LEUTE - Neil Fox aus Gomaringen spielt detailgetreu historische Schlachten mit Zinnfiguren nach

Zinnsoldaten: Armeen im Werkzeugkoffer

Von Irmgard Walderich

GOMARINGEN. Neil Fox macht von seinem Hobby nicht viel Aufhebens. Dabei lagern in seinem Keller in Gomaringen ganze Armeen. Fein säuberlich sortiert in kleinen Holzkisten. Viel Fußvolk bei den Germanen, Elefanten für Hannibal. Eine ganze Armee hat Platz im blauen Werkzeugkoffer. Kein Wunder, die Figuren sind nur 15 Millimeter groß, dafür aber liebevoll und detailgetreu bemalt.

Klein, aber detailgetreu: Das mongolische Lager ist eine von vielen Figuren, mit denen Neil Fox Schlachten nachspielt. GEA-FOTO: IWA
Klein, aber detailgetreu: Das mongolische Lager ist eine von vielen Figuren, mit denen Neil Fox Schlachten nachspielt. FOTO: Irmgard Walderich
In Deutschland gibt es nur wenige, die in ihrer Freizeit zu Zinnsoldaten greifen. Aber in England, dem Heimatland von Neil Fox, hat das Spiel mit kleinen Armeen Tradition. Dabei waren es die Preußen, die das Kriegsspiel für die Schulung ihrer Offiziere erfanden, berichtet Fox. Die Engländer haben es zu einem Hobby gemacht.

Ägypter und Trojaner

Der Physiker Fox ist alles andere als militant. Ihn interessiert die Logik und die Geschichte hinter den Schlachten. Vergleichbar dem Schachspiel. »Jedes Volk hat eine andere Strategie«, erzählt Fox. Ein typischer Mongolentrick sei beispielsweise die vorgetäuschte Flucht.

Dass Fox in Deutschland mit seinem Hobby immer mal wieder aneckt, ist ihm klar. Hierzulande sind Kriegsspiele verpönt. Als ihn aber ein Freund aus dem Schützenverein kritisch auf sein Hobby ansprach, wurde er stutzig. »Momentmal, Du schießt mit Waffen und ich schieb hier nur Zinnfiguren über den Tisch«, hat er ihm irritiert geantwortet.

Fast lebensecht erscheinen die kleinen Figuren bei näherer Betrachtung. Ausgestattet mit kleinen Lagern, Zelten, Waffen. Eine Kiste nach der anderen zieht Fox aus dem Regal im Keller. Schon als Kind hat er mit Zinnfiguren gespielt. In einer Bibliothek fand er Spielregeln.

Angefangen hat der Gomaringer mit Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg. Armeen aus dieser Zeit interessieren ihn mittlerweile nicht mehr. Fox ist im Mittelalter und der Antike angekommen. Momentan beschäftigt er sich vor allem mit den Trojanern und den alten Ägyptern. Sein nächster Plan ist, die Schlacht von Kadesch nachzuspielen. Der Kampf der Ägypter gegen die Hethiter um die Stadt Kadesch ging unentschieden aus. Pharao Ramses II. verstand schon viel von Propaganda und verkaufte damals das Patt als Erfolg.

Über 5 000 Figuren hat Neil Fox mittlerweile zusammen. Er kauft sie als Rohlinge und malt sie dann originalgetreu an. An der handwerklichen Filigran-Arbeit hat er zunehmend Gefallen gefunden. »Das hat mich zuerst nicht interessiert, mittlerweile finde ich es entspannend.«

Wenn der Gomaringer spielen will, trifft er sich mit den sechs, sieben Menschen aus der größeren Umgebung, die derselben Leidenschaft frönen. Ein Spiel geht dann in der Regel drei Stunden. Für größere Wettbewerbe geht er auf Reisen: Dieses Frühjahr hat er mit seinem vierköpfigen Team »Barbarossa« in Mailand bei einem Internationalen Wettbewerb den zweiten Platz errungen. Insgesamt 20 Mannschaften traten an, darunter Mitspieler aus Irland, Frankreich und Hongkong. Zwei Tage lang spielten die Teams gegeneinander. Gesiegt hat am Ende die italienische Gruppe.

Für die einzelnen Spiele gibt es dicke Regelbücher. Sie ähneln eher Geschichtswerken als Spiele-Anleitungen. In den sogenannten »Table-Tops« sollen die Schlachten möglichst realistisch nachgespielt werden. Neil Fox hat auf diese Weise viel über Geschichte gelernt. Denn bevor er eine Schlacht nachspielt, vertieft er sich ausgiebig in die Historie. Ein Spiel mit Lerneffekt also? Auf jeden Fall. Und alles andere als »ein total närrisches Hobby«, wie es Fox gerne schmunzelnd bezeichnet. (GEA)



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