Arbeiterwohlfahrt - Weihnachtsfeier im Café Nepomuk am Heiligen Abend mit gutem Essen und Geschenken

Wohnungsnot steigt weiter an

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. Sehr feierlich ging es zu bei der Weihnachtsfeier der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die für Wohnungslose oder Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, an Heiligabend wie gewohnt im Café Nepomuk stattfand. »Wir haben jedes Jahr fast die gleichen Ehrenamtlichen, die hier helfen«, berichtete Rita Wilde, hauptamtliche Fachkraft von der Arbeiterwohlfahrt, die hinter der Organisation der gesamten Feier stand.

Bei der AWO-Weihnachtsfeier für Wohnungslose im Café Nepomuk wurde nicht nur leckerer Braten serviert, es gab auch Geschenke für die Besucher und schöne Musik.
Bei der AWO-Weihnachtsfeier für Wohnungslose im Café Nepomuk wurde nicht nur leckerer Braten serviert, es gab auch Geschenke für die Besucher und schöne Musik. FOTO: Norbert Leister
Insgesamt 25 Personen halfen bei der Bedienung der Gäste, darunter erneut ehemalige Schüler der Merian-Schule in Gomaringen. Vor einigen Jahren waren sie mit ihrer Lehrerin dabei, kommen seitdem regelmäßig und bringen laut Rita Wilde »immer mal wieder Freunde mit, die sich hier auch einbringen«. Die Gomaringer Schule sorgt zudem schon seit mehr als 20 Jahren für Geschenke für die Besucher der Weihnachtsfeier. »Die Schüler sammeln vor Supermärkten Lebensmittelspenden, vor allem Hygieneartikel und Süßigkeiten«, berichtet Rita Wilde.

Braten und Musik

Und so gab es bei der Feier am Heiligabend im Café Nepomuk nicht nur gemischten Braten, Knödel und Rotkraut, sondern eben auch Geschenke. Für den besinnlichen Teil sorgte einmal mehr Jürgen Quack, der als Pfarrer i. R. nicht etwa »im Ruhestand«, sondern »in Rufbereitschaft« sei, wie er schmunzelnd erläuterte. Zuvor hatte jedoch Barbara Bosch erneut ein paar Worte zu den Gästen gesprochen - was Reutlingens Oberbürgermeisterin im Übrigen schon seit ihrem Amtsantritt 2003 macht. Ihr Besuch bei der AWO-Feier ist Auftakt für ihre Weihnachts-Tour durch die Stadt, die sie dann weiterführt zu Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz.

Musikalisch umrahmt hat das Fest im Café Nepomuk die Band »Mountain Dews« - und das auch schon zum dritten Mal - mit irischen Weisen. Allerdings ist diese besondere Weihnachtsfeier nicht nur Grund und Anlass, um die von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen einmal im Jahr in den Mittelpunkt zu stellen, sie zu bedienen und mit einem guten Essen zu verwöhnen. Laut Rita Wilde ist dieser Moment auch dafür da, um auf die gesellschaftliche Gesamtsituation aufmerksam zu machen: Dass nämlich die Zahl der Wohnungslosen - wie in den Vorjahren auch - erneut angestiegen ist. »Bis zum 22. Dezember hatten wir dieses Jahr 873 Personen in Wohnungsnot in unseren beiden Beratungsstellen«, so die AWO-Fachfrau. 2016 waren es 836 Ratsuchende. Gestiegen ist auch die Zahl der Frauen, die im Elisabeth-Zundel-Haus Unterstützung suchten, auf 203. »Und in der Fachberatungsstelle Unter den Linden waren es 670 Männer«, so Rita Wilde.

Wohnraum dringend benötigt

»Unsere Einrichtungen sind voll belegt«, betonte die Sozialpädagogin. Dabei betreibe das Netzwerk Ambulante Wohnungssicherung (NAWO) sehr erfolgreich Prävention und habe im zurückliegenden Jahr insgesamt 204 Haushalte mit 442 Personen, darunter 154 Kinder, beraten. »Dadurch konnten 46 Haushalte in ihrer Wohnung bleiben und 110 Haushalte sind aktuell noch in Beratung.« Die auch dieses Jahr weiter steigenden Zahlen zeigen laut Wilde eindeutig auf, dass Wohnraum im gesamten Landkreis Reutlingen dringend benötigt wird. Und zwar nicht »nur« für Einzelpersonen, sondern immer mehr auch für Familien, so Rita Wilde.

Das betonte auch Sebastian Weigle: »Die Politik hat dieses Thema 20 Jahre lang verschlafen.« Und zur Weihnachtsfeier im Nepomuk sagte der AWO-Vorsitzende: »Das ist eine Tradition, auf die wir eigentlich liebend gerne verzichten würden.« Weil die Situation aber nun mal so unbefriedigend sei, hat die AWO am Sonntag erneut mehr als 150 Gäste zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern bewirtet. Zu Letzteren zählte auch Christoph Heubach vom Reutlinger Restaurant Cucinea: Er hatte für die Gästeschar einen feinen Nachtisch gezaubert und half auch bei der Bedienung der Besucher. »Ich möchte ein bisschen was davon zurückgeben, was ich selbst Gutes erlebt habe«, begründete er sein Engagement. (GEA)



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