Forschung - Nach Kritik im Landtag und bei Festakt: Tübinger Institute verteidigen ihre Arbeitsweise. Kommission muss Anträge prüfen und genehmigen

»Tier-Versuche sind notwendig«

TÜBINGEN. Forschungs-Institute in Tübingen wehren sich gegen den Vorwurf, unsinnige Versuche mit Affen zu unternehmen und »reine Neugier-Forschung« zu betreiben. Die Versuche seien notwendig und nicht durch andere Maßnahmen zu ersetzen, betonte ein Sprecher der Uni.

Die Fraktion der Grünen im Landtag hatte am Dienstag kritisiert, Rhesus-Affen würden bei Versuchen sinnlos gequält (wir berichteten). Der Tierschutz-Experte der Fraktion, Reinhold Pix sprach von »Folter an Affen« und nannte das Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, das Institut für Zoologie (die beide zur Uni gehören) und das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik.

Die Uni betonte, sie unterstütze die »verantwortungsvolle Forschung an nichthumanen Primaten«. Alle Versuche würden von der Tierversuchskommission sorgfältig geprüft und von der zuständigen Behörde genehmigt.

Die neurobiologische Forschung an Rhesusaffen stelle einen wichtigen Pfeiler der biomedizinischen Forschung dar. Solche Experimente würden auch an anderen Standorten in Deutschland vorgenommen. Sie kämen dem Menschen zugute. Das zeige etwa das Rhesusfaktor-System des Blutes, das seinen Namen aufgrund seiner Entdeckung an Rhesusaffen trägt. Das Wissen um die Unverträglichkeitsreaktion zwischen den Rhesusfaktoren habe Millionen von Neugeborenen schwere Schädigungen oder gar den Tod erspart.

Zudem setzte die Behandlung von Erkrankungen der Sinnessysteme sowie psychiatrischen und neurologischen Krankheiten Erkenntnisse über die Arbeitsweise des gesunden Gehirns auf der Ebene von Nervenzellen voraus. Diese Erkenntnisse seien nur in Tierversuchen zu gewinnen. Deshalb seien sie ethisch vertretbar und notwendig.

Nach Angaben der Uni Tübingen sind alternative Methoden wertvoll und werden womöglich eingesetzt und weiter entwickelt. »Allerdings können Tierversuche beim jetzigen Stand der Wissenschaft nicht vollständig ersetzt werden.«

Bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Hertie-Instituts in Tübingen hatten Tierschützer im Festsaal ein Transparent entrollt und Flugblätter verteilt. Sie glauben, dass die in Tübingen gewonnenen Erkenntnisse aus der Tier-Forschung nicht auf den Menschen übertragbar sind und fordern einen Stopp der Versuche. (dpa/GEA)



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