Tübingen
Geschichte - Römisches Freilichtmuseum in Hechingen-Stein feiert dreißigsten Geburtstag mit zweitägigem Spektakel

Brot und Spiele zum Fest

HECHINGEN. Antike zum Anfassen: Im römischen Freilichtmuseum des Hechinger Ortsteil Stein wurde am Wochenende - wie alle zwei Jahre - wieder groß gefeiert. Zwei Tage lang bildeten die teilfreigelegten und rekonstruierten römischen Mauern die Kulisse zu einem Historien-Spektakel, das landesweit als einmalig gilt. Denn in Stein geht es nicht um billige Showeffekte, sondern um fundierte Experimentalarchäologie.

Tänzerinnen des Fördervereins präsentierten sich beim Museums-Römerfest in Stein als liebliche Göttinnen. 
GEA-FOTO: MEYER
Tänzerinnen des Fördervereins präsentierten sich beim Museums-Römerfest in Stein als liebliche Göttinnen. GEA-FOTO: MEYER
Dieses Mal war das Programm mit über hundert Akteuren besonders üppig: Der Förderverein der schon 1971 entdeckten Anlage feierte mit dem »Römerfest« sein dreißigstes Bestehen. Weit über zehntausend Besucher kamen aus dem ganzen Land angereist.

Echte Römer im Zeltlager

Einen besonderen Eindruck bei den Besuchern hinterließ der Aufmarsch von richtigen Römern: Mit gut vierzig Akteuren war die »Legio I Italica« aus Italien angereist. Die Truppe hatte ihr Zeltlager in voller Soldatenmontur in den Ruinen aufgeschlagen und gab viele Einblicke in den Alltag der Legion, deren Ausstattung und Bräuche.

Da die Veranstalter auch mehrere Kelten- und Alamannengruppen eingeladen hatten - darunter die historischen Kulturdarsteller der Tübinger »ASK« - blieb es nicht aus, dass es auf dem Gelände zu Reibereien kam, die sich schließlich in großen Schaukämpfen entluden.

Weniger heftig ging es bei den vielen Ständen zu, in denen die Gruppen der römischen und alamannischen Handwerker zeigten, wie in der Antike geschmiedet, Zinn- und Bronze gegossen, Geld geprägt oder gebacken und gekocht wurde.

Das große Interesse der Bevölkerung haben die Ehrenamtlichen um Fördervereinschef und Ruinen-Entdecker Gerd Schollian auch nötig: »Wegen des Wetters sind wir in dieser Saison bisher nicht aus den roten Zahlen herausgekommen.« Mit seinem Jahresetat von rund 150 000 Euro lebe der Verein von der Hand in den Mund. Der Großteil müsse fürs Personal aufgewendet werden, überdies werde ständig weiter gegraben.

Rätsel unter dem Waldboden

Noch sind der tatsächliche Umfang der wohl mehrere Hektar umfassenden Anlage und deren Bedeutung überhaupt nicht abzuschätzen. Ging man anfangs von einem üppig ausgestatteten Gutshof aus, gibt es nun Indizien, dass unter dem Waldboden vielleicht die seit Jahrhunderten vergeblich gesuchte Siedlung »Solicinium« liegen könnte. (GEA)
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