Muslime - Offene Türen bei Ahmadiyya Muslim Jamaat und in der Yunus-Emre-Moschee
Zu Gast am »Ort der Niederwerfung«
VON HANS A. LASSLOB
REUTLINGEN. »Den Islam« gibt es so wenig wie »die christliche Kirche«. In der Wörthstraße treffen sich im ehemaligen Möwe-Werk die Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat (Jamaat bedeutet etwa: Gemeinschaft), nur wenige Hundert Meter entfernt von der Yunus-Emre-Moschee. Am Tag der offenen Moschee waren in beide Gebetsstätten die Nachbarn der Reutlinger eingeladen, die sich dort sonst regelmäßig treffen, Reutlinger anderen Glaubens.
Über Themen wie pro und kontra Kopftuch tauscht sich Besucherin Petra Vetter (links) mit einer Gruppe Ahmandiyya-Musliminnen um Nusrat Hassan aus.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Die Ahmadiyya stammen fast alle aus Pakistan, wo ihre Glaubensgemeinschaft teils heftigen Pressionen und Verfolgungen ausgesetzt war und ist. Neunzig Prozent dieser Religionsflüchtlinge der Achtzigerjahre haben inzwischen einen deutschen Pass, die jüngere Generation ist in Reutlingen geboren und aufgewachsen, zur Schule gegangen und studiert in Tübingen, Freiburg oder Heidelberg. »Hier sind vor allem sie, die Jungen, ganz zuhause; Reutlinger mit etwas dunkler Hautfarbe«, lächelt der Gemeinde-Vorsitzende Basharat Achmad, der zugleich Präsident der Ahmadiyya in Südwest-Baden-Württemberg ist.
Bereit zum Gespräch
In der Wörthstraße trifft sich die Gemeinde seit 1998 in dem etwas schwer zu findenden Saal, der ihnen als Treffpunkt, Versammlungsraum und Moschee - das heißt: »Ort der Niederwerfung« - dient. Mit großer Aufmerksamkeit und Freundlichkeit empfangen die Pakistani ihre Gäste vor der Tür, geleiten sie durch ein tristes Treppenhaus und schlichte Flure in ihren festlich geschmückten Saal, an dessen Wänden zahlreiche Bilder und Texte über den Islam und die Ahamadiyya informieren. Ein kleines Büfett bietet pakistanische Leckereien, die Gesprächsbereitschaft, der Wunsch der Männer und Frauen nach dem Gespräch, ist geradezu mit Händen zu greifen.
Staatssekretär Dieter Hillebrand mit Frau Elisabeth zählt an diesem Tag zu den Gästen, auch der FWV-Stadtrat Kurt Gugel, zugleich Hausarzt von Basharat Ahmad; Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hatte ihr Kommen ebenfalls zugesagt, verweilte jedoch wohl länger bei den Besuchern aus Pirna zum Tag der Einheit. Aber auch »normale« Bürger kamen, so Petra Vetter, die sich mit einer Gruppe von Ahmadiyya-Frauen lebhaft über die Kopftuch-Frage austauschte.
Ist für die Ahmadiyya der Gründer und Namensgeber ihrer Gemeinschaft, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der »verheißene Messias«, so sehen die Muslime nebenan, in der Yunus-Emre-Moschee, in Muhammad, Vermittler des Koran, den letzten Propheten Allahs.
Auch in der 1996 erbauten Moschee der türkischstämmigen Reutlinger Muslime werden Besucher mit großer Freundlichkeit und viel Zuvorkommenheit empfangen und in den Gebetsraum geführt, den blaue Kacheln und eine strahlenförmig strukturierte Dachkuppel schmücken. Einige Hundert Besucher, schätzt ein Sprecher, sind gekommen, um zu schauen, vor allem aber, um sich auszutauschen über den Islam, über die Muslime in Reutlingen, über den Koran, den Glauben der Muslime, über Kopftücher, Integration und was der aktuellen Themen mehr sind.
Beide Treffpunkte und Moscheen stehen auch sonst prinzipiell jedermann offen, gleich welchen Glaubens; freilich wünschen sich die Ahmadiyya wie die türkischen Muslime, dass Besucher sich anmelden, aus ganz praktischen Gründen: Da sind die festen Zeiten der Tagesgebete, zu denen man sich einem Besucher nicht widmen kann, und da ist eben der Wunsch, sich jedem Besucher dann auch zuzuwenden. (GEA)
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