Unterstützung - Förderverein »Sonnenstrahlen« hilft Kindern und Jugendlichen, deren Angehörige schwer krank sind

Zeitweise dem Druck entfliehen

VON ALEXANDER RABE

REUTLINGEN. Krebs. Herzinfarkt. Schlaganfall. Solche Diagnosen ziehen nicht nur den lebensbedrohlich Erkrankten vom einen Moment zum anderen den Boden unter den Füßen weg, sondern auch deren Angehörigen.

Engagierte Mitglieder des Fördervereins »Sonnenstrahlen« (von links): Kunsttherapeutin Marion Köhler, Alexandra Raach (Zweite stellvertretende Vorsitzende), Verena Stub (Vorsitzende), Professor Dr. Gernot Lorenz (Erster stellvertretender Vorsitzender), Schatzmeisterin Heide Goedecke sowie Klinik-Geschäftsführerin Dr. Rafaela Korte.
Engagierte Mitglieder des Fördervereins »Sonnenstrahlen« (von links): Kunsttherapeutin Marion Köhler, Alexandra Raach (Zweite stellvertretende Vorsitzende), Verena Stub (Vorsitzende), Professor Dr. Gernot Lorenz (Erster stellvertretender Vorsitzender), Schatzmeisterin Heide Goedecke sowie Klinik-Geschäftsführerin Dr. Rafaela Korte. FOTO: Alexander Rabe
Nöte, Sorgen, Ängste: Vor allem Kinder und Jugendliche sind oftmals völlig überfordert, wenn das gesundheitliche Schicksal in der eigenen Familie derartig hart zugeschlagen hat. Und genau an diese Kinder und Jugendlichen wendet sich der Förderverein »Sonnenstrahlen«, der im November gegründet wurde und vor drei Monaten seine Arbeit aufgenommen hat.

Impuls durch Betroffenheit


Initiiert wurde das Projekt von Verena Stub, heute Vorsitzende des Vereins. »Die Geschichte ist aus eigener Betroffenheit heraus entstanden«, erklärt die Frau, die mit 38 Jahren selbst an Krebs erkrankte und im Umgang mit ihren Kindern »viel falsch gemacht« habe. Sie habe mit ihren Kindern nicht über die Krankheit und den Tod gesprochen. Ein distanziertes Verhältnis war die Folge.

Damit andere Familien mit solchen Situationen und deren Verarbeitung besser umgehen können, war es Verena Stub ein Anliegen, den Verein zu gründen. Als dann Klinik-Geschäftsführerin Dr. Rafaela Korte ihre Unterstützung zusagte und die Räumlichkeiten im sechsten Stock des Klinik-Wohnheim-Hochhauses kostenfrei zur Verfügung stellte, nahmen die Dinge ihren Lauf.

Zwar gibt es ähnliche Vereine bereits in München, Freiburg und Tübingen. Die Reutlinger Organisation unterscheidet sich aber dadurch von ihnen, dass sie sich nicht nur an die Kinder von Krebskranken wendet, sondern an die Sechs- bis Zwölfjährigen, deren Eltern an lebensbedrohlichen Erkrankungen jeglicher Art leiden.

Der »Sonnenstrahlen«-Verein will den jungen Menschen den individuellen Umgang mit der neuen Situation zumindest ein wenig erleichtern, die Jugendlichen in ihren Ressourcen stärken und deren familiäre Situation entlasten. »Der Verein möchte präventiv arbeiten, nicht unbedingt therapieren«, sagt Vorstandsmitglied Professor Dr. Gernot Lorenz. Will heißen: Die Kinder sollen eine Anlaufstelle haben, bei der sie dem großen Druck zumindest zeitweise entfliehen können - und zwar bevor sie durch die schwierige familiäre Situation selbst krank werden und eine Behandlung durch Spezialisten benötigen.

Begleitet werden die jungen Leute in dieser Anlaufstelle von Diplom-Kunsttherapeutin Marion Köhler. In einem Malraum, einem Werkraum und einer Kuschelecke kümmert sie sich um derzeit sechs Kinder, die einmal pro Woche für eine Stunde kommen. Derzeit werden die Kinder noch einzeln betreut, die Arbeit in Vierergruppen ist aber bereits in Planung. Nach zehn Terminen kann die Betreuungsdauer nach Absprache auch verlängert werden.

»Es ist mir ein großes Anliegen, Freiräume für die Kinder zu schaffen«, sagt Marion Köhler. Die individuellen, emotionalen Bedürfnisse stünden im Vordergrund. Gefühle und Gedanken können in den »Sonnenstrahlen«-Räumen mit Worten und Farben ausgedrückt oder ausgemalt werden. Man kann aber auch mit Ton arbeiten oder einfach ein wenig ausruhen. Während sich viele Kinder gegenüber den Elternteilen zurücknehmen würden, könnten sie sich, so die Beobachtung von Marion Köhler, an diesem neutralen Ort besser öffnen.

Auf Spenden angewiesen


Ergänzend führt die auf Honorarbasis tätige Therapeutin, die auch im pflegerischen und onkologischen Bereich ausgebildet ist, Eltern- und Familiengespräche, um die Situation gemeinsam anzugehen. Dabei gilt: Die erkrankten Elternteile müssen nicht im Reutlinger Klinikum liegen, damit ihre Kinder betreut werden.

Für die Familien sind all diese Hilfestellungen kostenfrei, denn das gemeinnützige Projekt »Sonnenstrahlen« finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Bislang, so Vereins-Schatzmeisterin Heide Goedecke, seien Spenden von Firmen und auch Einzelpersonen eingegangen, mit denen die Arbeit zumindest bis zum Jahresende gesichert ist. Weiteres Geld werde noch aus dem Erlös des Eninger Charity-Laufs in die Kasse kommen. Und dennoch: Um den kontinuierlichen Fortbestand zu sichern, die Arbeit als Institution zu verankern, ist der Verein auf weitere Spenden angewiesen.

Spenden, mit denen nach Überzeugung von Gernot Lorenz in doppelter Hinsicht geholfen werden kann, denn: »Wir sind sicher, dass die Arbeit nicht nur den Kindern hilft, sondern auch den Erkrankten selbst.« (GEA)

0 71 21/2 00 43 36

v.stub@gmx.de

www.sonnenstrahlen-online.de



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