Handel - Siegel für Rottenburg. Heidelberg will demnächst nachziehen. Örtliche Geschäftsleute machen gerne mit. Überregionale Ketten tun sich schwer
Erste Fairtrade-Stadt im Südwesten
ROTTENBURG. Im Café gibt es fair gehandelten Tee, im Supermarkt fair gehandelte Schokolade und der Blumenladen verkauft Rosen aus fairem Handel: Rottenburg wird am Sonntag als erste Fairtrade-Stadt in Baden-Württemberg ausgezeichnet. Das Siegel wird vom Verein Transfair verliehen, der weltweit auch Produkte kennzeichnet, die in Entwicklungsländern unter sozialen Bedingungen hergestellt wurden.
Viele Bürger waren dafür
Die Auszeichnung bekommen Städte, in denen eine bestimmte Anzahl Restaurants, Supermärkte und Schulen Produkte aus fairem Handel anbieten. Weltweit gibt es 750 Kommunen mit dem Siegel. In einigen Wochen soll Heidelberg die Auszeichnung als zweite Stadt im Südwesten bekommen.
Viele Menschen in der Bischofsstadt Rottenburg haben ohnehin ein ausgeprägtes ökologisches und soziales Bewusstsein, sagte Jürgen Rohleder, Koordinator für Bürgerengagement. Und auch bei Einzelhändlern und Gastronomen seien fair gehandelte Produkte seit Langem ein Thema.
Hinzu komme, dass es unter den Bürgern viele starke Stimmen gegeben habe, die sich für den Fairtrade-Gedanken stark gemacht hätten. »Da haben wir uns gedacht, das passt gut ins Stadtprofil, und es ist ein Alleinstellungsmerkmal«, sagte Rohleder.
Viele örtliche Geschäftsleute seien leicht zu überzeugen gewesen - einige überregionale Ketten täten sich da schwerer. »Wir versuchen, alle zu überzeugen: Wenn ihr der Rottenburger Bürgerschaft zeigt, dass ihr ein vertrauenswürdiges Unternehmen seid, dann ist das auch ein wirtschaftlicher Vorteil.«
Gegen Kinderarbeit
Aber auch Baufirmen beispielsweise könnten auf fair gehandelte Produkte achten. Pflastersteine müssten zum Beispiel nicht unbedingt aus Indien kommen, wo Kinderarbeit in den Steinbrüchen verbreitet ist.
Die teilnehmenden Geschäfte und Gasthäuser dürfen in Zukunft mit dem Fairtrade-Siegel für sich werben. (dpa)