Tübingen
Event - Ein Sternekoch und ein Jazzpianist begeistern ihr Publikum mit musikalischen Lesungen

»Der Spaß-Faktor ist entscheidend«

Von Joachim Kreibich

KUSTERDINGEN. Der eine ist Sterne koch, »schwer jazz-infiziert« und dazu erfolgreicher Buch-Autor. Der andere ist hochkarätiger Jazzpianist mit einem Faible fürs Kochen. Das passt, haben sich Vincent Klink und Patrick Bebelaar vor gut zwei Jahren gesagt und nach einem Testlauf beschlossen, gemeinsam mit musikalischen Lesungen aufzutreten.

Zwei, die gerne improvisieren: Patrick Bebelaar (am Flügel) und Vincent Klink. FOTO: PR
Zwei, die gerne improvisieren: Patrick Bebelaar (am Flügel) und Vincent Klink. FOTO: PR
Erster Schritt war ein Zusammentreffen im »Schirm« in Kirchentellinsfurt. Dort präsentierte der New Yorker Autor und Koch Bill Buford sein Buch »Hitze«. Vincent Klink und der Tübinger Wirt Bruno Gallo kümmerten sich ums Essen. Patrick Bebelaar machte Musik.

»Vincent und ich haben uns schon vor einem Dutzend Jahren kennengelernt, als in Stuttgart der Verein Musicians Network gegründet wurde«, erinnert sich der Pianist. In Kirchentellinsfurt wurden Erinnerungen aufgefrischt. Bebelaar übernahm den Auftrag, für Klink ein Arrangement für zwei Trompeten zu schreiben, und schlug als Gegenleistung einen gemeinsamen Auftritt vor: Bei Bruno Gallo im »Latour« im Französischen Viertel.

Inzwischen standen die beiden mehr als dreißig Mal zusammen auf der Bühne, und im vollen Terminkalender sind für dieses Jahr unter anderem Aachen, Mainz und Leipzig notiert - dazu ein »Heimspiel« für Bebelaar, der seit fünf Jahren in Kusterdingen wohnt.

Mit Sonderanfertigung

Der Auftritt in der Wahlheimat ist für den 39-jährigen gebürtigen Trierer Ehrensache, und auch Klink ließ sich nicht lange bitten. »Er hat mir gesagt: 'Für Kusterdingen lege ich mich ungesalzen auf den Rost'«, berichtet Bebelaar.

So schlimm wird's nicht kommen. Im Klosterhof wird kein Feuerchen gemacht und kein Grill angeworfen. Klink hat keinen Kochlöffel dabei, sondern seine Manuskripte und sein Bass-Flügelhorn. Letzteres ist eine Sonderanfertigung, entwickelt von einem Ditzinger Instrumentenbauer und dem Trompeter Herbert Joos, mit dem Bebelaar seit einigen Jahren zusammenspielt. Der Klang lässt ein wenig an eine Posaune denken. Klink schlägt sich als Musiker achtbar und improvisiert sehr kernig. »Das passt zu seinem Typ«, findet der Duo-Partner, der dem Nicht-Profi Tipps gibt und regelrechte Übungsprogramme zurechtschneidert.

»Wir sagen, es dauert anderthalb Stunden, aber es geht meistens zwei«, verrät Bebelaar. Was genau zu hören sein wird, legen die beiden erst kurz vor Beginn fest. Vieles entsteht spontan. Das gehört sich beim Jazz so, aber auch Klinks Kochkunst funktioniert nach diesem Prinzip, hat der Komponist Bebelaar beobachtet.

Auf dem Notenblatt sind nur Melodien und Akkorde verzeichnet, die Ausgestaltung ist Sache der Musiker. Die Speisekarte im Restaurant »Wielandshöhe« nennt zwar die Gerichte, doch die Zutaten können variieren und die endgültige Komposition ist Sache der Köche.

Ausfahrt verpasst

»Der Spaß-Faktor ist entscheidend«, sagt Bebelaar über das erfolgreiche Projekt, an dem Publikum wie Künstler gleichermaßen ihr Vergnügen haben. Koch und Komponist verstehen sich nicht nur auf der Bühne gut: »Wir fahren auch mal an einer Autobahn-Ausfahrt vorbei vor lauter Schwätzen.«

Die unvermeidliche Frage nach seinem Lieblingsgericht bringt den Nicht-Schwaben Bebelaar nicht in Verlegenheit. »Rostbraten«, sagt er nach kurzem Überlegen und wischt jeden Verdacht beiseite, bei dieser Wahl sei Rücksicht auf die hiesigen Gewohnheiten im Spiel: »Ohne Zwiebeln.« Aber gerne mit Spätzle.

Die eigenen Kochkünste schätzt er realistisch ein. Zwar greift er daheim gerne und oft für Ehefrau Natascha und die Söhne Kolja (18) und Ilia (16) zum Kochlöffel. »Aber ich koche nicht so gut, wie Vincent spielt.« (GEA)


NOCH EINMAL IM HERBST


Wer sich nicht sofort um Karten gekümmert hat, für den gibt's kein Reinkommen mehr. Die musikalische Lesung von Patrick Bebelaar und Vincent Klink am Sonntag, 14. März, um 19 Uhr im Kusterdinger Klosterhof ist ausverkauft. Im Herbst will das Duo mit Wiglaf Droste im Tübinger Sudhaus auftreten. (GEA)

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