Politik - Die Linke im Steinlachtal lädt ein, für ein Umdenken in Rüstungs- und Flüchtlingspolitik auf die Straße zu gehen

Erste Kundgebung in neuer Mitte

VON CLAUDIA HAILFINGER

MÖSSINGEN. Die Flyer sind gedruckt, die Plakate im ganzen Kreis Tübingen aufgehängt. Was man bisher eher aus der benachbarten Unistadt kennt, wird es am Freitag, 14. Juli, auch in Mössingen geben: eine Kundgebung. Organisiert hat sie LiSt, die Linke im Steinlachtal.

FOTO: Claudia Hailfinger
Vor rund zehn Monaten hat sich die Vereinigung gegründet - ausdrücklich nicht als Ortsgruppe der Partei Die Linke, sondern als Forum für Linke-Sympathisanten. Die Kundgebung habe daher auch nichts mit Wahlkampf zu tun, erklärt Sabine Lehmkühler. Vielmehr solle Diskussionsfreudigkeit bei den Bürgern geweckt werden.

Gesamtzusammenhänge sehen

Unter dem Motto »Grenzen öffnen für Menschen. Grenzen schließen für Waffen« gibt es Kundgebungen in ganz Deutschland. Mit diesem Slogan soll auch im Steinlachtal zum Nachdenken angeregt werden, dazu, Gesamtzusammenhänge zu erkennen. »Wer Hochrüstung will, hat Krieg zum Ziel«, formuliert Erich Schneider, Initiator der LiSt, der sich dem Grundsatz »Global denken, lokal handeln« verschrieben hat.

Angeprangert wird der deutsche Rüstungsexport, der dafür mitverantwortlich gemacht wird, dass so viele Menschen sich auf die beschwerliche Reise nach Europa machen - und hier zunehmend auf eine Abschottungspolitik treffen. »Da werden Menschenrechte mit Füßen getreten«, ärgert sich Hannefriedel Meyer-Faude, die beklagt, dass sich Deutschland seit dem »Sündenfall« Jugoslawien an Angriffskriegen in der ganzen Welt beteilige. Die Tendenz, da ist man sich in der Gruppe einig, geht in Richtung einer noch stärkeren Aufrüstung. Dass damit häufig Sozialabbau verbunden sei, sei schon zu Zeiten des Mössinger Generalstreiks erkannt und angeprangert worden.

Auch heute noch, daran hat Sabine Lehmkühler keinen Zweifel, lassen sich die Menschen im Steinlachtal zu diesem Thema mobilisieren. »Ich denke, viele vermissen in Mössingen eine offene Austauschkultur.« Anders als die Stadt, die in ihrem Genehmigungsschreiben für die Kundgebung von 50 bis 80 Teilnehmern ausgeht, hält sie bis zu 200 für möglich. »Wir lassen uns in keinem Fall enttäuschen«, gibt Bernhard Meyer die Motivations-Marschroute vor. Auch er geht aber davon aus, dass die Kundgebung auf Interesse stoßen wird, wenn die Bürger sehen: »Da sind Leute, die regen sich auf und die organisieren was.«

Wer dann künftig intensiver mitdiskutieren will, kann zu den LiSt-Treffen immer am dritten Mittwoch des Monats um 19.30 Uhr in die Bahnhofsgaststätte Belsen kommen. »Wir haben noch viele Themen im Köcher«, garantiert Sabine Lehmkühler lachend. (GEA)







HÄNSEL UND KÜHN DABEI

Gegen die deutsche Flüchtlings- und Rüstungspolitik richtet sich die Kundgebung am Freitag, 14. Juli, von 17 bis 18 Uhr in der Stadtmitte Mössingen, Parkplatz Ecke Breitestraße/Falltorstraße, am Wochenmarkt-Platz. Als Sprecher haben die Tübinger Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel (Linke) und Chris Kühn (Grüne) sowie Harald Kretschmer von der Evangelischen Landessynode zugesagt. Musik macht Wolfgang Pusch, Amelie Jonas aus Nehren moderiert. (GEA)
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