Kriminalität

Festnahme nach Angriff auf BVB-Bus - Was wir wissen und was nicht

Tübingen. (dpa) Zehn Tage nach dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Aber noch immer bleiben Fragen.

WAS WIR WISSEN

Am Dienstag vergangener Woche gegen 19.15 Uhr zünden in Dortmund drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus. Sie waren in einer Hecke versteckt. Der Abwehrspieler Marc Bartra und ein Polizist werden verletzt. Am Tatort werden Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt gefunden - an einem radikal-islamischen Ursprung bestehen aber erhebliche Zweifel. Ebenso wie an einem wohl gefälschten Bekennerschreiben, das sich auf die antifaschistische Szene beruft. Rätsel gibt auch ein Schreiben mit rechtsextremen Parolen auf - der Bundesanwaltschaft zufolge deutet nichts darauf hin, dass es vom Täter stammt.

Am frühen Freitagmorgen, rund zehn Tage nach dem Angriff, nehmen die Ermittler einen 28 Jahre alten Tatverdächtigen fest. Ihm wird von der Bundesanwaltschaft versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft wollte um 12.30 Uhr über den Stand der Ermittlungen informieren.
Der Verdächtige soll deutsch-russischer Herkunft sein und in Freudenstadt im Schwarzwald wohnen.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft erwarb der Beschuldigte am 11. April - dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus mit zwei Verletzten - 15 000 Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni. Der Kauf wurde demnach über die IP-Adresse des Mannschaftshotels abgewickelt, von dem aus der Bus mit den Spieler unmittelbar vor dem Anschlag zum Champions League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren war. Wäre die BVB-Aktie nach dem Anschlag stark gefallen, dann wäre der Gewinn wohl ein Vielfaches des Einsatzes gewesen.

Der Verdächtige wohnte zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Mannschaftshotel - der Bundesanwaltschaft zufolge bereits seit dem 9. April. Er hatte ein Zimmer im Dachgeschoss gebucht - mit Blick auf den späteren Anschlagsort.

Die drei Sprengsätze wurden nach Angaben des Bundesanwaltschaft zeitlich genau passend gezündet. Einer von ihnen sei allerdings zu hoch angebracht gewesen und entfaltete deshalb nicht seine volle Wirkung.

Am Freitagmorgen gab es außerdem Polizeieinsätze in den baden-württembergischen Städten Tübingen und Rottenburg am Neckar.

WAS WIR NICHT WISSEN

Offiziell bestätigt ist nicht, ob es noch weitere Tatverdächtige oder Komplizen gab. Nach Informationen von «Bild.de» und der Deutschen Presse-Agentur sucht die Polizei nach zwei Mittätern.

Ebenfalls unklar war zunächst, ob der 28-Jährige bereits eine Aussage bei der Polizei gemacht hat - etwa, ob er die Tat bestreitet oder gar geständig ist.

Ob der Verdächtige der Polizei bereits wegen anderer Delikte bekannt war, ist nicht bekannt.

Was genau oder wen die Ermittler bei den Einsätzen in Tübingen und Rottenburg am Neckar suchten, war nicht bekannt - auch nicht, ob sie dort fündig wurden oder neue Informationen bekamen.

Nach «Bild.de» trauen die Ermittler dem 28 Jahre alten Verdächtigen durchaus einen professionellen Bombenbau zu - offizielle Angaben gab es dazu aber vorerst nicht.

Was machte der Verdächtige nach dem Anschlag? War er noch im Hotel? Wann reiste er ab? Auch dazu gab es vorerst keine offiziellen Informationen.

Wer steckt hinter den unterschiedlichen, wohl gefälschten Bekennerschreiben? Der Bundesanwaltschaft nach wurden an den Schreiben mit radikal-islamischen Parolen keinerlei Finger- oder Griffspuren gefunden. Auch bei den beiden später aufgetauchten Schreiben, die die Ermittler als eher unecht einstufen, war nicht klar, von wem sie stammen.

Zwar weiß man, dass die Sprengsätze mit Metallstiften bestückt waren - welcher Sprengstoff verwendet wurde, ist der Bundesanwaltschaft zufolge aber noch immer nicht ganz klar

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