Schlosskeller - Tübinger Attraktion zu besichtigen: Neuer Zugang macht's möglich. Testphase ab Januar

Tübinger Riesen-Fass kann wieder besichtigt werden

VON JOACHIM KREIBICH

TÜBINGEN. 23 Jahre haben die Tübinger auf Naturschützer und Fledermäuse geschimpft. Der Weg in den Schlosskeller war versperrt. Das älteste erhaltene Riesen-Fass der Welt konnte nicht mehr besichtigt werden. Jetzt hat man eine Möglichkeit gefunden, es zur Besichtigung frei zu geben, ohne dass die Fledermäuse stark gestört werden. Ab Januar beginnt die Testphase mit maximal vier Führungen am Tag.

Imposantes Innenleben: Das Tübinger Fass besteht aus dem Holz von 90 Eichen und nahm vor fast 500 Jahren 84?000 Liter Wein auf.
Imposantes Innenleben: Das Tübinger Fass besteht aus dem Holz von 90 Eichen und nahm vor fast 500 Jahren 84 000 Liter Wein auf. FOTO: Markus Niethammer
Anders als früher nehmen Besucher nicht mehr den direkten Weg über den Schlosshof. Sie betreten das Schloss über den Museums-Eingang, schreiten vorbei an den Sammlungen, lassen Eiszeit-Kunst und ägyptische Grabkammer ausnahmsweise links liegen und steigen vollends hinab. Eine neu eingebaute Holztreppe und ein bereits existierendes Hintertürchen im Keller machen es möglich.

Boris Palmer findet das Fass beeindruckend: »Das gibt es so nirgends sonst.« Und es ist präsentabler denn je. »Im oberen Teil war es bereits auseinandergebrochen und zum Keller hin um 35 Zentimeter nach vorne geneigt«, berichtet Bernd Selbmann vom Amt für Vermögen und Bau. Nach einer General-Überholung ist davon nichts mehr zu erahnen.

Selbstmann lässt keinen Zweifel, dass man dabei äußerst sorgfältig vorgegangen ist. »Jedes Staubkorn wurde analysiert.« Im Untergrund kamen Reste früherer Keller-Feiern zum Vorschein und sogar ein Stielglas aus dem 16. Jahrhundert.

Fledermäuse nicht gestört

Gründlich war man auch bei allen weiteren Maßnahmen. Besucher umrunden das Fass nun über einen Steg und eine Plattform aus Lärchenholz. Beim Einbau der Beleuchtung wurde peinlich genau darauf geachtet, nichts zu verwenden, was die Fledermäuse stören oder in ihrer Orientierung beeinträchtigen könnte.

Ingrid Kaipf von der Fledermaus-Arbeitsgemeinschaft glaubt, dass man eine optimale Lösung gefunden hat. Die wenigen Tiere im Winterquartier hängen weit weg vom Fass im Femegericht und angrenzenden Räumen. Durch einen Vorhang wird dieser Teil vorübergehend abgetrennt. In einer zweimonatigen Testphase soll auf Raumluft und Akustik geachtet und beobachtet werden, ob die schlafenden Tiere Reaktionen zeigen.

Flugübungen im Keller

Während Geburt und Aufzucht der Jungen ist der Keller weiter tabu. Im April zieht die Kolonie der Großen Mausohren ein. Im Fasskeller machen die Jungtiere später ihre ersten Flugübungen. Geht alles ohne Probleme über die Bühne, könnten die Fass-Führungen künftig von November bis März erfolgen.

Der Direktor des Uni-Museums, Ernst Seidl, freut sich schon auf die ersten Führungen. Das Schloss ist damit um eine Attraktion reicher. »Vor zwei Jahren wurde das älteste biochemische Labor in der Schlossküche zugänglich gemacht. 2018 wird die Sternwarte hier oben restauriert und erschlossen. Ich bin vollkommen begeistert.« (GEA)

Im Tübinger Schlosskeller

Für den Bau des Tübinger Fasses wurde 1546 das Holz von 90 Eichen verwendet. Es ist vier Meter hoch, ebenso breit und sieben Meter lang - und es fasst 84 000 Liter Wein. Zweimal wurde es befüllt. Danach war es allerdings nicht mehr dicht.

Das Fass im Heidelberger Schloss ist noch größer, aber viel jünger, es stammt aus dem Jahr 1751. Es konnte ursprünglich 221 000 Liter aufnehmen.

Den Tübinger Schlosskeller nutzen etwa 20 Fledermäuse als Winterquartier, aktuell sind es sogar nur sieben. Im April zieht dann die Kolonie der Großen Mausohren in den Keller ein und bleibt bis in den Herbst. 2008 waren es 530 Weibchen mit ihren Jungtieren. 2017 wurden 320 Weibchen gezählt. (-jk)

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