Treffen - Rund 150 Unternehmer tauschten sich gut gelaunt mit der Stadtverwaltung der Universitätsstadt aus

Boris Palmer: Kein Dieselfahrverbot in Tübingen

TÜBINGEN. Unter dem Motto »Wirtschaft trifft Kommune« tauschten sich rund 150 Unternehmerinnen und Unternehmer am Mittwochabend mit den Spitzen der Tübinger Stadtverwaltung aus. Die Stimmung war gut. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, Umsätze und Gewinne sind bei den meisten Firmen zufriedenstellend. Und die Tübinger Politik ist wirtschaftsfreundlich, so der Tenor.

Foto: Marcus Führer
Foto: Marcus Führer
Wirtschaftsförderer Thorsten Flink berichtete von einem Abendspaziergang durch Geschäfte, bei dem Kunden einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten. »Mit 40 Teilnehmern war das ein voller Erfolg, den wir wiederholen werden«, sagte Flink. Die Übernachtungszahlen seien 2017 im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Prozent gestiegen. Tübingen hatte mehr Gäste als je zuvor. Einige Einzelhändler wollen testweise Fahrradkuriere einsetzen, die den Kunden ihre Einkäufe nach Hause bringen.

»Tübingen ist eine wirtschaftsfreundliche Stadt«, sagte Hans-Ernst Maute, Vorsitzender des IHK-Gremiums Tübingen. Der von der IHK ermittelte Konjunkturindex stehe zu Jahresbeginn 2018 auf einem Rekordhoch. »Deutsche Produkte sind weltweit gefragt«, sagte Maute. »Amerika first« sei schön und gut, aber das lasse sich nicht »herbeidiktieren«. »Zwei Drittel unserer Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut«, sagte Maute. 41 Prozent erwarten, dass das aktuelle Jahr noch besser laufen wird als das vorangegangene.
»Der schwäbische Handwerker ist kein Pädagoge«
 

Sie alle eine die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen zeigte sich Maute eher skeptisch. Sie könnten oft wenig Deutsch, Fachkenntnisse fehlten. Man dürfe die Betriebe nicht überfordern. »Der schwäbische Handwerker ist kein Pädagoge«, sagte Maute.

Eine Umfrage unter den Unternehmen im Landkreis Tübingen habe ergeben, dass die meisten mit der Internet- und Stromversorgung zufrieden sind. Auch die Verkehrsanbindung und der Arbeitsmarkt seien gut. Als schlecht werden die Wohnungs- und die Parkplatzsituation in Tübingen empfunden. Bei den Parkplätzen relativierte Maute: »Das ist eine Bewertung aus dem Gefühl heraus.« In der jüngsten Diskussion um Parkplätze am Europaplatz hätte er sich gewünscht, die Stellungnahme der Wirtschaft früher zu berücksichtigen.

Auch wenn die Tübinger Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Boris Palmer »politisch brisante Themen schon mal durch ein übermüdetes Gremium winke« (gemeint war der Gemeinderat), sei die Wirtschaft insgesamt mit ihr zufrieden.

Ähnlich äußerte sich Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen. Demnach bewerten sieben von zehn Handwerkern ihre Auftragslage als gut und sehen optimistisch in die Zukunft. »Die hohe Auslastung bringt lange Wartezeiten für die Kunden mit sich«, erklärte Herrmann. Der »Fachkräftemangel« lasse sich nicht so schnell lösen.

Rund fünf Prozent der Ausbildungsplätze seien im vergangenen Jahr mit Flüchtlingen besetzt worden. »Größtes Hindernis sind die fehlenden Sprachkenntnisse«, sagte Herrmann. Obwohl viele schon lange da seien, hapere es da gewaltig. Erfreut zeigte er sich über den mit fast 15 Prozent hohen Anteil von Abiturienten, die einen Handwerksberuf erlernen. Nervig sei für Handwerksfirmen in Tübingen, wenn sie in der Altstadt arbeiten müssen. »Da kann man nicht mal schnell reinfahren und parken«, so Herrmann. Besorgt äußerte er sich zu einem möglichen Dieselfahrverbot: »95 Prozent der Handwerkerfahrzeuge sind Diesel.« Tübingens Oberbürgermeister Palmer nahm ihm diese Befürchtung. »Ein Dieselfahrverbot wird es bei uns nicht geben«, sagte Palmer. Die Luft sei in den vergangenen Jahren immer besser geworden.

Um die Ausbildungschancen für Flüchtlinge zu erhöhen, gibt die Stadt ab kommendem Herbst einen Zuschuss: Die Kommune trägt auf Antrag die Ausbildungsvergütung in den ersten sechs Monaten. Insgesamt, so Palmer, gelte es, Zukunftstechnologien anzusiedeln. Tübingen habe jüngst 10 Hektar Entwicklungsfläche für Gewerbe im Flächennutzungsplan hinzubekommen. Palmer plädierte außerdem für eine Vereinfachung der Grundsteuerberechnung.

Zu Parkplätzen zeigte er eine Analyse der Stadtwerke. Danach sind zu jeder Zeit, von Montag bis Sonntag, in Tübingen Parkplätze in allen Parkhäusern frei. »Wir sind keine Autofeinde«, sagte Palmer. Am Europaplatz entstünden, mit zwei Millionen Euro Zuschuss der Stadt, 80 Parkplätze, 50 fallen weg. 130 neue zu schaffen und somit 80 hinzuzugewinnen, hätte vier Millionen Euro an Zuschuss erfordert. Die hält der Oberbürgermeister für unnötig, zumal es in Tübingen erwiesenermaßen keine Parkplatznot gebe. (stb)



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