Prozess - Ein Jahr Haft auf Bewährung wegen Beihilfe zum Drogenhandel im großen Stil für 20-jährigen Mössinger

Mössinger verurteilt wegen Beihilfe zum Drogenhandel

VON ANDREAS STRAUB

TÜBINGEN/MÖSSINGEN. Der Angeklagte blieb seiner Linie während des gesamten Verfahrens und während der gestrigen Gerichtsverhandlung treu: Er schwieg.

FOTO: dpa
Das Urteil von einem Jahr Haft auf Bewährung plus 50 Stunden soziale Arbeit wurde gleich rechtskräftig, da alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichteten. Für den Mössinger bedeutete das zunächst Freiheit. Denn der 20-Jährige saß bereits seit dem 3. September des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg.

Vorgeworfen wurde ihm, eine vierköpfige Bande von Drogendealern unterstützt zu haben. Sie sollen im großen Stil vor allem mit Marihuana gehandelt haben. Drei Dealer sitzen in Untersuchungshaft, darunter der Bruder des wegen Beihilfe angeklagten Mössingers, einer ist noch auf der Flucht.

Im Prozess sagten mehrere Ermittler in dem Fall aus. Demnach erhielt die Polizei im Februar 2017 erste Hinweise, dass gut befreundete Türsteher des Tübinger Clubs Schwarzes Schaf groß im Drogengeschäft sein könnten. Kiloweise Marihuana in hoher Qualität sollen sie regelmäßig in Reisekoffern von einem Lieferanten aus Köln erhalten haben. In 500-Gramm-Einheiten wiederum sollen die Türsteher die Drogen weiter verkauft haben.
»Die Schuhe und die Waage runterwerfen«
 

Der in Nehren wohnhafte Bruder des Angeklagten lagerte die Ware und wohl auch größere Geldbeträge lange Zeit bei seiner Freundin in Mössingen. Dort waren einige der Abnehmer. Nach der Trennung des Paares kam der 20-jährige Mössinger ins Spiel. Das zeigten Telefon- und Handyüberwachungen der Ermittler.

So fingen sie Nachrichten ab, der Angeklagte solle »die Sachen« abholen und ein andermal »die Schuhe und die Waage runterwerfen«. Dass der Angeklagte beim Verpacken half, konnte die Polizei ihm nicht nachweisen. Es gab keine Fingerabdrücke auf den bei einer Durchsuchung sichergestellten Plastikverpackungen. Finanziell habe der 20-Jährige auch nicht profitiert. Als er sich einmal Geld aus der Drogen-Kasse nahm, fragte er seinen Bruder um Erlaubnis. Es waren zehn Euro für Zigaretten, die er sogar wieder zurücklegen wollte. Beim Zugriff der Ermittler, der bei einer Übergabe zwischen Hochhäusern im Tübinger Waldhäuser-Ost erfolgte, war er nicht dabei.

Jugendgerichtshelfer Klaus Hasenmaier kennt den Angeklagten schon seit vielen Jahren. Er zeichnet das Bild eines antriebsarmen, verschlossenen Jungen, der schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Nach einem Förderschulabschluss sei dem Angeklagten keine Ausbildung gelungen, auch Kindheit und Jugend seien von Misserfolgen und Abbrüchen geprägt gewesen. Er sprach sich wegen der langsamen Entwicklung dafür aus, das Jugendstrafrecht anzuwenden.
»Der Angeklagte hat in erheblichem Umfang Hilfe geleistet«
 

Staatsanwalt Nikolaus Wegele war überzeugt, dass der Angeklagte mitgeholfen hat beim Drogenhandel und Kenntnis von der Dimension hatte. Er sprach sich ebenfalls für eine Jugendstrafe aus und forderte ein Jahr Haft, zur Bewährung ausgesetzt. Für Rechtsanwalt Holger Böltz war vieles nicht eindeutig. Klar sei nur, dass sein Mandant die Wohnung »dem großen Bruder« zur Verfügung gestellt hat. Wie stark er involviert gewesen sei, könne nicht nachgewiesen werden. Einen Freispruch forderte Böltz allerdings nicht.

»Der Angeklagte hat in erheblichem Umfang Hilfe geleistet«, verkündete Richter Benjamin Meyer-Kuschmierz die Einschätzung des Gerichts. Der Mössinger habe zwar nur eine Randrolle gespielt, aber vom Umfang der Drogengeschäfte und dem Zuschnitt der Bande gewusst. Wenngleich an manchen einzelnen Punkten Zweifel möglich seien, das Gesamtbild sei eindeutig. (GEA)

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