Festival - Am Freitag und Samstag, 30. und 31. Juli, gibt es in Mössingen bei Umsonst & Draußen Live-Musik satt
15 Bands - und der Musikverein
VON RALF EBER
MÖSSINGEN. Ein kopfüber an die Decke gepinnter Regenponcho symbolisiert den einzigen Faktor, den die Organisatoren des Umsonst und Draußen-Festivals nicht beeinflussen können. Im Sitzungszimmer im Mössinger Jugendhaus »M« hängt das Plastikgewand schlapp herum, und dem gesamten Team ist anzumerken, dass es auf die Benutzung dieser Überzieher gerne verzichten würde. Noch wenige Tage bis zum großen U & D-Festival 2010, und die letzte große »Orgateam-Sitzung« am Samstag begann mit einer Pressekonferenz.
Für Fans eine Form, sich über die Bekleidung zur Mössinger U & D-Familie zu bekennen: Niklas Tholen, Drummer bei Decharge und Mitorganisator des U & D (links), und Sebastian Brumm präsentieren das neue T-Shirt zum Festival. FOTO: EBER
Noch kann sich das Mössinger U & D, was die Besucherzahlen angeht, nicht mit dem Heavy-Metal-Großereignis »Wacken Open Air« messen. Aber eine Blaskapelle als Kontrapunkt im Line-Up haben die Leute um Tim Steinhoff und Sebastian Brumm auch gefunden. Die Blaskapelle des Musikvereins Mössingen steht nun schon zum zweiten Mal auf dem Programm, nachdem der Auftritt 2009 gut angekommen war. Dieses Jahr aber hat man darauf geachtet, den Übergang zu den weiteren Musikstilen gefälliger zu gestalten: Die Metalband, die vergangenes Jahr am Samstag als zweite spielte, fegte förmlich, so erinnert man sich, die älteren Besucher gleich wieder vom Platz.
Über Spenden höchst erfreut
Der Veranstalter, der Verein Monokultur, wird auch in diesem Jahr wieder von mehreren Organisationen und Institutionen unterstützt, worüber sich nicht nur Tim Steinhoff freute. So stellt etwa die Kommune Mitarbeiter und Fahrzeuge zur Verfügung, und das Jugendforum Obere Steinlach kümmert sich um logistische Dinge wie etwa das Backstage-Zelt und die nötigen Kochtöpfe. Die chronisch klamme Kasse besserte eine großzügige Spende der Reinhold-Beitlich-Stiftung der Tübinger CHT-Unternehmensgruppe deutlich auf.
Aber auch über viele kleine Geldspenden freuten sich die Festivalmacher, wie Sebastian Brumm betonte. »Wir wollen weniger vom Getränkeumsatz abhängig sein«, betonte Brumm. Rund 80 Prozent der Einnahmen gingen 2009 auf den Verkauf von Bier und Sprudel zurück.
Ähnlich schleppend wie die Sponsorenfindung verlief auch, so war zu erfahren, die Personalgewinnung. 50 bis 60 Helferschichten, so Sebastian Brumm, sind noch nicht besetzt. Helfer werden daher noch immer dringend gesucht. Mit dem Mössinger Brauhaus Fischer haben die U & D-Planer dieses Jahr einen neuen Getränkepartner gefunden. Das lokale Traditionshaus hatte eine Ausschreibung gewonnen und dabei nicht nur mit finanziellen Argumenten gepunktet, sondern auch mit der örtlichen Nähe und den damit verbundenen Zeitvorteilen.
Als Headliner am Freitag ist die Stuttgarter Ska-Band »Nu Sports« gebucht, die erst kürzlich beim Ract-Festival in Tübingen aufgetreten ist. Bevor die achtköpfige Band zu ihrer großen Japantournee aufbricht, haben sie noch das Konzert in Mössingen eingeschoben. Die Fans dürfen sich auf neue Interpretationen eigener Stücke ebenso freuen wie auf Cover-Versionen von Hits aus New Wave, Punk und Country.
Lokale Bands präsentieren sich
Highspeed Rock'n'Roll ist das Markenzeichen der Hauptband am Samstag, der V8 Wankers aus Offenbach am Main. Die Rocker sind immerhin schon mit Größen wie Rose Tattoo und Motörhead aufgetreten und versprechen garantiert einen musikalischen Höhepunkt des diesjährigen U & D. Auf amerikanische Straßenkreuzer und leichtbekleidete Models wie auf den Plattencovern werden die Zuschauer in Mössingen wohl verzichten müssen, aber Lutz Vegas und die anderen Wankers machen mit ihren Ganzkörpertätowierungen auch selbst ganz schön was her. Nach Plan beginnt am Samstag um 23.10 Uhr der Auftritt der V8 Wankers.
Gelegenheit sich zu präsentieren bietet das U & D Mössingen immer auch für lokale Bands, nach ihrem Proberaum »Güterschuppenbands« benannte Kapellen wie Spit Blood und die Progressiv-Death-Metal-Band Decharge, wo Mitorganisator Niklas Tholen das Schlagzeug bedient. Leider nicht zustande kommt die angedachte Übertragung im Programm der Tübinger »Wüsten Welle«. Es ist nicht gelungen, eine belastbare Internet-Verbindung zum Festivalgelände am Hegwiesensportplatz herzustellen. Für viele Gäste ist aber gerade das Live-Erlebnis ein Grund fürs Kommen. (GEA)