Tübingen
Sommerkino - Zwei Kulturen, zwei Geschichten: In der Schloss-Schule erzählten die Kinder der Familie Avdijaj und ein israelischer Film vom Leben nebenan

Drei auf dem Weg zurück

GOMARINGEN. Vielleicht musste es einfach so sein. Vielleicht musste das Wetter einfach zu schlecht sein für einen gemütlichen Kinoabend im Schlosshof. So flimmerte »Die Band von nebenan« über die Leinwand in der Aula der Schloss-Schule - jenem Ort, der für sie ein wichtiges Stück Heimat war. Hier gingen Elvira, Edvin und Elvir Avdijaj zur Schule, bis sie mit ihren Eltern vor sieben Jahren gezwungen wurden, Deutschland »freiwillig« in Richtung Kosovo zu verlassen.

Am Donnerstagabend waren sie wieder da, beim Sommerkino, wie so oft in den vergangenen Jahren. Organisiert wird die Veranstaltung unter anderem von der Gomaringer Initiative gegen Fremdenhass, die nach der Ausreise der Avdijajs einen Unterstützerkreis gegründet hat. 300 Euro monatlich überweisen die Mitglieder seither Monat für Monat in den Kosovo. Geld, das gut angelegt ist.

Die Familie hat ihre Unterstützer nicht enttäuscht. Zwar sind die Eltern mittlerweile krank und nach wie vor ohne Arbeit, aber die drei Kinder sind auf dem Sprung in eine bessere Zukunft. Während Elvir, der Jüngste, das Schuljahr am Gymnasium mit 1,4 abgeschlossen hat, studiert Elvira bereits Finanzen und Buchhaltung und Edvin Business Administration. »Und ich will auch das erreichen, was meine Geschwister machen«, erklärt Elvir.

Nächstes Jahr machen sie ihnen Bachelor-Abschluss und hoffen, danach in Deutschland in einem Master-Studiengang weitermachen zu können. Einen Monat haben sie jetzt bei Bekannten in Gomaringen und Dußlingen gewohnt und die Zeit genutzt, um sich über die Aufnahmemodalitäten an verschiedenen Hochschulen zu informieren.

Ausweg Studium

»Ein Studium in Deutschland ist praktisch die einzige Möglichkeit, um aus der finanziellen Abhängigkeit von uns herauszukommen«, erklärt Andreas Foitzik vom Unterstützerkreis. »Nach dem Abschluss haben sie dann ein Jahr lang Zeit, hier einen Arbeitsplatz zu finden, damit sie bleiben können.«

Doch auch das Studium will finanziert sein. Ein Stipendium kann nur beantragen, wer bereits hier studiert. Immerhin, so Andreas Foitzik, hat sich eine private Stiftung bereit erklärt, »für das erste Semester in Vorleistung zu treten«.

So, wie es die Familie Avdijaj vom Gomaringer Kirchplatz aus in den fremden Kosovo verschlagen hat, so strandete das Polizeiorchester aus Alexandria plötzlich in einem Nest in der israelischen Wüste. Dort wird »die Band von nebenan« in ihren hellblauen Uniformen von Israelis aufgenommen - ein Zusammenprall von Kulturen, den der Film witzig-melancholisch beschreibt. Zuvor spielte das Tübinger Salonorchester Musik aus der vergangenen großen Kultur der Kaffeehäuser. (pp)


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