Kirche - Evangelischer Rat distanziert sich nachdrücklich von Störversuchen bei Veranstaltungen mit Muslimen in der Christuskirche und im Alberhaus
Ziel: Vertrauen und Gespräche
REUTLINGEN. Mit einer einstimmigen Resolution distanziert sich der evangelische Gesamtkirchengemeinderat von allen, »die einen offenen Dialog mit den Muslimen in Reutlingen bekämpfen«. Hintergrund der Erklärung sind massive Störversuche während der Veranstaltungen Ende Januar in der Christuskirche sowie zum Auftakt der Reihe »Christen und Muslime im Dialog« jetzt im Matthäus-Alber-Haus.
Das Dekanat hat als wahrscheinliche Quelle der Störungen eine Gruppierung ausgemacht, die sich zwar vordergründig christlich gebe, in Wahrheit aber »den Islam in Deutschland und Europa bekämpft und, wie sich gezeigt hat, auch bereit ist, für ihre Ziele die Grenzen des Anstandes zu überschreiten und Veranstaltungen zu stören«.
»Wir setzen uns als evangelische Kirche für die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ein, nicht nur im Eigeninteresse, sondern auch für Angehörige anderer Religionen«, heißt es in der Resolution. Der Rat, der acht protestantische Gemeinden vertritt, befürwortet die Initiative der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, alle sechs Moscheegemeinden in Reutlingen mit den Christen an einen runden Tisch zu bringen »und so zu einem vertrauensvollen Miteinander zu kommen«.
Ausdrücklich wird die ACK im Bemühen unterstützt, öffentliche Veranstaltungen gemeinsam mit den Moscheen zu machen: »Sie dienen dem Frieden in der Stadt.« Denn nur gegenseitiges Kennenlernen »und vertrauensvolles Wahrnehmen ohne Ausklammern der Unterschiede, die es zwischen dem christlichen und islamischen Glauben gibt«, ermögliche ein friedliches Miteinander.
Der Gesamtkirchengemeinderat distanziert sich von Personen und Gruppen, die Muslime »von vornherein der Lüge und Täuschung bezichtigen und deren Glaubensvorstellungen und Ansichten negativ darstellen«. Erläuternd hatte Dekan Dr. Jürgen Mohr darauf hingewiesen, dass »ohne Dialog kein Friede zwischen den Religionen« herrschen könne. Es gelte, kommende Generationen gesprächsfähig zu machen.
Bereits seit 1987 befindet sich die evangelische Kirche in Reutlingen im Gespräch mit Muslimen, erläuterte Pfarrer Albert Ebertshäuser. Seit Mitte 2008 ist die ACK um eine Wiederbelebung bemüht; ein runder Tisch entstand. Ein Ergebnis war die Überlegung, verstärkt an die Öffentlichkeit zu gehen. Den Auftakt bildeten der Abend in der Christuskirche und die laufende Reihe »Christen und Muslime im Dialog«, die beide Störungen erlebten. (wer)
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