Schule - Mössinger Firstwaldgymnasium will eine Außenstelle auf den Härten einrichten. 430 Gymnasiasten pendeln derzeit täglich aus, Tendenz steigend

Abitur in Kusterdingen

VON INES STÖHR

KUSTERDINGEN. Vorbei die Zeiten, da Härtenschülern die Aufnahme an Gymnasien auf dem Höhnisch und in Tübingen verweigert wurde. Vorbei die langen Fahrtzeiten: Jugendliche der Gesamtgemeinde Kusterdingen sollen ein eigenes Gymnasium bekommen. »Und zwar nicht irgendein Gymnasium«, präzisiert Bürgermeister Jürgen Soltau im Pressegespräch, »sondern eines der besten in Deutschland.« Das kürzlich erst mit einem Schulpreis ausgezeichnete Mössinger Firstwaldgymnasium will zwei Außenklassen in Kusterdingen einrichten.

430 Schüler verlassen jeden Tag Kusterdingen und seine Teilorte, um ein Gymnasium zu besuchen. »Das ist ein richtiger Exodus«, so Soltau, dessen älteste Tochter im Herbst ebenfalls nach Tübingen fahren muss. Das mache auch den Vereinen die Nachwuchsarbeit schwer. Mit einem Gymnasium auf den Härten könnten sie dagegen sogar das Nachmittagsangebot ergänzen. Alle weiterführenden Schulen am Ort zu haben, sei zudem ein wichtiger Standortfaktor. Auf die Flächengemeinde mit fünf Ortschaften wirke ein Gymnasium außerdem verbindend, ist der Bürgermeister überzeugt. »Das wäre eine tolle Möglichkeit der Integration. Und für die Gemeinde ein Quantensprung nach vorne.«

Vor etwa einem Jahr habe sich die Verwaltung gerade auch im Zusammenhang mit den Plänen für eine Werkrealschule Gedanken über den Schulstandort Kusterdingen gemacht und kam zu dem Schluss, ein Gymnasium auf die Härten zu holen. »Es musste eine freie Schule sein, und da kam nur das Firstwald in Frage«, erläutert Soltau. Gemeinsam mit Hauptamtsleiterin Christine Falkenberg habe er daraufhin den Träger, die Schulstiftung der evangelischen Landeskirche, besucht, mit dem Oberkirchenrat gesprochen und sich mit der Leitung des Firstwaldgymnasiums zusammengesetzt.

Die Konzeption in Mössingen sei abgeschlossen, erklärte Helmut Dreher, Rektor des Firstwaldgymnasiums. Daher sei man nun »offen für neue Wege. Die Außenklassen in Kusterdingen bieten die Möglichkeit, innovativ weiterzudenken«. Sein Lehrerkollegium sei begeistert von den Plänen und habe schon eine Arbeitsgruppe gebildet, die Ideen sammelt. Auch Michael Sohn, pädagogischer Geschäftsführer des Trägers, sieht in dem Vorhaben die Chance, »an einem neuen Ort Dinge zu wagen und auszuprobieren«.

»Was mich beeindruckt und persönlich motiviert hat, das Ganze anzugehen, war die Reaktion des Kusterdinger Gemeinderats«, sagt Dreher. Der habe sich kritisch mit der Idee auseinandergesetzt und sich dann einstimmig dafür ausgesprochen. Nun müssten noch einige finanzielle Hürden genommen werden, »die nicht ganz ohne sind. Aber mit der Motivation kriegen wir das hin.«

Sobald das finanzielle Konzept steht und vom Gemeinderat abgesegnet ist, werden Fragen nach der Größe der neuen Schule, nach Klassenstufen, Standort und Architektur geklärt. Unterrichtsstart für die erste fünfte Gymnasialklasse in Kusterdingen könnte dann zum Schuljahr 2011/2012 sein. (GEA)



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