Terrorismus

BVB-Anschlag: Mann in Tübingen gefasst

TÜBINGEN. Der Anschlag auf den Mannschaftsbus der Dortmunder scheint keinen terroristischen Hintergrund zu haben. Die Polizei nahm nun einen Mann in Tübingen fest, der wohl durch einen infolge des Anschlags verursachten Kursverlust der BVB-Aktie einen Millionengewinn erzielen wollte.

Polizeieinsatz in Rottenburg im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Bus. Foto: www.7aktuell.de/Oskar Eyb
Polizeieinsatz in Rottenburg im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Bus. Foto: www.7aktuell.de/Oskar Eyb
Anderthalb Wochen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat es am Freitagmorgen Polizei-Einsätze in den Städten Tübingen und Rottenburg gegeben. Dabei hat die Polizei in Tübingen einen 28-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Das bestätigte das Polizeipräsidium Reutlingen auf GEA-Anfrage.

Details zur Festnahme gibt es aktuell keine. Man sei über den Einsatz lediglich informiert worden, sagte Polizeipressesprecherin Andrea Kopp. Die Ermittlungen zu diesem Fall leitet die Generalbundesanwaltschaft. Um 12.30 Uhr wird sie in Karlsruhe über den aktuellen Stand informieren.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur liefen am Freitagmorgen Polizeiaktionen gegen insgesamt vier unterschiedliche Objekte in Baden-Württemberg. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach (Landkreis Calw). Der Einsatz in Rottenburg dauert noch an. Die Polizei sperrte ein Wohngebiet ab und durchsuchte ein Gebäude. Vor dem Haus, das in einer Sackgasse liegt, stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Nach GEA-Informationen wohnt in Rottenburg die Freundin des Festgenommenen.

Am Dienstag vergangener Woche hatten vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze am Mannschaftshotel gezündet, während der BVB-Bus vorbeifuhr. Dabei wurde der Abwehrspieler Marc Bartra in dem Fahrzeug von Splittern getroffen und schwer verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.

Laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft scheint der mutmaßliche Täter wohl auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt zu haben, um dadurch einen Millionengewinn einstreichen zu können. An islamistischen oder anderen extremistischen Hintergründen bestünden erhebliche Zweifel.

Der Verdächtige, der nach dpa-Informationen in Freudenstadt im Schwarzwald wohnt, sei ein 28-Jähriger mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit. Ihm wird von der Bundesanwaltschaft versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April – dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus – 15.000 Verkaufsoptionen für 78.000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt. Der Beschuldigte habe die Papiere über einen am Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert, hieß es.

Der Käufer spekulierte laut GBA auf fallende Kurse – die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

Die BVB-Spieler waren kurz vor dem Anschlag mit ihrem Bus vom Mannschaftshotel zum Champions League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren. Die drei Sprengsätze waren in einer Hecke in der Nähe des Hotels versteckt. Das Spiel war dann wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.
Nach Informationen der »Bild«-Zeitung wohnte der Tatverdächtige in Baden-Württemberg. Er sei seit dem 13. April per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gesucht worden. Laut Generalbundesanwalt waren an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt.

Die Sprengsätze waren dem Generalbundesanwalt zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Sprengwirkung der mit Metallstiften bestückten Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen. Ein Metallstift sei noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden worden. Die Zündung sei nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung erfolgt. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.


 

Der Fall BVB: Wie funktioniert eine Verkaufs- oder Put-Option?

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sollte nach aktuellem Ermittlungsstand wohl einen Kursverlust der BVB-Aktie auslösen. Über Verkaufs- oder auch Put-Optionen habe der am Freitag in Baden-Württemberg Festgenommene hiervon profitieren wollen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Wie funktioniert dieses Konstrukt?

Im Grunde handelt es sich um eine Wette: Ein Investor spekuliert darauf, dass ein Kurs fällt, die andere Seite – oft eine Bank – hält dagegen und bekommt dafür eine kleine Prämie. Rutscht nun beispielsweise die BVB-Aktie tatsächlich unter den zwischen beiden Seiten vereinbarten Preis, kann der Investor die Differenz praktisch als Gewinn einstreichen.

Vor allem wenn der Kursrutsch schnell und heftig ausfällt, rechnet sich das für den Investor. Es winkt ihm die Chance, binnen kürzester Zeit seinen Kapitaleinsatz zu vervielfachen. Anders gesagt: Es lassen sich bei Optionsgeschäften mit vergleichsweise geringen Einsätzen große Summen verdienen. Die Details im Falle des BVB liegen allerdings noch im Dunkeln. (dpa/GEA)
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