstaltungen könne er sich nicht einlassen.Rose Schneck klagte dagegen, dass die Festscheunen-Besucher die gemeindeeigenen Parkplätze am Friedhof in der Straße Im Heckenwert nutzen dürfen. Auch sie fühle sich vor allem durch das Wegfahren der Autos mitten in der Nacht gestört. Eine Entscheidung dazu soll es nächste Woche geben. (GEA)

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