Tübingen
Austausch - Seit 30 Jahren besuchen sich Schüler der Maria-Sibylla-Merian-Realschule und Jugendliche aus dem französischen Arcis-sur-Aube. Das wurde gestern gefeiert

»Lang lebe die Freundschaft«

Von Ines Stöhr

DUSSLINGEN/ GOMARINGEN/ NEHREN. Glückwunschkarten mit Luftballons in den Farben beider Länder stiegen am Ende des Festes in den blauen Himmel. Vor 30 Jahren kamen die ersten Austauschschüler des französischen Collège de la Voie Châtelaine in Arcis-sur-Aube an die Dußlinger Maria-Sibylla-Merian Realschule. Das wurde auf dem Höhnisch groß gefeiert.

Luftballons mit Glückwunschkarten ließen die deutschen und französischen Schüler gemeinsam in den Himmel steigen. GEA-FOTO: STÖHR
Luftballons mit Glückwunschkarten ließen die deutschen und französischen Schüler gemeinsam in den Himmel steigen. GEA-FOTO: STÖHR FOTO: Ines Stöhr
Mit einem Kanon auf die Freundschaft umrahmten die am aktuellen Austausch beteiligten Schüler die Feier, zu der auch etliche Ehemalige gekommen waren. Rektor Michael Schönfeld freute sich besonders über Robert Piat, den ehemaligen Bürgermeister von Arcis und Gründer der Partnerschaft zwischen der Stadt in der Champagne und Gomaringen. Aus dieser Verbindung ging auch der Schüleraustausch hervor. Der inzwischen 88-Jährige betonte, wie wichtig der Austausch für beide Seiten sei.

Eine lebendige Begleitung des Projekts bescheinigte Schönfeld der Französischlehrerin Agnete Bauer-Ratzel und ihrer französischen Kollegin Julie Benketira. Als Tourist könne man ein Land ganz gut kennenlernen, sagte er. Aber die Schüler haben die Möglichkeit, in Familien zu erfahren, wie die Menschen sind. Das ist ein wichtiger Baustein der Verständigung, so Schönfeld, der auf Französisch mit einem »Lang lebe unsere Freundschaft« schloss, ein Satz, den er für den Anlass auswendig gelernt habe.



»Mir fallen sofort etliche Episoden und Anekdoten zu den Anfängen ein«, sagte Jürgen Wissenbach, erster Rektor der Realschule. So erinnere er sich noch gut an den Brief des französischen Kollegen, der die erste Schülergruppe begleitete. Die Anrede »Werter Herr Wissenbach« ließ ihn einen um die 60 Jahre alten Mann vermuten. Zu seiner Überraschung war der aber erst 28. Beim Gegenbesuch wurden die deutschen Schüler nach einer Besichtigung der Champagner-Kellerei und einem Probeschluck so mutig, dass sie die Lehrer auf der Rückfahrt plötzlich beim Vornamen nannten, schmunzelte Wissenbach. Alle Teilnehmer haben vom Austausch profitiert, ist er überzeugt. Vor allem in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. »Einige Gastfamilien halten bis heute Kontakt.«

Auf dem Schulhof stellte Kunstlehrerin Irmgard Birk-Orth die Säulen der Freundschaft vor, ein gemeinsames Projekt der französischen und deutschen Schüler. Mit Acrylfarben hatten sie diese Woche Holzlatten in den Farben beider Länder bemalt. Neben den Städtenamen entstanden Ornamente, »die nie eindeutig deutsch oder französisch sind«, so Birk-Orth. »Auch mit Kunst kann man Grenzen im Kopf überwinden.« (GEA)



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