Hochschule - 517 Absolventen verabschiedet. Präsident Dr. Peter Nieß: »Es geht um mehr als um Qualifikation«
Wissen braucht Werte
VON JÜRGEN KEMPF
REUTLINGEN. 517 junge Frauen und Männer haben im Wintersemester 2010/2011 ihr Studium mit dem Bachelor oder Master an der Hochschule Reutlingen abgeschlossen.
Die mit Preisen ausgezeichneten Absolventen der Hochschule Reutlingen. Links hinten GEA-Verleger Valdo Lehari jr., rechts daneben Hochschulpräsident Dr. Peter Nieß.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Gestern wurden sie mit einem Festakt in der Aula verabschiedet und die Preise verteilt. »Ihr Studienabschluss ist ein zentrales Ereignis in Ihrem Leben, mit dem Sie wichtige Weichen stellen«, gab ihnen Hochschulpräsident Professor Dr. Peter Nieß mit auf den Weg. »Diese Urkunden werden Ihnen so manche Tür öffnen«, sagte er.
Ein Studium erfordere nicht nur Talent, Ausdauer und Disziplin, sondern auch die Fähigkeit, selbst in schwierigen Situationen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, so der Präsident. »Einen Abschluss an der Hochschule Reutlingen bekommt man nicht geschenkt«, sagte er. Nieß erinnerte daran, dass sich ein erfolgreich absolviertes Studium im späteren Berufsleben auch finanziell bemerkbar mache. Laut einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verdienen Akademiker im Schnitt 67 Prozent mehr als Menschen ohne Studium.
»Wir sind bemüht, unsere Studierenden bestmöglich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und gemeinsam mit ihnen, den Grundstein für vielversprechende Karrieren zu legen«, sagte der Hochschulpräsident. Es gehe jedoch um mehr als um Qualifikation und sozialen Aufstieg. Es gehe auch um Werte wie Verantwortung, Respekt, Vertrauen, Toleranz und Engagement für das, was man als richtig einschätzt. »Wissen ohne Werte ist wert-loses Wissen«, so Nieß und weiter: »Wir wünschen, dass wir Ihnen wertvolles Wissen vermittelt haben.«
Bürgermeister Peter Rist überbrachte die Glückwünsche der Stadt Reutlingen. »Die deutsche Wirtschaft benötigt hoch qualifizierte, motivierte und optimistisch in die Zukunft schauende Menschen«, sagte er. Angesichts der demografischen Entwicklung würden Fachkräfte dringend benötigt. »Das ist Ihre Chance«, so Peter Rist.
GEA-Verleger Valdo Lehari jr., der als ehemaliger Präsident und derzeitiger Vizepräsident des Verbands der europäischen Zeitungsverleger die Interessen der Zeitungsverlage in Brüssel vertritt, beschäftigte sich in seiner Festrede insbesondere mit der Politik der Europäischen Union. Betrachte man die Medienlandschaft, so stelle sich nicht die Frage, ob die Zeitungen überleben, sondern die Gesellschaft insgesamt. »Die Desinformationsgefahr ist sehr groß«, sagte Lehari im Hinblick auf die elektronischen Medien.
Die Zeitungen seien mit 300 Millionen Lesern pro Tag immer noch das erfolgreichste Medium, betonte der GEA-Verleger. Den Absolventen empfahl er, sich auch außerhalb ihrer künftigen Berufstätigkeit »einzumischen und einzubringen«. Gerade im Hinblick auf die EU-Politik, um »Grundwerte und Grundmodelle freiheitlichen Wirtschaftens« zu bewahren.
Am Spätnachmittag richtete die ESB Business School für ihre Absolventen eine eigene Graduierungsfeier in der Friedrich-List-Halle aus. (GEA)
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