Wissenschaft - Frühe Bevölkerungsumwälzung

DNA gibt Hinweise

TÜBINGEN. Der anatomisch moderne Mensch entwickelte sich in Afrika und besiedelte von dort aus die ganze Erde. Ein Wissenschaftlerteam am Institut für naturwissenschaftliche Archäologie der Uni Tübingen um Professor Johannes Krause, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena ist, hat nun das Schicksal der frühen Europäer näher beleuchtet. Dazu gab es genetische Untersuchungen an 55 europäischen Jägern und Sammlern aus der Zeit vor 35 000 bis 7 000 Jahren. Fast ein Dutzend der Skelettreste stammen aus den berühmten eiszeitlichen Höhlen der schwäbischen Alb.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Europäer, Asiaten, Amerikaner und Australier Nachfahren einer einzigen Gruppe früher moderner Menschen sind, die sich vor 50 000 Jahren außerhalb Afrikas ausbreitete. Die frühen Siedler Europas wurden auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 22 500 Jahren vermutlich stark dezimiert und breiteten sich erst später wieder aus, als die Klimaverhältnisse günstiger wurden.

Einwanderung am Eiszeit-Ende

»Zur großen Überraschung haben wir bei den frühen Europäern Mitochondrien vom Typ M gefunden, die es praktisch heute in Europa nicht mehr gibt, die aber mehr als die Hälfte aller Asiaten in sich tragen«, sagt Cosimo Posth, Erstautor der Studie. Dieser Befund ermöglichte es, fundierter als bisher abzuschätzen, wann der letzte gemeinsame Vorfahr aller Nicht-Afrikaner lebte, der Mitochondrien der M- und N-Linie besaß. »Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass alle heutigen Nicht-Afrikaner auf eine gemeinsame Population zurückgehen, die sich beginnend vor circa 50 000 Jahren außerhalb Afrikas ausbreitete«, so Krause. »Die Nachfahren dieser Gruppe besiedelten alle Kontinente und verbreiteten die Mitochondrien-Linien M und N.«

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich während des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor 25 000 bis 19 000 Jahren die Bevölkerung Europas in Refugien zurückziehen musste und die Mitochondrien der M-Linie verloren gingen. Bei den Analysen gab es eine weitere Überraschung: Sie deuten auf eine massive Verschiebung der genetischen Zusammensetzung der Europäer am Ende der letzten Eiszeit vor circa 14 000 Jahren hin, einer Zeit großer klimatischer Instabilität. »Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass es zur massiven Einwanderung oder einem extremen genetischen Flaschenhals am Ende der Eiszeit in Zentral- und Westeuropa kam«, sagt Krause. (u)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktuelle Beilagen
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Taifun hinterlässt zwei Tote in Japan

Tokio (dpa) - Der starke Taifun «Talim» hat auf se... mehr»

Neuer VfL-Coach Schmidt will «Energien freisetzen»

Martin Schmidt (M) bei seinem Amtsantritt ale Trainer beim VfL Wolfsburg. Foto: Hermann Hay

Wolfsburg (dpa) - Viel Zeit hat Martin Schmidt nic... mehr»

Bayern gegen Schalke ohne verletzten Neuer

Muss wegen einer Verletzung erneut pausieren: Bayern-Keeper Manuel Neuer. Foto: Carmen Jaspersen

Berlin (dpa) - Mit einem Sieg bei Schalke 04 kann ... mehr»

Hurrikan «Maria» trifft auf Karibikinsel Dominica

Roseau (dpa) - Die Karibik findet keine Ruhe: Zwei... mehr»

Hurrikan «Maria» trifft auf Karibikinsel Dominica

Das Satellitenfoto zeigt Hurrikan «Maria» vor den Kleinen Antillen. Foto: NASA

Roseau (dpa) - Mit Windgeschwindigkeiten von bis z... mehr»