Katastrophenmedizin - Tübinger Institution baut auf dem Fundament der Stiftung ihre weltweite Hilfe aus
Armbanduhr kann Leben retten
Von Ingeborg Kunze
TÜBINGEN. Cholera wütet auf Haiti. Ärzte der Tübinger Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, dem einzigen in Deutschland, sind im Einsatz, um den Menschen zu helfen, so weit ihre Möglichkeiten reichen in der sich weiter ausbreitenden Epidemie.
Der Tübinger Chirurg und Initiator des Hilfs-Unternehmens, Professor Bernd Domres, in diesem Sommer im humanitären Einsatz auf Haiti mit einem der Kinder, denen das siebenköpfige Team der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in der freien Zeit Fußballtore gebaut hat. FOTO: SKM
Drei medizinische Kräfte haben sich mit der Partnerorganisation »Humedica« und einem mobilen Gesundheitszentrum erneut ins Geschehen eingeschaltet in den Armenvierteln der Hauptstadt Port-au-Prince, aus der erst vor wenigen Tagen Dr. Tobias Kees zurückgekehrt ist, einer der beiden Geschäftsführer der Tübinger Stiftung.
Für den Einsatz auf Haiti hat die Stiftung ein Spendenkonto mit dem Stichwort »Cholera« eingerichtet. Hier sammelt sie insgesamt Geld, um weltweit Menschen in Not helfen zu können.
Geld hilft
Mit Appellen wie »Ihre Armbanduhr kann Leben retten! Ihr Klavier kann helfen, Schmerzen zu lindern! Ihr Fahrrad kann helfen, Hoffnung zu geben!« haben die Stiftung und das angeschlossene humanitäre Netzwerk »you-manity« eine neue intelligente Finanzierungs-Initiative gestartet, die jetzt anläuft: Ein Team der Tübinger Institution verkauft Sachspenden, im Internet bei e-Bay.
Der Gewinn fließt zu hundert Prozent in ausgewählte Projekte der Katastrophenmedizin und der humanitären Hilfe«, sagt Geschäftsführer Peter Braitmaier, der schon zu Beginn dieses Jahres nach dem Erdbeben als Arzt auf Haiti gearbeitet hat und weist auf das Einfachst-Verfahren hin: Anruf genügt. Das Spendenteam holt ab und verkauft. Der Spender bekommt eine steuerwirksame Spendenquittung und den Dank der Katastrophenmediziner: »Sie haben ohne Aufwand geholfen.«
Das Team im neuen Büro in Kilchberg arbeitet zeitgemäß, lässt den Einsatz der Katastrophenmediziner über ein Internet-Tagebuch verfolgen auf der Homepage der Stiftung und bei Facebook. Damit jeder nachvollziehen kann, um was es hier geht: Menschen helfen Menschen.
Die Idee zur Gründung des Instituts und der Stiftung hatte vor zwanzig Jahren der Tübinger Chirurg Professor Bernd Domres. Seit fünf Jahren gibt es das Institut, seit 2010 die Stiftung. Der Arzt ist seit den frühen Achtzigerjahren neben seiner Tübinger Klinik-Aufgabe an Katastrophen-Brennpunkten tätig, im August nach den schweren Überschwemmungen auch im Nordwesten Pakistans. Mit dabei war auch Ferdinand Hofer. Für den 23-jährigen Medizinstudenten und Rettungssanitäter war es der erste Auslandseinsatz. Er ist eines der Gründungsmitglieder von »you-manity«.
Diese jüngste Initiative der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, im Oktober 2009 in Tübingen perfekt gemacht, soll als Netzwerk für humanitäre Hilfe Interessierte zusammenführen, weiterbilden und Projekte realisieren. Das Ziel der Stiftung: In allen Uni-Städten Deutschlands eine Gruppe. In Berlin, Hamburg und Bochum gibt es sie bereits.
Haiti heißt für alle Helfer: harte Arbeit. Die Tübinger Stiftung mit sechzig bis siebzig zur Mitwirkung bereiten Notärzten agiert zusammen mit dem Partner »Humedica«, der auf tausend Leute zurückgreifen kann. Für Haiti hat die Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenschutz einen Pool mit 15 Qualifizierten gebildet.
Damit solche humanitäre Hilfe weltweit greifen kann, organisiert und koordiniert die Stiftung auch Aus- und Weiterbildung von medizinischem und nichtmedizinischem Personal. (GEA)
Katastrophenmedizin
Die Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in Tübingen, als gemeinnützige GmbH 2010 gegründet, braucht sie Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit. Spendenkonto: 4848 Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart, BLZ 601 205 00. (GEA)
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