Treffen - Die Krimiautorinnen-Vereinigung »Mörderische Schwestern« gab Einblick in ihre Arbeit und bildete sich fort

Ein Mord am Anfang sorgt für Würze

VON ARNFRIED LENSCHOW

TÜBINGEN. Nur nicht auffallen. Sonst wird man noch zum Mordopfer erkoren. Literarisch natürlich nur.

Literarische Erfahrung mit Mord und Totschlag: Die Krimiautorinnen (von links) Cornelia Lotter, Bettina Hellwig, Uschi Kurz, Ulrike Wanner, Tanja Jaurich und Anke Laufer trafen sich zur Tagung der »Mörderischen Schwestern« in Tübingen.
Literarische Erfahrung mit Mord und Totschlag: Die Krimiautorinnen (von links) Cornelia Lotter, Bettina Hellwig, Uschi Kurz, Ulrike Wanner, Tanja Jaurich und Anke Laufer trafen sich zur Tagung der »Mörderischen Schwestern« in Tübingen. FOTO: Arnfried Lenschow
Zum ersten Mal tagten die baden-württembergischen und Schweizer Mitglieder der Krimiautorinnen-Vereinigung »Mörderische Schwestern« in Tübingen, die bundesweit 450 Mitglieder hat. Aber da sich Auf der Morgenstelle nur ein Sextett traf, war das Auffallen als männlicher Berichterstatter nicht zu vermeiden.

Gut, dass sich die Damen sowieso mit Interessanterem beschäftigen durften. Wer würde hinter einem Tagungsprogramm, dass drei so unterschiedliche Themen umfasst wie Grundlagen des Strafprozessrechts, cerebrale Parasiten und fremde Welten, durchs Teleskop gesehen, schon eine Tagung von Krimiautorinnen vermuten?

»Wir brauchen solche Einblicke in andere Wissenswelten«, sagt Ulrike Wanner, die Regio-Sprecherin der »Mörderischen Schwestern« für Baden-Württemberg und die Schweiz. So hatte die Tübingerin gleich auch noch ihren Mann Michael verpflichtet, der ebenfalls Krimis schreibt und bei der Gewerkschaft in Stuttgart Anwalt ist. Er referierte über die Grundlagen der Strafprozessordnung.

Die Kluft zur Realität


Denn zwischen der Wirklichkeit, die etwa im Fernsehkrimi vermittelt wird, und der Realität klaffe oft »eine große Lücke«. Mit allerhand Beispielen versuchte Wanner, diese zu schließen. Er erläuterte, was denn nun bei Festnahmen, Fahndungen, Hausdurchsuchungen, Beweismitteln und anderem alles erlaubt ist oder nicht. Damit bei der literarischen Umsetzung von Mord und Totschlag auch die rechtliche Seite stimmt. Wer weiß beispielsweise, dass jeder Normalbürger einen Täter so lange festhalten kann, bis die Polizei kommt? Oder welche Hürden es für die Polizei für eine Wohnungsdurchsuchung gibt. Wobei Wanner auch darauf hinwies, dass mit der Formel »Gefahr in Verzug« die eher vorsichtiger formulierten Gesetze außer Kraft gesetzt werden können.

Privatdozent Alfons Renz vom Institut für Ökologie und Evolution brachte nach der Mittagspause ganz andersgeartete Anregungen ins Spiel. Er sprach über Parasiten, die sich im Hirn breitmachen. Aggressive Autofahrer können das Ergebnis sein. »Dabei stellt sich natürlich die Frage der Zurechnungsfähigkeit«, sagt Renz. Aber auffällige Menschen auf Parasiten zu testen, »daran denkt kein Mensch«, sagt Renz und spekuliert, dass krimimäßig Opfer infiziert und in den Parasitenwahn getrieben werden könnten.

Bisher haben die Krimiautorinnen vor allem eigenes Fachwissen eingesetzt. Bettina Hellwig aus Konstanz etwa, die als Apothekerin und Pharmaziefachjournalistin arbeitet, lässt mit Gift morden und gibt literarisch mordenden Kolleginnen schon mal Ratschläge. »Den ein oder anderen Giftmord habe ich mitgeplant.« Wobei sie versichert, dass der Gatte daheim nichts zu befürchten hat.

Ulrike Wanner, hauptberuflich als IT-Expertin tätig, lässt in ihrem neuen Roman »Motherbrain«, der in Tübingen spielt, zwei Nerds bei mysteriösen Todesfällen und dem Mord an einem Forscher an der Uniklinik ermitteln. Mit ihrem Mann Michael hat sie den ersten Kritiker ihrer Werke zu Hause. »Wir schildern uns gegenseitig unsere Plots. Der andere findet dann immer die Schwachstellen.« Ein Mord am Anfang ist ihrer Meinung nach ein Muss. »Das braucht man, damit es losgeht.« Zusammen schreiben, dass allerdings klappt bei den beiden nicht. Ein Versuch bei einem Bühnenstück hat wohl beiden traumatische Erfahrungen beschert.

Ansonsten ist bei den anderen schon mal »schwesterliche Hilfe« angesagt – durch Austausch mit den Kolleginnen der Vereinigung. Für die Mähringerin Anke Laufer, die an ihrem zweiten Erzählungsband arbeitet, gab es sogar das erste Arbeitsstipendium der »Mörderischen Schwestern« und Lob von der Jury, die das entschied und sie mit Edgar Allan Poe und Oscar Wilde verglich. Auch wenn das Männer sind: Ein schönes Kompliment ist das doch. (GEA)



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