Ausbildung - Tagesmütter erhalten Zertifikat. Vereinfachte Abrechnungsmethode lässt mehr Zeit fürs Kind

»Kein Tag ist wie der andere«

VON BIRGIT JASCHKE

KREIS TÜBINGEN. Nach 160 Unterrichtseinheiten vorerst am Ziel: 13 Frauen und ein Mann erhielten jetzt die Zertifikate ihrer Ausbildung in der Kindertagespflege. Die Übergabe fand in einer Feierstunde im Tübinger Tageselternverein statt.

Expertinnen unter sich (von links): Die Tagesmütter Raphaela Grauer (Gomaringen), Iris Abel (Mössingen-Belsen) und Sandra Stohr (Kirchentellinsfurt) im Gespräch mit Sozialpädagogin Annette Geist, Geschäftsführerin des Tageselternvereins.  FOTO: BIRGIT JASCHKE
Expertinnen unter sich (von links): Die Tagesmütter Raphaela Grauer (Gomaringen), Iris Abel (Mössingen-Belsen) und Sandra Stohr (Kirchentellinsfurt) im Gespräch mit Sozialpädagogin Annette Geist, Geschäftsführerin des Tageselternvereins. FOTO: BIRGIT JASCHKE
Neben der Begeisterung für den Beruf wurde an diesem Abend auch darüber geredet, wie die Tagesmütter das veränderte Abrechnungssystem einschätzen.

Jeden Monat ein festes und verlässliches Einkommen, statt jede Betreuungsstunde einzeln unterschreiben lassen zu müssen: Durch ein vereinfachtes Verfahren können Jugendamt, Eltern und Tagesmütter seit Kurzem unkomplizierter als bisher miteinander abrechnen (der GEA berichtete).

»Die neue Methode erleichtert unsere Arbeit, indem sie vor allem den Verwaltungsaufwand reduziert«, freut sich Iris Abel. Die 41-Jährige aus Mössingen-Belsen ist mit Leib und Seele Tagesmutter. Durch die vereinfachte Abrechnung könne sie sich dem Wesentlichen – der Betreuung der Tageskinder – noch besser widmen. »Situationen wie Krankheit oder Urlaub sind nun auch besser abgedeckt«, ergänzt Sozialpädagogin Annette Geist, Geschäftsführerin des Tageselternvereins. »Zudem können die Tagesmütter etwaige Abweichungen vom vereinbarten Betreuungsauftrag einfacher dokumentieren als bisher.«

»Eine gewisse Ruhe ist sehr hilfreich«
 

Wer Tagesmutter werden will, muss zunächst eine Informationsveranstaltung besuchen. Das Mindestalter beträgt theoretisch 18 Jahre, jedoch sind die jüngsten Teilnehmer in der Regel Anfang bis Mitte 20. Nach dem absolvierten Basiskurs sowie einem Hausbesuch und der bestandenen Eignungsprüfung steht den restlichen der insgesamt 160 Unterrichtseinheiten nichts mehr im Wege.

Aktuell sind circa 150 Tagesmütter und etwa 50 Kinderfrauen in der Stadt und im Kreis Tübingen tätig. Sie betreuten Ende des vergangenen Jahres 600 Kinder. »Bedarf an neuen Tagesmüttern gibt es ständig«, berichtet Annette Geist. »Mitbringen sollte man unter anderem die Bereitschaft zur ständigen Fort- und Weiterbildung sowie idealerweise auf der Suche nach einer längerfristigen Beschäftigung sein.« Wer sich für die Ausbildung interessiert, kann sich über das nötige Vorgehen auf der Website des Tageselternvereins informieren.

»Man sollte als Tagesmutter viel Freude an Kindern mitbringen«, weiß die Gomaringerin Raphaela Grauer aus eigener Erfahrung. »Kreativität und eine gewisse Ruhe sind ebenfalls sehr hilfreich«, rät sie. Die Gelegenheit, Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können, gefällt der 29-Jährigen dabei besonders gut. Der Tageselternverein gibt ihr bei ihrer Tätigkeit als zuverlässiger Ansprechpartner nach eigener Aussage Rückhalt, Sicherheit und Vertrauen.

»Es ist eine unheimlich lebendige Arbeit«
 

»Kein Tag ist wie der andere«, beschreibt Iris Abel ihre Begeisterung für den Beruf. »Es ist eine unheimlich lebendige Arbeit.« Besonders schön sei es, wenn sie mitbekommt, wie die Kinder auch voneinander lernen und sich gegenseitig Dinge erklären. »Man bekommt als Tagesmutter den Impuls sich mit verschiedenen Erziehungsstilen auseinanderzusetzen und lernt auch selbst viel Neues dazu«, so Abel. »Aber man sollte sich auch im Klaren darüber sein, das Tagesmutter sein nichts ist, was mich mal eben so nebenbei erledigen lässt, während man den eigenen Haushalt macht«, erklärt die gelernte Kinderkrankenschwester Sandra Stohr aus Kirchentellinsfurt, die ihre sechs Wochen alte Tochter im Gepäck hatte.

Menschen mit Interesse an einer Tätigkeit in der Kindertagespflege sollten, so die 39-Jährige, die Fähigkeit haben, sich zu organisieren, ebenso wichtig sei eine »gesunde Portion Idealismus«. Den Anstoß dazu, Tagesmutter zu werden, erhielt sie selbst durch den Tageselternverein. An ihrer Tätigkeit schätzt sie ähnlich wie Raphaela Grauer die Möglichkeit Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. (GEA)

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