Szene Aktuell - Die Konzertkritiken - Die Basement Saints überzeugen im "Adler" in Meidelstetten das Publikum

Neuer Stern am Schweizer Rockhimmel

VON RAINER BÄTZ

MEIDELSTETTEN. In Sachen Rockmusik weht frischer Wind aus der Schweiz. Sicher haben bis dato nicht allzu viele Vertreter dieses Genres aus dem Nachbarland ihren Platz in den hiesigen Musikregalen gefunden, bestenfalls der Songwriter Hank Shizzoe und bei eingefleischten Metal-Jüngern die Tonträger der international erfolgreichen Schweizer Hardrocker von Gotthard und Krokus. Dies kann sich nun ändern, denn neben den Krokussen sind im Kanton Solothurn neue Protagonisten gewachsen, die Basement Saints, die im Zuge der Release Tour für ihr neu veröffentlichtes Album »Bohemian Boogie« im »Adler« in Meidelstetten aufspielten.

Die Basement Saints ließen es im "Adler" krachen. FOTO: MARION SCHIEBEL
Die Basement Saints ließen es im "Adler" krachen. FOTO: MARION SCHIEBEL
Die Basement Saints, das sind Sänger und Gitarrist Anton Delen, Lead-Gitarrist Tobias Arn und Drummer Samuel Jaussi. Ein Trio, das aussieht, als wäre es soeben einem Woodstock-Fotoalbum entsprungen und das sich den Sound der Rockmusik der 70er-Jahre auf die Fahne geschrieben hat – jener Musik, mit denen schon ihre Eltern aufgewachsen sind.

Zweifelsfrei haben die drei jungen Musiker auch den Spirit jener Jahre in den Genen, was sie mit dem Opener »Get Ready«, einer wuchtigen Nummer aus dem gleichnamigen Erstlingsalbum, bestätigen. Auch die Folgenummern »Red Wine«, »Shyness Highness« und »Free Time« stehen in der Tradition der Bands dieser Ära und wecken unweigerlich Erinnerungen an Cream, Humble Pie und UFO. Um es aber klarzustellen: Gecovert wird hier nichts.

Das Programm der Basement Saints besteht ausschließlich aus temporeichen Rocksongs aus eigener Feder, die frisch und ungestüm serviert werden. Das epische »Valhalla« wartet mit reichlich Sphärenklängen auf und ein Häppchen Louisiana-Blues gibt es mit »Brother« und Tobi an Mandoline und Harp. Bei den Songs »Rainbow Nation« und »Buffalo Bay« scheint gar ein Südstaatenexpress durch den Adler zu rollen – angetrieben von Samuel Jaussi, der energiegeladenen Schlagzeugmaschine, die ungebremst auf Hochtouren läuft, und dem Stakkato der beiden Gitarristen, die mit ihrem enthusiastischem Spiel die wahre Bestimmung ihrer sechssaitigen Instrumente in der Rockmusik untermauern.

Lead-Gitarrist Tobias Arn knüpft dabei mit seinen von Verzerrer und Wahwah-Effekt geprägten Soli nahtlos an die Ära früherer Gitarrengötter an und erweist seinem Idol Jimmy Page, dem Gitarristen von Led Zeppelin, alle Ehre. Der kraftvolle Gesang von Anton Delen, bei dem man unweigerlich an lange Nächte und Hochprozentiges denkt, strotzt vor Authentizität, wenn er aus voller Kehle das Leben auf der Straße, die Freundschaft oder die Liebe zur Musik besingt. Auch Kritik am Weltgeschehen findet in den Texten Platz.

Anton Delen sorgt auch dafür, dass trotz fehlendem Bassisten der Bass kräftig aus dem Boxen wummert. Mithilfe eines Effektgeräts werden die tiefen Frequenzen seiner Gitarre zusätzlich über einen Bassverstärker gejagt, als quasi »virtueller Bassist«, der sich in zahllosen Live-Auftritten bewährt hat.

Bei »Wildfire« schütten sie nochmals das ganze Füllhorn an Gitarreneffekten aus, bevor das Klanginferno in ein Drumsolo übergeht, bei dem der ohnehin hoch-gewachsene Akteur mit schweißgetränkter Mähne über sich hinauswächst.

Zwei Stunden lang rollt der Rockexpress durch den Adler und weckt dabei immer wieder Assoziationen an legendäre Rockgrößen. Letztlich bringt es der Titelsong des neuen Albums auf den Punkt: »I Still Love That Old School Rock ’n’ Roll«. Das ist Rockmusik für freie Seelen. Status Quo im Turbogang. Mit einer überlangen Zugabe machen die Eidgenossen den Sack zu und versetzen ihre Zuhörer endgültig in einen Rauschzustand.

Die leider eher bescheidene Besucherzahl im sonst redlich gefüllten Adler muss wohl dem heftigen Schneefall und den damit verbundenen Anfahrtsproblemen an den Albsteigen zugeschrieben werden. Die kollektive Begeisterung für die »Kellerheiligen« blieb davon unbenommen. Eine Band, die man getrost als Hoffnungsträger nicht nur des Schweizer Rockbusiness werten kann. (GEA)

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