Preis - Verdienste um die soziale Demokratie: Landtags-SPD zeichnet Gomaringer Unterstützerkreis der Avdijajs aus

»Beispiel für gelebte Solidarität«

Von Joachim Kreibich

GOMARINGEN. Die Tübinger Abgeordnete Rita Haller-Haid hat den Vorschlag eingebracht. Die Jury fand ihn überzeugend: Die Landtagsfraktion der SPD zeichnet den Avdijaj-Unterstützerkreis in Gomaringen mit dem Preis für »Verdienste um die soziale Demokratie« aus. Die erstmals verliehene Auszeichnung ist mit 2 500 Euro dotiert und wird am 14. Oktober bei einer Feier in Rastatt überreicht.

Die SPD würdigt das Gomaringer Engagement: (von links) Andreas Foitzik, Edvin Avdijaj, Claus Schmiedel, Elvira Avdijaj und Waltraud Klett. GEA-FOTO: -JK
Die SPD würdigt das Gomaringer Engagement: (von links) Andreas Foitzik, Edvin Avdijaj, Claus Schmiedel, Elvira Avdijaj und Waltraud Klett. FOTO: Joachim Kreibich
Der Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel war gestern eigens nach Gomaringen gekommen, um die Gründer und Initiatoren Andreas Foitzik und Waltraud Klett in Kenntnis zu setzen. Der Einsatz für die Avdijajs ist in seinen Augen »ein bewundernswertes Beispiel gelebter Solidarität und grenzenloser Freundschaft - allen Hindernissen zum Trotz«.

Die Familie Avdijaj war vor fast zehn Jahren in den Kosovo gezogen, um der Abschiebung zu entgehen. Die Gomaringer, die die erzwungene Ausreise gerne verhindert hätten, unterstützen sie seither auch finanziell und halten den Kontakt. Elvira, 23, und Edvin Avdijaj, 22, studieren inzwischen in Sigmaringen (Betriebswirtschaft und Management). Elvir, 19, hat ein Studium in Pristina (Business Administration) begonnen. Schmiedel findet den Einsatz vorbildlich. Die Gruppe habe sich nicht einfach mit dem Missstand abgefunden, sondern kämpfe dagegen an - mit langem Atem.

Der SPD-Mann ist überzeugt: »Das Recht muss sich weiterentwickeln. Und wir kommen in kleinen Schritten voran.« Menschen abzuschieben, die gut integriert sind, hält er angesichts der Bevölkerungs-Entwicklung für widersinnig.

Foitzik zeigte sich erfreut und überrascht, ist aber skeptisch, ob eine Entscheidung heute unter Grün-Rot nach Einzelfall-Prüfung anders ausfallen würde. Für ihn steht fest: »Diese Menschen sind hier Teil der Gesellschaft.« Er vermutet: Wenn nicht kurz zuvor die Jasharis aus Kusterdingen abgeschoben worden wären, wäre man in Gomaringen seinerzeit vielleicht weniger aufmerksam gewesen und hätte weniger Kräfte mobilisiert.

Foitzik kennt andere, die nach seiner Einschätzung den Preis »mindestens genauso« verdient hätten. Vor wenigen Tagen, bei der Trauerfeier für die Reutlingerin Monika Calmbach, sei nachdrücklich vor Augen geführt worden, wie beispielhaft sie sich für Flüchtlinge eingesetzt habe. Vom Preisgeld wollen er und seine Mitstreiter daher nur die Hälfte für die eigene Arbeit einsetzen und den Rest für andere vorsehen, zum Beispiel die Aktion Bleiberecht in Freiburg, die Roma und Illegalen hilft.

Elvira Avdijaj, die zusammen mit Bruder Edvin ebenfalls zu dem gestrigen Treffen gekommen war, ist überzeugt: »Gomaringen ist die ganz große Ausnahme.« Die Familie habe im Kosovo nirgends gehört, dass jemand in ähnlicher Weise unterstützt worden sei. (GEA)



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