Gesundheit - Millionen aus Sonderprogramm: Tübingen will viele Vorhaben umsetzen. In der Rangliste auf Platz fünf

Die Uniklinik Tübingen baut und wächst

VON JOACHIM KREIBICH

TÜBINGEN. Die Zahl der Patienten steigt. Zum ersten Mal hat die Uniklinik Tübingen 2017 mehr als 70 000 vollstationäre Aufnahmen verzeichnet. Das sind fast zehn Prozent mehr als vor fünf Jahren.

Ein Langzeit-Projekt: Die Crona-Klinik muss nach 30 Jahren umfassend saniert werden. Bei laufendem Betrieb.
Ein Langzeit-Projekt: Die Crona-Klinik muss nach 30 Jahren umfassend saniert werden. Bei laufendem Betrieb. FOTO: Joachim Kreibich
Um mit der Entwicklung Schritt zu halten, sind große Anstrengungen nötig. Das vom Land zugesagte Sonder-Programm kommt da gerade recht.

400 Millionen Euro sollen die vier Unikliniken in Baden-Württemberg erhalten. Ganz grob ein Viertel werde auf Tübingen entfallen, nimmt Klinikchef Michael Bamberg an und betont, dass die Pläne für die Umsetzung gewissermaßen fertig in der Schublade liegen. »Mit dem Sondertopf haben wir Luft gewonnen«, sagt die kaufmännische Direktorin Gabriele Sonntag.

Die Zusatz-Förderung ist ausschließlich für Sanierungen vorgesehen. Doch in den Kliniken macht sie Umschichtungen möglich. Und in Tübingen soll sich einiges verändern.

Größter Brocken ist der Umbau der Crona-Stationen, den man schon 2015 in der Neurochirurgie begonnen hat und der sich insgesamt noch Jahre hinziehen wird, »bei laufendem Betrieb«, wie Bamberg betont. Auch der zentrale OP-Komplex ist davon nicht ausgenommen.

500 Wohnungen für Mitarbeiter

Crona steht für Chirurgie, Radiologie, Orthopädie, Neurologie und Anästhesie; sie kommen zusammen auf ein Drittel der Patienten. Um Platz zu schaffen, wird bis Herbst 2018 ein Modulgebäude für eine orthopädische Pflegestation errichtet, auf dem südwestlichen Dachgarten.

Auch im Tal tut sich was. Das Laborgebäude des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde wird 2019 und 2020 aufgestockt. Die Frauenklinik braucht einen 9,5 Millionen Euro teuren Anbau. Die Neonatologie wird erweitert - um eine Intensiv-Einheit, in der Angehörige direkt bei ihren Kindern bleiben können.

Ebenfalls im Tal wird die gesamte Psychosomatik - bisher auf drei Standorte verteilt - in einem Gebäude zusammenrücken. Die Jugendpsychiatrie bekommt einen Anbau. Das ist dringend notwendig, weil die Zahl der Notaufnahmen dort stark steigt. Gegenwärtig sind es drei pro Tag.

Um Mitarbeiter zu gewinnen und auszubilden, sollen mehr als 500 Wohneinheiten westlich des Breiten Wegs bereitgestellt werden, je zur Hälfte als Personalwohnungen und als Schülerzimmer. Die Klinik nimmt 45 Millionen Euro Kredit auf und geht davon aus, dass sich die Bauten über einen längeren Zeitraum durch die Mieten refinanzieren, wie Sonntag hervorhebt.

Voraussetzung ist stets, dass die Qualität stimmt. »Wir müssen uns ständig verbessern«, weiß Sonntag. Bamberg nickt und verweist darauf, dass die Tübinger im aktuellen Focus-Ranking bundesweit auf Platz fünf stehen. Aus Baden-Württemberg ist nur Heidelberg noch weiter vorn, nämlich auf Platz vier. Nach der Berliner Charité, dem Klinikum der LMU München und Dresden.

Andere mussten Betten stilllegen

Auch das KTQ-Verfahren zur Zertifizierung hat Aussagekraft. Nur drei von 33 Unikliniken bundesweit haben den Prozess vollständig durchlaufen. Tübingen ist dabei, neben Würzburg und Münster. 2017 gab's dafür auch einen Preis.

Gelohnt hat sich nach Einschätzung der Klinikleitung das Bemühen um Pflegekräfte auch aus anderen Ländern. »Andere Unikliniken mussten bis zu 60 Betten schließen, weil sie nicht genug Pflegekräfte haben«, weiß man in Tübingen, wo man um solch drastische Maßnahmen bisher herumkam.

Die Belastung für die Hebammen, Schwestern, Pfleger und Anästhesiekräfte sei jedoch sehr hoch. Sonntag ist überzeugt: »Wären die Krankenhäuser bisher vernünftig finanziert worden, hätten wir das gegenwärtige Pflegeproblem nicht.« Umso aufmerksamer hat man registriert, was die Koalitionäre in Berlin verhandelt haben. Bamberg und Sonntag unterstützen die Forderung nach einer »Sonder-Initiative Pflege«. Das Koalitions-Papier betrachtet man mit leiser Skepsis.

Uniklinik Tübingen


350 000 Arztbriefe und Mutterglück mit 59

Großbetrieb Uniklinik: In Tübingen sind fast 6 000 Vollzeitstellen ausgewiesen, 2013 waren es noch 5 470. Das Jahresergebnis steht noch nicht fest. Die Klinikleitung rechnet mit einem positiven Abschneiden. 2016 lag der Umsatz bei 560 Millionen Euro.

Die Kliniken verschicken im Jahr rund 350 000 Arztbriefe, viele noch per Fax. Eine Umstellung auf LED-Beleuchtung spart mehr als eine halbe Million Kilowattstunden ein - das entspricht umgerechnet dem Verbrauch von 150 privaten Haushalten im Jahr.

Ungewöhnliches Zahlungsmittel: Eine Patientin hat eine Rechnung von zehn Euro nicht bar bezahlt oder mit EC-Karte - sondern mit Briefmarken.

Die älteste Mutter in der Frauenklinik war bei der Geburt ihres Kindes 59 Jahre alt. Das Kind mit dem niedrigsten Entlass-Gewicht durfte mit 1 646 Gramm nach Hause. (GEA)

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