Rechtsanspruch - Tagesmutter oder Krippenplatz: Bürger können selber entscheiden, was mehr Vorteile bringt

Eltern haben Wunsch- und Wahlrecht

KREIS TÜBINGEN. Seit Beginn des Monats haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Sprösslinge unter drei Jahren. Doch nicht allen ist offenbar klar, dass dies auch die Betreuung durch Tagesmütter einschließt.

»Manche Eltern sind irritiert. Wir bekommen immer wieder Anfragen von Leuten, die nicht Bescheid wissen«, sagen Annette Geist und Andrea Keinath vom Tageselternverein in Tübingen. Selbst in einem Gespräch mit einem Kooperationspartner aus einem anderen Bereich sei vor Kurzem die Frage gestellt worden: »Betrifft euch das eigentlich auch?«

Geist und Keinath betonen: »Beide Betreuungsformen sind gesetzlich gleichgestellt. Eltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht.« Jeder kann selbst entscheiden, ob für ihn und das Kind ein Krippenplatz günstiger ist oder die Unterbringung bei einer Tagesmutter.

Im Kreis Tübingen nicht teurer

Zusätzliche Irritationen haben Berichte ausgelöst, wonach Eltern für Tagesmütter zum Teil deutlich mehr bezahlen mussten als für einen Krippenplatz: In Köln soll das 400 Euro Differenz im Monat ausgemacht haben. Die Fachleute stellen klar: »Das mag in anderen Bundesländern zutreffen, aber nicht bei uns.« Im Landkreis Tübingen müssten Eltern definitiv nicht mit höheren Kosten rechnen.

Eltern mit Kindern unter drei Jahren bezahlen für die Tagesmutter im Landkreis maximal 1,90 Euro die Stunde. Der Beitrag ist abhängig vom Einkommen der Familie. Bis 23 000 Euro Brutto-Einkommen im Jahr übernimmt der Landkreis die Kosten ganz.

Beliebt ist diese Form der Unterbringung bei Eltern auch deswegen, weil Tagesmütter sich oft sehr flexibel zeigen. Eine feste Tageseinrichtung hat nur ganz bestimmte Öffnungszeiten. Mit der Tagesmutter kann man bei Bedarf hingegen andere Verabredungen treffen oder ein Kind auch mal übernachten lassen.

Gegenwärtig, so Keinath, hat’s in einigen Gemeinden noch freie Plätze. In Dußlingen und Kirchentellinsfurt ist die Tagespflege sehr gefragt. Gomaringen und Ofterdingen sind weiße Flecken auf der Landkarte (wir berichteten). In Mössingen zeigt der Trend aufwärts. Dort wurden neue Tagesmütter geworben, die die aufwendige Qualifikation absolvieren. Dass das gestiegene Interesse damit zusammenhängt, dass die Steinlachstadt die höchsten Krippen- und Kindergarten-Gebühren im Umkreis verlangt, wollen die Fachleute nicht ausschließen. (-jk)



600 KINDER IN BETREUUNG

Für die Beratung zu allen Fragen der Kindertagespflege ist der Eltern- und Tageselternverein Tübingen zuständig. Außenstellen befinden sich unter anderem in Mössingen und Kirchentellinsfurt. Derzeit sind im Landkreis rund 150 Tagesmütter angemeldet. Zudem etwa 50 Kinderfrauen, die die Kinder nicht bei sich daheim betreuen, sondern ins Haus kommen. Insgesamt werden im Kreis Tübingen fast 600 Kinder betreut. (-jk)

www.tageselternverein.de

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