Asyl - Diskussion mit dem Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal über Chancen für Flüchtlinge auf Arbeitsmarkt

Auf der Suche nach konkreten Hilfen

VON NADINE NOWARA

KUSTERDINGEN-WANKHEIM. Zu einem guten Leben gehört nicht nur ein Dach über dem Kopf und ausreichend zu essen. Man muss auch die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Grünen-Landtagsabgeordneter Daniel Lede Abal (links) betonte im Gespräch mit Bürgern und Asylbewerbern, wie wichtig es für Flüchtlinge ist, Deutsch zu lernen.  FOTO: NOWARA
Grünen-Landtagsabgeordneter Daniel Lede Abal (links) betonte im Gespräch mit Bürgern und Asylbewerbern, wie wichtig es für Flüchtlinge ist, Deutsch zu lernen. FOTO: NOWARA
Daniel Lede Abal, integrationspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, war am Dienstagabend zu Gast im Gemeindehaus Wankheim. Die Flüchtlingshilfe Härten hatte zu einer Gesprächsrunde eingeladen, um über die Situation der Flüchtlinge insbesondere auf dem Arbeitsmarkt zu informieren und um konkrete Lösungen zu finden. Auch einige Betroffene waren gekommen. Mithilfe der englischen Sprache glückte die Kommunikation.

Keine passende Schule

Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ist kein Zuckerschlecken. Hier angekommen stoßen sie etwa auf etliche bürokratische Hürden. Alle Diskussionsteilnehmer sind sich darüber einig, dass es mehr zentrale Anlaufstellen geben müsste. »Es kann nicht sein, dass man alleine auf weiter Flur ist«, beschwert sich eine engagierte Wankheimerin, die versucht, einem 19-jährigen Syrer einen Schulabschluss zu ermöglichen. Seine mangelnden Deutschkenntnisse und der verworrene Dschungel des deutschen Schulsystems haben es bisher nicht ermöglicht, dass er eine geeignete Schule finden konnte. An der Sprachbarriere scheitert vieles. »Gute Deutschkenntnisse sind die Basis«, betont Lede Abal und motiviert die Flüchtlinge, den Erwerb der deutschen Sprache sehr ernst zu nehmen.

Bürokratische Hürden

Einige Arbeitgeber sind an diesem Abend gekommen, die ihren Beitrag zur Integration leisten wollen. Jedoch können sie in vielen Fällen Asylsuchenden nicht einfach ein Praktikum oder einen Job anbieten. »Ich würde das gerne machen. Aber alles, was ich hör, ist: ›Lass die Finger davon‹«, sagt eine Bürgerin. Die bürokratischen Hürden darf man nicht unterschätzen. Zum Beispiel muss berücksichtigt werden, dass Asylsuchende erst nach dreimonatiger Aufenthaltsdauer überhaupt eine Arbeit aufnehmen dürfen. Für die darauf folgenden zwölf Monate haben sie einen »nachrangigen Zugang« zum Arbeitsmarkt. Das heißt, dass Stellen offiziell ausgeschrieben werden müssen und erst nach den regulären Bewerbern ein Asylbewerber zum Zug kommen kann.

Aber auch Positives gibt es zu berichten. Die Neu-Wankheimer fühlen sich wohl im Dorf und betonen: »Die Leute sind nett und hilfsbereit.« Natürlich sind einige Hoffnungen noch nicht erfüllt worden. »Wir erhoffen uns bessere, sichere und legale Wege, um Asyl zu erreichen. Denn Kinder und ältere Menschen können die Strapazen einer Flucht oft nicht auf sich nehmen. Wir wünschen uns auch, dass unsere Familien bald nachziehen dürfen«, sagt einer.

Man darf hoffen, dass die Flüchtlinge bald Fuß im Kreis Tübingen fassen können. Auf den Härten gibt es nämlich viele engagierte Bürger, die sich um eine Integration bemühen.

Auch Ernst Binder ist seit 2013 in der Flüchtlingshilfe aktiv und äußert sich voller Begeisterung zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit: »Man bekommt sehr viel zurück und man lernt interessante Menschen kennen.« Unter www.fluechtlingshilfe-haerten.de kann man sich über aktuelle Veranstaltungen informieren und vielleicht auch Ideen entwickeln, wie man sich selber engagieren kann. (GEA)



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